Analyse

Studie: Ein Drittel des Umsatzes mit Industrie 4.0-Produkten?

Die Unternehmensberatung EY präsentiert neue Zahlen für Österreich mit der Kernaussage: Industrieunternehmen erwirtschaften bereits fast ein Drittel ihres Umsatzes mit Industrie-4.0-Produkten.

Von
Maschinenbau Elektrotechnik Ernst & Young Industrie 4.0

Was sind Industrie 4.0-Produkte? Für manche Unternehmen ist es reine Automatisierung. 

Derzeit erwirtschaften die Unternehmen, die zumindest zum Teil digitale Produktionsprozesse nutzen, nach eigenen Angaben im Durchschnitt 31 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten, die durch Industrie-4.0-Technologien hergestellt wurden. 2020 soll dieser Anteil aber bereits bei 39 Prozent liegen und somit genauso hoch wie bei deutschen Unternehmen sein. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland planen Industriebetriebe also eine deutliche Steigerung – innerhalb von zwei Jahren um acht Prozentpunkte. Um dahin zu gelangen investieren die Unternehmen durchschnittlich 3,7 Prozent ihres Umsatzes in digitale Technologien – das sind 10,2 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen – und damit mehr als ihre deutschen Mitbewerber: Dort investieren Industrieunternehmen 3,4 Prozent ihres Umsatzes. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 250 mittelständische Industrieunternehmen in Österreich und 1.150 in Deutschland befragt wurden.

Industrie 4.0 ist gleich Automatisierung?

Bereits heute produziert eine Mehrheit von 60 Prozent der mittelständischen Industrieunternehmen zumindest teilweise digital gesteuert. Damit sind Industriebetriebe aus Österreich momentan digitaler als Unternehmen in Deutschland, wo erst 54 Prozent digital gesteuert produzieren.

Dennoch ist bei den heimischen Industrieunternehmen noch viel Luft nach oben: Gerade einmal sieben Prozent haben ihre Produktion bereits weitgehend oder vollständig digital vernetzt. 16 Prozent der Unternehmen nutzen Industrie 4.0 noch gar nicht, planen aber, sie im Betrieb einzuführen. Für fast ein Viertel (24%) spielt Industrie 4.0 weder aktuell noch in Zukunft eine Rolle. Konkret heißt Industrie 4.0 für die meisten Unternehmen – 86 Prozent –, dass sie ihre Produktionsprozesse automatisieren. 56 Prozent setzen auf eine flexible Produktion im Gegensatz zu einer starren Serienproduktion. Robot Process Automation (22%), 3D-Druck (17%) oder Künstliche Intelligenz (7%) kommen nur bei einer Minderheit zum Einsatz.

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Österreich bleibt zaghaft: 40 Prozent der heimischen Betriebe geben nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtumsatzes für Investitionen in digitale Technologien aus.

Österreichs Engagement noch zögernd 

Gemessen an den möglichen positiven Auswirkungen entwickelt sich das Engagement der mittelständischen Industriebetriebe in Österreich allerdings noch zaghaft: 40 Prozent geben nur ein bis zwei Prozent ihres Gesamtumsatzes für Investitionen in digitale Technologien aus, fast ein Drittel (29%) investiert immerhin noch drei bis fünf Prozent des Umsatzes. Lediglich jedes zehnte Unternehmen (9%) setzt mit einem Umsatzanteil von mindestens zehn Prozent voll auf Industrie 4.0.

Das wichtigste Ziel von Investitionen in digitale Technologien ist eine größere Flexibilität bei veränderten Anforderungen (65%), gefolgt von schnelleren Anpassungen bei Nachfrageschwankungen (39%). Mehr als ein Drittel (37%) möchte durch Industrie 4.0 sein Produktportfolio erweitern. Die individualisierte bzw. personalisierte Produktion spielt momentan für jedes fünfte heimische Industrieunternehmen (21%) eine Rolle.

Produkte aus der Industrie-4.0-Herstellung sollen steigen

Industrie 4.0 scheint momentan noch eine Frage der Größe zu sein: Heimische Industriebetriebe mit einem Gesamtumsatz von über 100 Millionen Euro erwirtschaften durchschnittlich 35 Prozent davon mit Produkten aus der Industrie-4.0-Herstellung – sie wollen jedoch in zwei Jahren schon bei 42 Prozent sein. Dafür investieren sie durchschnittlich vier Prozent ihres Gesamtumsatzes in digitale Technologien. In zwei Jahren wollen die kleinen Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von unter 30 Millionen Euro bei 37 Prozent sein – derzeit sind sie aber erst 27 Prozent. Ihnen stehen auch nur 3,3 Prozent ihres Gesamtumsatzes für die nötigen Investitionen zur Verfügung. Ein weiteres Indiz für die Kluft: Während große Unternehmen fast jeden achten investierten Euro (12,3%) in digitale Technologien stecken, fließt bei kleinen nicht einmal jeder zehnte Euro (9,8%) dorthin.

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