Coronakrise

So steht es um die deutsche Industrie in China

Die Pandemie ist noch nicht überstanden. Auch im Jahr 2021 kämpfen deutsche Unternehmen in China mit den Auswirkungen von Covid-19. Welche Branchen sich erholen und welche Rettungsmaßnahmen gesetzt werden.

Deutsche Unternehmen in China leiden weiterhin unter den Auswirkungen der Pandemie. Doch der Maschinenbau und die Automobilindustrie erholen sich.

Seit rund einem Jahr gibt es kaum ein anderes Thema als Corona. Auch zwölf Monate nach Beginn der Pandemie ist das Virus weiterhin weltweit präsent. Auch in China, wo alles begann, sind die Auswirkungen spürbar. Die dortige Wirtschaft war im Frühjahr 2020 dramatisch eingebrochen, erholte sich allerdings im Laufe des Jahres nach und nach. In letzter Zeit hat sich die Stimmung jedoch vor allem in kleineren Industrieunternehmen wieder verschlechtert.

Nachdem Anfang Jänner schon der offizielle Regierungsindikator gefallen war, ging daraufhin auch der Indikator des Wirtschaftsmagazins Caixin zurück. Er fiel im Berichtsmonat Dezember um 1,9 Punkte auf 53,0 Zähler. Der Regierungsindikator ist um 0,2 Punkte auf 51,9 Punkte gefallen. Doch wie geht es den deutschen Unternehmen in China?

Maschinenbau und Automobilindustrie erholen sich

Die Deutsche Handelskammer (AHK) in China hat dazu im November zum vierten Mal eine Umfrage unter mehr als 530 Unternehmen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Betriebe weiterhin mit Herausforderungen zu kämpfen haben, viele aber optimistisch sind.

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Dabei erholt sich vor allem die deutsche Autoindustrie und der Maschinenbau schneller als andere Branchen, erklärte Andreas Feege, Mitglied des Vorstands der Deutschen Handelskammer in Nordchina. Teile der chinesischen Gesellschaft geben ihr Geld derzeit im Luxussegment, also auch für Autos, aus, da sie nicht reisen können, berichtete er.

Dennoch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie für die deutschen Firmen weiter spürbar. So haben bisher nur 72 Prozent bei den Produktkapazitäten die Vor-Corona-Zahlen erreicht. Vor allem die gesunkene Nachfrage ist noch ein Problem im Geschäftsbericht. 23 Prozent rechnen hier erst im zweiten Halbjahr 2021 mit einer Normalisierung, 15 Prozent sogar erst frühestens 2022.

In welchen Bereichen die Lage wieder normal ist oder werden soll, sehen Sie hier:

© AHK China

Vor allem bei der Nachfrage wird es noch dauern, bis sich die Situation wieder normalisiert hat. Grafik: Anja Ringel

So beeinträchtigen Reisebeschränkungen die Unternehmen

Die Umfrage der AHK China zeigt auch: Während 52 Prozent der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass Covid-19 im Jahr 2021 keine oder nur geringe Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird, rechnen 39 Prozent mit mittleren und neun Prozent mit großen Auswirkungen für ihre Firmen.

Denn die Unternehmen kämpfen weiterhin mit verschiedenen Herausforderungen. Dazu zählen vor allem die Reisebeschränkungen, die immer noch 74 Prozent der Unternehmen belasten. Im Juli waren es sogar noch 89 Prozent. Zudem meinen 60 Prozent, dass sie ihre Geschäftsbeziehungen nur eingeschränkt aufrechterhalten können. 37 Prozent sind von Messeausfällen betroffen. Und 32 Prozent der befragten Firmen können laufende Geschäftsverhandlungen nicht fortführen. „Projekte mit teilweise sechs- bis siebenstelligen Euro-Investitionssummen bleiben so in der Schwebe“, erklärt die AHK China.

Gesteigerter Umsatz trotz Pandemie

Trotz aller Einschränkungen und Hindernisse scheint sich ein Teil der Unternehmen gut auf die neuen Begebenheiten eingestellt zu haben. Denn 40 Prozent konnten ihren Gesamtjahresumsatz gegenüber 2019 steigern. Ein Drittel (35 Prozent) rechnet dagegen mit Umsatzrückgängen. Um negativen Entwicklungen gegenzusteuern wollen die Unternehmen unterschiedliche Maßnahmen setzen, um die Ausfälle zu kompensieren und die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will darum Kosten senken. Auch die Digitalisierung interner Prozesse (36 Prozent) und die Änderung von Arbeitsmodellen (33 Prozent) stehen auf der Agenda der Führungskräfte.

Interessant ist dagegen, dass die Verlagerung der Produktion in andere Länder nur für vier Prozent eine Option ist. Zu Beginn der Krise wurde diese Option dagegen oft als Alternative diskutiert.