Stahlindustrie

Stahlpreis-Anstieg gefährdet Aufschwung

„Wir stecken in einer Zwickmühle“, heißt es von der Metalltechnischen Industrie. Sie warnt vor einer Gefährdung der Erholung durch den aktuellen Stahlpreisanstieg und appelliert an europäische Stahlhersteller die Produktion rasch wieder hochzufahren.

Die Entwicklung am Stahlmarkt birgt Risiken für den Aufschwung.

Die Metalltechnische Industrie warnt vor einer Gefährdung der Erholung durch den jüngsten Stahlpreisanstieg: Die Entwicklung am Stahlmarkt berge hohe Risiken für den erwarteten Aufschwung. Die Coronakrise habe weltweit eine Kapazitätsreduktion der Stahlhersteller verursacht und die unsichere Marktlage verhindere ein Hochfahren der Produktion. Die Branche appelliert an die europäischen Stahlerzeuger, die Kapazitäten rasch Schritt für Schritt wieder hochzufahren.

Appell zur Erhöhung der Kapazitäten

„Wir stecken derzeit in einer Zwickmühle. In einigen Sektoren im Stahl- und Maschinenbau gibt es eine an sich gute Auftragslage mit hohem Produktionspotenzial“, so der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, Christian Knill. Es mangle aber an ausreichenden Stahlkapazitäten und die Preise entwickelten sich sehr volatil. „Außergewöhnlich hohe Preissteigerungen in den letzten Monaten machen eine mittelfristige Planung schwierig.“

Diese Zwickmühle müsse rasch aufgelöst werden, indem Stahlhersteller und Stahlverarbeiter gemeinsam mitwirken, wieder ein Gleichgewicht in den Markt zu bringen. „Wir appellieren daher an unsere Marktpartner in Europa, die Kapazitäten wieder zu erhöhen.“ Die voestalpine habe wieder mit der Erhöhung der Produktion begonnen, was von der Branche als positives Zeichen gedeutet wird. 72 Prozent der weltweiten Rohstahlproduktion finden in Asien statt, nur 16 Prozent in Europa. Die EU sollte daher auch Maßnahmen setzen, „damit Stahlimporte für unsere Branche leichter möglich sind, wenn die europäischen Hersteller die Nachfrage in Europa nicht decken können“, so Knill.

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Das zeigt das Konjunkturbarometer

Das aktuelle Konjunkturbarometer für die Metalltechnische Industrie zeigte kürzlich leicht steigende Produktionserwartungen für die nächsten Monate. Laut einer Blitzbefragung in der Branche investieren 77 Prozent heuer mehr oder zumindest gleich viel wie im Vorjahr. Stahlverarbeitende Betriebe hätten von sprunghaften Preisanstiegen um bis zu 50 Prozent und mehr berichtet - teilweise innerhalb weniger Wochen. Der Stahlpreisindex der Statistik Austria sei von November 2020 bis Jänner 2021 um 21,7 Prozent gestiegen. Auch die Rohstoffpreise stiegen - etwa bei Eisenerz um bis zu 40 Prozent in diesem Zeitraum.

À propos voestalpine: Aufgrund der aktuellen Bedarfslage im Langstahl-Bereich produziert der Technologiekonzern seit etwa einem Monat wieder mit zwei Hochöfen am Standort Donawitz. Eines der beiden Aggregate mit einer Roheisenkapazität von jährlich rund 750.000 Tonnen wurde über den Sommer 2020 einer planmäßigen Zwischenreparatur unterzogen und entsprechend der Nachfrageentwicklung nun wieder hochgefahren. Die Metal Engineering Division des Konzerns produziert hier Stahlprodukte, die in den steirischen Tochtergesellschaften zu Spezialschienen, Qualitätswalzdraht und Ölfeldrohren weiterverarbeitet werden. 

Chaos durch Corona

Hauptgrund die Verwerfungen am Stahlmarkt sei die Coronakrise. Mit den ersten Lockdowns seien die Kapazitäten weltweit reduziert worden, zu einer Verknappung des Stahlangebots führte. Im Spätsommer 2020 erholten sich einzelne Branchen. Zudem stieg die Nachfrage aus China, was die Möglichkeit von Stahlimporten aus Asien verringerte. Zur derzeitigen Knappheit trage außerdem eine Explosion der Übersee-Frachtkosten durch einen Mangel an Containern bei. Die europäische Stahlvereinigung Eurofer rechne für 2020 mit einem Rückgang des Stahlverbrauchs um 13 Prozent und heuer mit einem Anstieg um 13,3 Prozent.

Die Metalltechnische Industrie beschäftigt hierzulande nach eigenen Angaben direkt mehr als 134.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 Arbeitsplätze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 34 Mrd. Euro. (apa/red)