Palfinger

„Die Liefersituation ist angespannt“

Der Kran- und Hebellösungs-Spezialist Palfinger setzt bei seinen Lieferketten auf Multisourcing, spricht von extremen Preisentwicklungen bei Rohstoffen und will 2021 trotz allem wieder wachsen und ein historisches Investitionsvolumen erreichen.

Grenzschließungen wirken sich aktuell nicht auf Palfinger aus - der Containermangel schon.

„Die Herausforderungen der Lieferketten sind groß“, sagt Martin Zehnder, COO von Palfinger, bei der heutigen, erstmals hybriden, Bilanzpressekonferenz 2020. Das Unternehmen setzt dabei auf Multisourcing. Die Regionen können sich gegenseitig mit Komponenten und Produkten bedienen. „Derzeit haben wir die Situation unter Kontrolle. Wenn ein Werk oder Lieferant ganz stillsteht, ist das aber auch für uns eine große Herausforderung“, so Zehnder. Die Grenzschließungen wirken sich laut Palfinger zurzeit nicht aus – der Containermangel schon.

Wenn die Container fehlen

Das Produktionsnetzwerk von Palfinger hat laut eigenen Angaben eine sehr hohe Resilienz. Dennoch stellt die derzeitige Knappheit von Containern eine große Herausforderung dar. Von Asien nach Europa kostet ein Container heute bis zu 7.000 Euro, vor ein paar Monaten waren es noch rund 1.000 Euro. Zu wenige freie Container stehen zur Verfügung und zudem sind aufgrund der Covid-Krise zu wenige Menschen da, um die Container zu entladen. Die globalen Lieferströme sind noch nicht ausgeglichen. „Wir wirken der Containerknappheit entgegen, indem wir Container frühzeitig planen bzw. auf Luftfracht umsteigen. Die Liefersituation ist heute angespannt“, so Zehender.

Extreme Preise bei Rohstoffen

Das Thema Preisentwicklung bei Rohmaterialien ist laut Palfinger aktuell extrem. „Wir haben beim Stahlblech in Nordamerika Preiserhöhungen von bis zu 100 Prozent, in Russland sind es zwischen 35 bis 40 Prozent. Wir analysieren also die Auswirkungen auf unsere Produktpreise ganz genau“, erläutert COO Zehnder.

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So lief 2020

„Palfinger hat nicht nur stabil gewirtschaftet, sondern war sehr erfolgreich und hat die Bilanz stärken können“, sagt Andreas Klauser, CEO von Palfinger. Im Vorjahr wurde ein Umsatz von 1,53 Milliarden Euro erzielt – ein relativ stabiler Wert im Vergleich zu anderen Bereichen.

Die Branchen reagieren unterschiedlich auf Events und die Coronakrise. Die Bauwirtschaft beispielsweise ist stark durch das Jahr 2020 gegangen. Die Branche macht etwa 40 Prozent des Umsatzes von Palfinger aus. Palfinger hat auch stark in Öl- und Gasindustrie geliefert, diese hat jedoch geschwächelt. Auch Aufträge in die Kreuzfahrtindustrie fielen weg. Ein breites Produktportfolio hilft, um wo es nötig ist, auszugleichen. „Wir haben sicher das stärkste Produktportfolio in unserer Branche“, ist Martin Zehnder überzeugt. Letztes Jahr investierte Palfinger etwa 60 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Es wurden 20 neue Produkte auf den Markt gebracht, wie ein Knickarm-Kran der Baureihe TEC 7 oder eine Hubarbeitsbühne ETO 55, die besonders für den Ausbau der 5G-Netze in Nordamerika eingesetzt wird.

Trotz Pandemie: „Palfinger wird wieder wachsen“

Im letzten Jahr hat der Hebevorrichtungs-Spezialist seinen weltweit zweitgrößten Vertriebspartner, den schwedischen Hinz Försäljnings AB, übernommen und ist damit gewachsen. Auch für 2021 ist man optimistisch: „Palfinger wird wieder wachsen“, so CEO Klauser. „Wir sehen primär das Wachstum im Bereich Forst und Recycling. Die Haushalte produzieren derzeit mehr Müll als sonst. Außerdem sehen wir große Wachstumsmöglichkeiten in Nordamerika und in einem stabilen Russland, wo viel lokal produziert wird“, so Klauser. Das Umsatzziel 2021 soll nahe am Rekordjahr 2019 liegen. Geplant sind Umsätze über 1,7 Milliarden Euro. 2021 soll auch ein Rekordjahr der Investitionen werden. Für dieses Jahr ist ein historisches Investitionsvolumen in Höhe von über 100 Millionen Euro beabsichtigt. Klauser gibt auch einen Ausblick auf die Ziele 2024, nämlich: 2 Milliarden Euro Umsatz und die Nummer 1 bei Kran- und Hebellösungen zu sein.