Thema des Monats

Österreichs Exportkaiser

Einer der es wissen muss, wie man sich auf dem internationalen Wirtschaftsparkett behauptet, ist Klaus Schiebel, Geschäftsführer der in Wien ansässigen Schiebel Antriebstechnik. FACTORY befragte ihn zur Exportstrategie seines Unternehmens und zu seinen Erfahrungen zum Thema Export aus Österreich allgemein.

„In den 90er Jahren lag der Fokus auf den Ostländern, in den letzten Jahren verschob sich der Markt in Richtung China.“ Klaus Schiebel, GF Schiebel Antriebstechnik

FACTORY: Wie hat sich der Export in Ihrem Unternehmen über die Jahre entwickelt? Gab es so etwas wie eine Initialzündung oder war es ein langsam wachsender Prozess?

Klaus Schiebel: Ich würde es eher als „schnellen“ wachsenden Prozess bezeichnen. Ende der 90er Jahre lag der Fokus noch auf den österreichischen Markt. Wir wurden international sehr schnell bekannt und die Anfragen aus dem Ausland folgten. Durch die Eröffnungen unserer Niederlassung in Tschechien, Russland und China konnten wir näher beim Kunden sein. Unsere Exportquote liegt seit 10 Jahren bei cirka 70%; wir verzeichnen ein Exportwachstum durch unser stetiges Umsatzwachstum.

Welche Produkte sind die stärksten Exportträger? 

Unsere Standardprodukte, alle Arten von Dreh-, Schwenk und Stellantrieben für die industriellen Anwendungen wie auch unsere dazugehörigen Steuerungen. Wir erwarten für die nächsten Jahre eine Steigerung in der Nachfrage nach unseren Failsafe – Antrieben. Dies sind Antriebe mit einer Sicherheitsfunktion, die etwa zur Vermeidung von Katastrophen eingesetzt werden können. Hier sind wir als österreichisches Unternehmen eines der führenden Anbieter am Markt.

Wo liegen die größten Absatzmärkte - und hat sich deren Gewichtung über die Jahre verschoben?

Die Gewichtung hat sich über die Jahre leicht verschoben. In den 90er Jahren lag der Fokus auf den Ostländern, in den letzten Jahren verschob sich der Markt in Richtung China, etwa durch den Kraftwerksbau. In Zukunft wird sowohl der südamerikanische als auch der indische Markt an Bedeutung gewinnen. In Indien haben wir in den letzten Monaten eine Niederlassung eröffnet.

Wie sehen Sie die Exporterfolge der heimischen Industrie generell? 

Österreich hat seit Jahren einen guten Ruf im Ausland. Weltweit verbindet man mit Produkten aus Österreich gute und zuverlässige Qualität. Das hilft uns Österreichern, denn der Export ist, in einem kleinen Heimmarkt wie dem unseren, eine gute Chance auf Wachstum.

Verkauf und damit auch Export sind jedoch nicht nur eine Frage des Produktes, sondern vor allem des gegenseitigen Verständnisses. Es ist wichtig, den Kunden und seine Kultur zu verstehen. Mit steigendem Export steigt auch der Anspruch nach Multi-Kulti im eigenen Unternehmen.

Welchen Rat würden Sie einem jungen Unternehmen geben, das mit einem innovativen Produkt international reüssieren möchte?

Am wichtigsten ist es vor Ort zu sein, beim Kunden sein – auf die Kultur des Kunden einzugehen.