Fachmesse

Smart Automation 2019: Linz bleibt Favorit mit kleinen Flecken

Es wird wiedermal diskutiert, wohin es mit der Smart Automation gehen soll. Factory war vor Ort und hat sich bei den Ausstellern umgehört. Linz bleibt der Branchenliebling, jedoch bleiben das Design Center sowie die Wiener Schwester nicht ganz von Kritik verschont.

Von &

Quo vadis Smart? Factory hat sich bei Ausstellern umgehört.

Die Smart Linz soll noch smarter werden. So lobte der Linzer Mechatronik Cluster via Aussendung schon im Februar 2019 die Neuerungen für die heurige Messe im Design Center, vor allem 200 zusätzliche Parkplätze sowie eine komplette Umgestaltung am Vorplatz. „Weitere Verbesserungen haben wir in der Infrastruktur vorgenommen“, betont Alexander Eigner, Category Manager Reed, „neu ist heuer die qualitativ deutlich aufgewertete Ausstellungsfläche am vorgelagerten Europaplatz – die extra errichtete hochwertige Leichtbauhalle bietet mehr Licht, einen stabilen Boden und eine Klimaanlage.“ Wird aber, zumindest am ersten Tag, nur spärlich angenommen. Der Besucherdrang tummelt sich nach wie vor im Design Center. Mutig ist Lenze, die mit eigenem Zelt vor dem Eingang auf Besucherfang gehen. "So lange das Wetter mitspielt, durchaus eine Option", heißt es von einem Besucher. 

Smart, Automation, 2019 © Reed Exhibitions Wien/Andreas Kolarik

Keinen Zwang zur Veränderung sieht Eigner jedenfalls für das inhaltliche Messekonzept, das auf das Jahr 2000 zurückreicht. Es bestehe kein Bedarf dafür, denn es sei punktgenau auf die Bedürfnisse der heimischen Fertigungsbetriebe zugeschnitten, so Reed Exhibitions. 

Spitze Zungen für die Wiener Variante

Bauliche Änderungen sind also erkennbar, aber ändert sich auch thematisch etwas? Keinen Zwang zur Veränderung sieht Eigner jedenfalls für das inhaltliche Messekonzept, das auf das Jahr 2000 zurückreicht: „Es besteht auch kein Bedarf dafür, denn es ist punktgenau auf die Bedürfnisse der heimischen Fertigungsbetriebe zugeschnitten.“ Fazit: Die Messe bemüht sich um Verbesserungen. Aber reichen die wirklich aus? Ja, meint auch der neue Geschäftsführer von Reed Exhibitions, Dietmar Eiden. "Man wolle heuer die Fachbesuchermarke von 7.000 knacken", sagt er bei der Eröffnungspressekonferenz. Klein, fein und eng, so präsentiert sich die Linzer Smart seit Jahren und sorgt damit oft für spitze Zungen für ihre Wiener Schwester. Was viele vergessen: Wien hat gleich viele Aussteller (Smart) aber mehr Besucher. Nur die Hallen seien viel größer und daher verlaufe sich die Masse an Besuchern mehr als in Linz, stellt Andreas Hrzina, Prokurist bei Rittal, klar. Dass Wien mehr Besucher abliefert, hängt auch mit der parallel stattfindenden Metallbearbeitungsmesse "Intertool" statt. Eine nicht zu unterschätzende Synergie von zwei Seiten der Produktionsszene. Dennoch gestehen in Linz bereits zwei Aussteller FACTORY, dass Wien 2020 nicht mehr auf ihren Plänen steht. 

White Paper zum Thema

In Linz hat Reed Exhibitions jedenfalls sein bestes gegeben. Ob das so Gebotene auch den Ausstellern passt, Factory hat nachgefragt. Und bekam differenzierte, aber spannende Feedbacks. Drei Fragen rund um die Messe Smart Automation. 

Thomas, Lutzky © Phoenix Contact

„Ich plädiere dafür, das Format, den Termin, die zeitliche Abfolge und den Veranstaltungsort Design Center beizubehalten." Thomas Lutzky, Geschäftsführer Phoenix Contact

Warum funktioniert die Smart so tadellos? 

Vorweg gesagt, man ist dabei, weil der Standort Linz passt, da kommt viel Positives über die Lippen der Aussteller, sie stehen zu „ihrer“ Smart. Rittal Geschäftsführer Marcus Schellerer gerät ins Schwärmen „Auf hochkarätigen Fachmessen wie der Smart lassen sich alle Sinne verbinden“. Und für Rainer Ostermann, Geschäftsführer Festo Österreich, bleibt sie „seit Jahren beständig der Hotspot der Automatisierung in Österreich“. Christoph Föttinger, Verkaufsleiter Gleitlager und in der Geschäftsleitung igus Austria, dem Standort Positives abgewinnen, erwähnt zwar die begrenzte Größe, aber ergänzt, „die Messe ist zwar klein, aber stets gut besucht“. Ähnlich hält es auch Robert Holzer, Project Management & Business Development Recendt, der mit der Größe durchaus leben kann, stets „getreu dem Grundsatz der Tante Jolesch, gerade ein bisserl zu klein– was der Veranstaltung auch ein ganz eigenes Profil gibt.“ Alexander Eigner verweist hier auf die Grenzen des Möglichen: „Grundsätzlich sind wir als Veranstalter aber ein standortungebundener Dienstleister.“ Und er betont auch, dass ihm die Zufriedenheit der Aussteller wichtig ist: „Wir veranstalten dort, wo es die Branche will und die infrastrukturellen Bedingungen passen“. Jedenfalls gibt es heuer mehr Fläche, denn, so Eigner: „Durch die neue Leichtbauhalle, die an das Design Center angedockt ist kann die Flächennachfrage der Aussteller abgedeckt werden.“ Mit dem Messeprofil komplett zufrieden ist Thomas Lutzky, Geschäftsführer Phoenix Contact, aber auch mit allem rund ums Messeevent: „Ich plädiere dafür, das Format, den Termin, die zeitliche Abfolge und den Veranstaltungsort Design Center beizubehalten“. 

Marcus, Schnellerer, Rittal © Rittal

"Die lokale Politik ist gefordert, Linz eine adäquate Messehalle bereit zu stellen.“ Marcus Schellerer, Geschäftsführer Rittal

Was könnte man beim Standort noch optimieren?

Nach so viel Lob wird es bei dieser zweiten Frage nach Punkten, die es zu optimieren gilt, doch noch spannend. Erste deutliche, ernüchternde Antwort zum konkreten Messestandort Design Center: „Wir leben damit“, so qualifiziert Marcus Schellerer, den Status Quo durchaus kritisch, „ideal sind weder die Halle noch die geographische Lage, die Zufahrtsmöglichkeiten und die Parkplatzsituation.“ Versucht wurde viel, aber Lösung dazu konnte aber seiner Meinung nach bisher keine gefunden werden: „Mit dem Messeveranstalter haben wir verschiedene Alternativen evaluiert, keine hat so wirklich überzeugt.“ Gefragt ist für ihn ein großer politischer Paukenschlag, am besten gar eine neue Halle für den Standort der Messe selbst: „Hier ist die lokale Politik gefordert, Linz eine adäquate Messehalle bereit zu stellen“, Lob aber für den Veranstalter, denn, „die Reed Messe hat sich bezüglich Parkmöglichkeiten sehr bemüht und konnte weitere Flächen sowie einen besseren Shuttledienst bereitstellen“. Auch eine lukrative Kooperation mit der Westbahn zählt zu seinen Pluspunkten. Für Aussteller Murrelektronik, auch heuer mit großem Messestand dabei, geht es neben Zustimmung zum Standort Linz doch um eine Zukunftsfrage der bestehenden Location, dazu meint Andreas Chromy, Managing Director Austria & CEE: „Allerdings ist die Location in Linz mit ihrer Raumfläche an ihre Grenzen gestoßen“. Der Standort Linz stimmt auch für Rainer Ostermann - er hinterfragt aber generell die Philosophie aktueller Messekonzepte: „Ob das Format ,Messe’ in dieser Ausgestaltung noch eine Zukunft haben wird oder ob es an der Zeit für neue mutigere Formate wäre, das könnte man durchaus diskutieren“.

Ostermann, festo © Festo / Martina Draper

"Unsere Messepräsenz im Jahr 2018 in Wien war nach jahrelanger Abstinenz nicht zufriedenstellend.“ Rainer Ostermann, Geschäftsführer Festo Österreich

Soll der jährliche Standortwechsel zwischen Linz und Wien bleiben?

Bei der Frage nach dem jährlichen Wechsel zwischen Linz und Wien für die Smart werden die Antworten kontroverser. Robert Holzer lässt Wien als Messestandort aus strategischen Gründen ausfallen, und ist regelmäßig in Linz mit dabei, „da sie ein tolle Gelegenheit ist, die gesamte oberösterreichische Industrie-Szene an wenigen Tagen gebündelt zu treffen“. Marcus Schnellerer wiederum setzt auf alle zwei Events und bietet jeweils unterschiedlichen Content an, denn „beide Messen haben einen starken regionalen Bezug.“ Rainer Ostermann hingegen ist überzeugter Linz-Fan: „Wir stellen, wenn überhaupt, nur auf der Smart Automation Austria in Linz aus.“ Er verschweigt auch nicht den Grund dafür: „Unsere Messepräsenz im Jahr 2018 in Wien war nach jahrelanger Abstinenz nicht zufriedenstellend“. Christoph Föttinger plädiert ebenfalls für Linz, denn „hier sind die für uns interessanten Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Automatisierungstechnik direkt in der Umgebung ansässig.“ Klar, Linz wird daher deshalb gerne favorisiert, weil eben das räumliche, industrielle Umfeld viel Bezug zum Messeschwerpunkt hat. Andreas Chromy von Murrelektronik wird bei diesem Punkt noch konkreter, für ihn „wäre eine jährliche Messe in Linz statt in Wien wünschenswert“. Zentrale Lage Linz und gute Besucherzahlen sprechen dafür, allerdings ist der Zeitpunkt für ihn derzeit ungünstig: „Der Termin im Mai ist nicht hundertprozentig ideal, da dieser zu knapp nach der Hannover Messe ist“. Sein Vorschlag: „Ein alternativer Zeitpunkt wäre zum Beispiel im Herbst - etwa September.“ Fazit: Diskussionsstoff über die Zukunft der Smart gibt es für die nächste Zeit genug.

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