Kunststoffe

Rekordergebnis bei Greiner

Mit Umsätzen von 1,93 Milliarden Euro im Jahr 2020 trotzte der oberösterreichische Kunststoffkonzern der Pandemie. Im Fokus stehen bei Greiner Nachhaltigkeit und Frauen in Führungspositionen.

Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner AG.

Der heimische Kunststoffkonzern Greiner mit Sitz in Kremsmünster hat 2020 seinen Umsatz um 15 Prozent auf 1,93 (2019: 1,67 Milliarden) Milliarden Euro gesteigert. Wesentlich trugen die medizintechnische Sparte Bio-One, in der u.a. Röhrchen für Corona-Tests hergestellt wurden, aber auch die vollständige Übernahme der Schaumstoffsparte, die nun als Neveon geführt wird, bei. Im Jahr 2021 sind 2 Milliarden Euro das Umsatzziel, sagt Vorstandsvorsitzender Axel Kühner am Dienstag.

Investitionen und Innovationen

111 Millionen Euro wurden in Sachanlagen investiert, 40 Prozent davon in Österreich. Generell habe die Pandemie viele Dinge beschleunigt, resümiert Kühner. Im Jänner 2020 habe man ein Pilotmodell mit 50 Prozent Homeoffice gestartet, „acht Wochen später waren es 100 Prozent für die Office-Bereiche“, so Kühner, der selbst einen Tag Heimarbeit pro Woche beibehalten möchte. Den Mitarbeitenden werde viel Freiraum gelassen, sich ihre Büro- und Heimarbeitszeiten aufzuteilen. Man wolle auch neue digitale Geschäftsmodelle forcieren.

Bei Innovationen liege der Fokus auf Nachhaltigkeit, dem Recycling von Matratzen und darauf, Lebensmittelverpackungen leichter rezyklierbar zu machen. Die Rohstoffknappheit trifft auch Greiner. „Neveon konnte Aufträge nicht ausführen, weil Rohmaterial fehlte“, berichtet Kühner, der das erste Halbjahr heuer noch schwierig, aber eine Normalisierung in der zweiten Jahreshälfte sieht. Die Schaumstoffsparte sei ein Wachstumsfokus, der noch zulegen könne.

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Greiner-Produkte für Biontech

Trotz guter Zahlen gab es allerdings Bereiche, in denen es schwierig war, betont Kühner. Auch in der Medizintechnik habe es Rückgänge gegeben, die aber mit der Herstellung von Stabilisierungsröhrchen für Coronatests überkompensiert wurden. Das verhalf der Sparte zu einem Umsatz von 693 Millionen Euro, was eine Steigerung um 36 Prozent bedeutet. Mit den Röhrchen werde man „über die Pandemie hinaus eine neue Produktlinie kreieren“, so Kühner, der in der Zukunft etwa Testen auf Influenza als sinnvoll erachtet. Auch in die Impfstoffentwicklung von Biontech seien Greiner-Produkte involviert gewesen.

Im Bereich Packaging habe es Höhen (Lebensmittel) und Tiefen (Gastro, Automobil) gegeben, der Umsatz wurde mit 692 Millionen Euro gut gehalten. Im Lebensmittelbereich „konnte die Kunststoffverpackung zeigen, was sie kann und wofür sie da ist“. Kühner möchte die Diskussion um Plastik versachlichen, denn „entscheidend ist das sachgerechte Entsorgen“. Greiner hält an dem Ziel fest, bis 2025 alle Kunststoffverpackungen wiederwendbar, recycelbar oder kompostierbar zu machen. „Wir sehen uns auf einem guten Weg“, verweist er auf den in vier Wochen erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht.

Frauen an die Macht?

Mehr Weg liegt noch beim Thema Frauen in Führungspositionen vor dem Unternehmen. Man wünsche sich das, „weil wir glauben, dass es Role Models braucht“. Der Frauenanteil von 37 Prozent gehe großteils auf die Produktion zurück und dort auf ungelernte Tätigkeiten – „leider ein dramatisches Spiegelbild der Gesellschaft“, so Kühner. Vorstand und Spartenleitungen sind von sechs Männern besetzt, die höchstpositionierte Frau im Unternehmen ist die kaufmännische Geschäftsführerin Barbara Desl bei Greiner Packaging.

Insgesamt sind 11.494 Menschen bei Greiner an 139 Standorten in 34 Ländern beschäftigt, 2.680 in Österreich. 750 kamen durch die Eingliederung des Joint Ventures Eurofoam dazu, 85 schieden durch die Schließung eines Teilbetrieb in St. Gallen in der Steiermark, der vor allem für Autozulieferer tätig war, aus. Der nun vollständig unternehmenseigene Schaumstoffbereich Neveon trug 2020 mit 479 Millionen Euro ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Ein Minus fuhr 2020 letztlich nur der Bereich Extrusions mit 68 Millionen Euro (minus 13 Prozent) ein, der aber als reiner Technologielieferant nicht mit den produzierenden Sparten verglichen werden könne.