Maschinenbau

Studer boxt sich durch

Welche Technologien in der eigenen Produktion zum Einsatz kommen, was sich beim Schweizer Maschinenbauer in der Lasermesstechnik tut und was es mit dem Boxen auf sich hat.

Fritz Studer AG Lasermesstechnik Digitalisierung Maschinenbau

Geschäftsleitung der Fritz Studer AG v.l.: Jens Bleher (CEO), Stephan Stoll (COO), Daniel Huber (CTO) und Sandro Bottazzo (CSO).

Konferenzsaal, Meetingraum – oder doch lieber ungewöhnlich? Unter dem Motto „Studer Fight Club“ veranstaltete der Maschinenbauer seine Pressekonferenz aus einem Box- und Trainingsstudio. Das letzte Motion Meeting liegt über ein Jahr zurück. Damals hatte Studer zwar einen Umsatzrückgang zu verkraften, aber gerade das drittbeste Jahr seit Bestehen der Firma abgeschlossen. Die Wirtschaftslage hatte sich jedoch bereits damals verschlechtert. „Das sind wir gewohnt, denn der Maschinenbau ist bekanntermaßen ein sehr zyklisches Geschäft und bestehen kann nur, wer mit diesen Schwankungen umgehen kann“, meint Jens Bleher, CEO bei Fritz Studer.

Studer hat Corona und dem Abschwung getrotzt. Insgesamt sei die Lage deutlich besser als in der Finanzkrise vor zehn Jahren. In punkto Digitalisierung spielen Gruppenprojekte der „United Grinding Digital Solutions“ eine entscheidende Rolle. Auch wurde über bauliche Änderungen und Investitionen in neue Produkte, Maschinen und Anlagen nachgedacht. „Studer hat in 2020 investiert und wird dies auch in diesem Jahr tun“, sagt Bleher.

Das erwarten die Kunden

Durch den guten Auftragseingang gegen Ende des letzten Jahres vor allem aus Asien, Lateineuropa, aber auch vereinzelt aus Zentraleuropa, generierte Studer in Summe höhere Aufträge als noch in der letzten großen Krise in 2009. „Dies ist insofern positiv, da der generelle Marktrückgang ähnlich hoch ausfiel, wie während der Finanzkrise vor über elf Jahren“, so Sandro Bottazzo, CSO der Fritz Studer AG. Der starke Dezember stimmte das Unternehmen zudem positiv. „Viele unserer Kunden erwarten vor allem ein stärkeres zweites Quartal respektive eine stärkere zweite Jahreshälfte 2021. Gerade auch deshalb wurden viele Schleifmaschinen noch im Dezember bestellt“, so Bottazzo.

White Paper zum Thema

„Weiterhin ein maßgebender Faktor des Studer-Erfolgs ist das breite Portfolio an unterschiedlichsten Universal-Außen, Innen-, Produktions- und konventionellen Rundschleifmaschinen“, so Bottazzo weiter. Im letzten Jahr war die in 2019 lancierte neue S33 die mit Abstand meistverkaufte Studer-Rundschleifmaschine. Gefolgt von den Innenschleifmaschinen sowie der neuen S31 und der neuen favorit. Erfreulich hätten sich auch die Verkäufe der Einstiegs-Außenschleifmaschine, der favoritCNC, entwickelt.

Einblicke in die Produktion

In der United Grinding Group wurde gemeinsam eine Digitalisierungs-Roadmap erarbeitet, welche nun Schritt für Schritt umsetzt wird. „Wir setzen zudem alle Technologien, welche wir unseren Kunden anbieten, auch in unserer eigenen Produktion ein“, erläutert Stephan Stoll, COO bei Studer.

Als Beispiel können die United Grinding Digital Solutions genannt werden. Mit dem Production Monitor kann jederzeit der Betriebszustand der eigenen Fertigungs- und Montageproduktionsmittel im Überblick angeschaut werden. Es zeigt den Kunden in Echtzeit, ob und welche Maschinen in Betrieb sind und kann die entsprechende Produktions-Historie einsehen. Dies ist besonders für Führungskräfte in der Werkstatt, aber auch für Maschinenbediener von Mannlos-Maschinen von Interesse und Nutzen. In dieser App können nicht nur Studer-Maschinen und andere Maschinen aus der United Grinding Group eingebunden werden, sondern, über die standardisierte umati-Schnittstelle, auch verschiedenste externe Produktionsmittel und Hersteller integriert werden. „Am Arbeitsplatzrechner erlaubt einem das System außerdem viele detaillierte Analysen und Zustandsreports, inklusive Angaben zu Auftragszuständen, Wartungsintervallen sowie allenfalls erforderlichen Service-Einsätzen“, so Stoll.

IFW, Mirko, Theuer, PZH, maschine, Wälzschleifen © Nico Niemeyer

Kontinuierliches Wälzschleifen.

Technologie-Entwicklung

Im Studer Tech Center werden Innovationen geschaffen und kundenspezifische Anfragen auf Herz und Nieren geprüft. Auch in der Technologie-Entwicklung ist Digitalisierung ein großes Thema. „Heute und in Zukunft brauchen wir eine transparente und dennoch sichere Verbindung, damit Prozessinformationen einfach auf externe Systeme übertragen werden können“, so Daniel Huber, CTO der Fritz Studer AG. Genau diese Vorteile soll die Studer OPC-UA Lösung bieten. Auch im Tech Center sind sämtliche Maschinen mittels OPC-UA nach umati-Standard an United Grinding Digital Solutions-Applikationen angeschlossen, und mit zusätzlichen Sensoren ausgerüstet.

Eine Neuigkeit aus der Technologie ist die Lasermesstechnik mit dem Studer LaserControl. Auf Basis von gewonnen Erfahrungen und allerneuester Lasermesstechnik entwickelte der Maschinenbauer die in anderen Branchen eingesetzten Werkzeugüberwachungs-Systeme zur Vermessung von Werkstücken auf Schleifmaschinen weiter. Die neueste Generation des Studer-Lasermesssystems LaserControl eignet sich zum berührungslosen Messen unter anderem von Werkzeugschneiden unter rausten Bedingungen, aber auch bei rotierenden Werkstücken, welches die Messzeit erheblich verkürzt. Schnell, präzise und zuverlässig durch Premium-Laseroptik und neueste Auswert-Technologie. Hochdynamische und berührungslose Messungen erlauben auch die Qualitätsbeurteilung hochpräziser PKD-Werkzeuge.