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Symvaro: Kärntner Start-up digitalisiert die Wasserwirtschaft

Symvaro hat sich in eine Branche gewagt, die zuvor kein Software-Anbieter betreten hat: Das Start-up bietet mit der Waterloo-App, einen Dokumentationsmanager für Wasserversorger an. Damit sind sie in einer Welt erfolgreich, die analoger nicht sein könnte.

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Start-up Symvaro Diehl Ventures IT

Waterloo als Dokumentationsmanager für Wasserversorger: Rudolf Ball (Mitte) gründet das Unternehmen vor acht Jahren, die Geschäfte führt er gemeinsam mit Innovationsmanager Philip Kozeny und Vertriebsleiter Gernot Fleiss.

Die Digitalisierung ist am Vormarsch, heißt es. Ohne IT geht nichts mehr. Wer das sagt, hat vermutlich noch nie einem Mitarbeiter eines Wasserversorgers über die Schulter geschaut. Hier gibt es sie noch: die gute, alte Zettelwirtschaft. Als „old school“ bezeichnet Gernot Fleiss, der bei Symvaro für Vertrieb und Marketing zuständig ist, die Arbeitsweise der Wasserversorger. Mit der App „Waterloo“ wird dieser Zettelwirtschaft nun der Kampf angesagt.

Drop-Out-Rate liegt bei Null

„Wir haben da sozusagen Pionierarbeit geleistet“, lacht Fleiss, während er erzählt, wie in den vergangenen Jahren die „Waterloo“-App bei dem Kärntner Software-Anbieter entwickelt wurde. Mittlerweile wird die App, auf die sich das Unternehmen seit etwa eineinhalb Jahren konzentriert, von rund 110 österreichischen Wasserversorgern verwendet. Die Drop-Out-Rate liegt bei Null Prozent. „Wer einmal mit unserem System arbeitet, bleibt dabei. Wir bieten einen großen Mehrwert.“ Dazu gehört vor allem Rechtssicherheit: Gemeinden, die einen großen Teil der Wasserversorger ausmachen, sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Arbeit an den Wasserzählern zu dokumentieren. Dies war bisher nur schwer möglich: Daten wurden auf Papier erfasst und dann abgelegt. Es gab keine Fotodokumentation und auch keine Unterschriften von Kunden auf den Dokumentationen. Diese Lücken werden mit „Waterloo“ gefüllt: In der App werden Fotos von Wasserzählern abgelegt und Infos über die Anlagen eingegeben. So ist auf einen Blick ersichtlich, welche Anlagen wann getauscht wurden. Dies muss nämlich laut Gesetz alle fünf Jahre erfolgen. Geschieht es nicht, weil eine Anlage vergessen wurde, haftet dafür im Falle des Falles die Gemeinde als Wasserversorger. Dadurch gibt es natürlich auch einen gewissen Druck, die Daten in geordnetere Bahnen zu bringen.

Genau das was Wasserversorger brauchen

„Mit unserer App haben wir einen Nerv der Branche getroffen“, ist sich Fleiss sicher. Dass aus der Idee der Digitalisierung einer analog arbeitenden Branche eine Erfolgsgeschichte wurde, liegt vor allem an akribischer Vorarbeit. „Wir haben viele Stunden damit verbracht, in Workshops herauszufinden, was Wasserversorger wollen. Wir wollten genau wissen, welche digitale Hilfe sie für ihre Arbeit brauchen können.“ Und genau ein solches Tool stellten sie ihnen dann mit „Waterloo“ zur Verfügung. „Unsere App kann genau das, was ein Wasserversorger braucht – und nicht mehr. Sie kann keine Rechnungen stellen oder Buchungen durchführen. Wir wollten keinen großen Moloch auf den Markt bringen, sondern eine spezialisierte App.“ Schnittstellen machen es aber möglich, andere Anwendungen mit „Waterloo“ zu koppeln. Aufgebaut wurde die App so, dass keine großen Vorkenntnisse nötig sind. Mittels Farbcode sieht der Mitarbeiter, welche Aufgaben erledigt wurden, was zu tun ist und wo es Probleme gibt. „Eine intuitive Bedienung ist in dem Bereich sehr wichtig. Techniker wollen keine komplizierten Konstrukte, sondern einfache Lösungen“, sagt Gernot Fleiss. Auch der Wasserversorger als Dienstgeber bekommt durch die App einen guten Überblick über den Stand der Arbeiten. „Bisher wusste man nie genau, wo man steht. Jetzt hat man den genauen Ist-Stand.“

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Österreichs Start-up 2017

Seit einigen Monaten hat das Kärntner Unternehmen nun den Turbo eingelegt. Zuerst wurde man als „Österreichs Start-up 2017“ ausgezeichnet, dann stieg der deutsche Diehl-Konzern bei den Kärntnern ein: Die Diehl Ventures GmbH beteiligte sich zu Jahresbeginn mit einem siebenstelligen Investment an Symvaro und hält seitdem 16,6 Prozent des Software-Anbieters. Und was kommt als nächstes? „Die Internationalisierung“, sagt Gernot Fleiss: Erste Schritte am deutschen Markt wurden bereits gemacht, einige Gemeinden in Bayern und Baden-Württemberg arbeiten bereits mit der App. Als nächstes sollen nun weitere deutsche Bundesländer, die Schweiz sowie Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina erschlossen werden. Nach dem Motto „Think big“ hat man aber noch viel größere Ziele: „In drei Jahren wollen wir die weltweite Nummer eins sein“, so Fleiss.