Ersatzteilmanagement

Stecken Unternehmen bei der Digitalisierung der Ersatzteillogistik noch in den Kinderschuhen?

Im Ersatzteilgeschäft steigen die Kundenerwartungen hinsichtlich Ersatzteilverfügbarkeit, Reaktionszeiten und Lieferzeiten. Die Digitalisierung im Service- und After-Sales-Bereich läuft zögerlich. Doch woran genau hapert es in der Ersatzteilversorgung?

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Maschinenbau Anlagenbau Digitalisierung Ersatzteile

Die globale Ersatzteilversorgung gewinnt für die Investitionsgüterhersteller eine immer größere Bedeutung. Das Ersatzteilgeschäft ist dabei mit einem Umsatzanteil von 50 bis 60 Prozent vom Serviceumsatz das Rückgrat im After-Sales-Service. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kunden: Weltweit höchste Ersatzteilverfügbarkeiten, kürzeste Reaktionszeiten und Lieferzeiten sowie maximale Qualität der Ersatzteile. Demgegenüber stehen die Zunahme von Nachbauteilen und international operierende Ersatzteil-Piraten. Es wird also immer schwieriger, die richtigen Ersatzteile zur richtigen Zeit am richtigen Ort und zu minimalen Kosten bereitzustellen.

Ersatzteile bringen Umsatzsteigerung

Die aktuelle Studie der deutschen Impuls Management Consulting mit Sitz in Pullach bei München analysiert das Thema Ersatzteilversorgung in digitalen Zeiten und kommt zu dem nüchternen Schluss: In vielen Unternehmen in Deutschland, aber auch in Österreich, gibt es beim digitalen After-Sales-Business noch jede Menge Nachholbedarf. Denn nur 35 Prozent der Unternehmen nutzen im After-Sales-Bereich die Möglichkeiten der Digitalisierung. „Der Großteil der Hersteller im Maschinen- und Anlagenbau erfüllen die digitalen Anforderungen noch nicht ausreichend. Best Practice Unternehmen konnten durch den Aufbau eines strukturierten, globalen ET-Bestandsmanagements und Einführung eines exzellenten globalen ET-Logistik Netzwerks sowie Digitalisierung der ET-Logistik Prozesse signifikante Umsatz- und Ertragssteigerungen mit hoher Kundenbindung erreichen“, so Martin Auer, stellvertretender Geschäftsführer von Impuls Management Consulting gegenüber FACTORY.

Nachholbedarf bei intelligenter Ersatzteillogistik

Die Impuls-Studie „Global Spare Parts Management“ zeigt auf, welche Rolle die globale Ersatzteilversorgung zukünftig in der Investitionsgüterindustrie spielen wird. Es überrascht nicht, dass Schnelligkeit und geringe Kosten eine leistungsstarke Ersatzteillogistik kennzeichnen. Nachholbedarf sieht Auer im Aufbau einer intelligenten Ersatzteil-Bestandsplanung mit differenzierten Parametern um eine Balance herzustellen zwischen Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit und Digitalisierung aller Ersatzteil-Logistik-Prozesse von der Kundenanfrage bis zur Auslieferung an den Kunden. Notwendig dabei, ist die Reduktion der Lagerstufen und Aufbau einer effizienten Hub-Struktur sowie Nutzung der leistungsstärksten Logistik-Dienstleister je Region. Als konkrete Handlungsschritte empfiehlt Auer zudem: Identifikation der konkreten Kundenanforderungen an die Ersatzteil-Logistik, Definition der Projektzielsetzung, Vorgehensweise und Projektplan, Analyse der aktuellen Ersatzteil-Logistik-Performance (KPI Analyse und Kundenwahrnehmung) sowie Identifikation der Lieferströme und Konzeption einer intelligenten und effizienten Ersatzteil Bestandsplanung und Logistik.

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After-Sales: Kundenerwartungen steigen

Fehlende Kenntnisse über die digitalen Möglichkeiten sowie Methoden und Vorgehensweisen zur Optimierung in den Regionen erklärten die mit 35 Prozent niedrige Digitalisierung im After-Sales-Bereich, so die Einschätzung von Auer. Dabei erwarten Kunden heute von ihren Herstellern einfache Bestellmöglichkeiten, kurze Reaktionszeiten, höchste Verfügbarkeit, schnelle Lieferung und viel Flexibilität bei der Abwicklung der Ersatzteil-Order.

Profitables Geschäftsfeld unter Druck

Gerade um sich gegenüber Ersatzteil-Piraten abzugrenzen seien Hersteller dringend gefordert den Ersatzteilvertrieb viel stärker zu professionalisieren bzw. digitalisieren. Das gelingt am besten mit Qualität, kompetenten Ansprechpartnern im Unternehmen, maßgeschneiderten Lösungen und Zugriff auf alle verfügbaren Ersatzteile via One-Stop-Shopping. Auer streicht zwei zentrale Botschaften an die Hersteller und Kunden ganz besonders heraus: „Das After-Sales-Geschäft ist für die Investitionsgüter-Hersteller das profitabelste Geschäftsfeld mit direktem Bezug zum Kunden. Im Durchschnitt schöpfen Hersteller lediglich 25 Prozent des globalen Umsatzpotentials ab – bei gleichzeitig immer professionelleren Wettbewerbern (ET-Piraten/Nachbauer, ET-Plattformen, ET-Onlineshops, Lieferanten oder Service Provider). Und Kunden sollten beim Bestellen von Ersatzteilen stets daran danken: „Original-Ersatzeile und Service sind langfristig die beste Lösung was die Produktivität, Zuverlässigkeit und Sicherheit der beim Hersteller eingekauften Maschinen betrifft.“

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