E-Mobilität

Oberösterreichs Auto-Zulieferer machen sich auf Green Deal gefasst

Strengere CO2- und Abgasgrenzwerte der EU stellt die europäische Automobilindustrie vor neue Herausforderungen. Wie sich oberösterreichische Zulieferbetriebe und Forschungseinrichtungen gemeinsam auf die klimaneutrale Mobilität der Zukunft vorbereiten.

Der „Green Deal“ der EU mit seinen strengeren CO2- und Abgasgrenzwerten stellt die europäische Automobilindustrie vor neue Herausforderungen. Doch Oberösterreich zeigt sich optimistisch: Die Zulieferbetriebe und Forschungseinrichtungen arbeiten gemeinsam mit der Politik und dem Automobil-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria an Lösungen für eine klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Auch die neue Oberösterreichische Wirtschafts- und Forschungsstrategie widmet der vernetzten und effizienten Mobilität einen Schwerpunkt. „Die heimische Automobilbranche spielt eine zentrale Rolle am Wirtschaftsstandort Oberösterreich: Allein in der oberösterreichischen Fahrzeugindustrie sind 16.000 Menschen beschäftigt. Die Exportquote unserer Zulieferer beträgt 80 Prozent. Daher wirkt sich insbesondere die Entwicklung bei den deutschen Autobauern auf unsere Autozulieferer aus“, so Florian Danmayr, Manager des Automobil-Clusters. Oberösterreichs Automotive-Branche rüstet sich daher für die Mobilität der Zukunft. Leitbetriebe, Automobilhersteller, KMU, Start-ups sowie Wissenschaft und Forschung arbeiten gemeinsam in konkreten Projekten an Innovationen, Technologien und Lösungen, um ihre Technologieführerschaft zu behalten.

Neue Geschäftsfelder und Technologien

Eines dieser Projekte ist die „Roadmap to Efficient Mobility“ (R2EM), initiiert und koordiniert vom Automobil-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria sowie der Standortagentur des Landes Niederösterreich, ecoplus. Gemeinsam mit den sieben beteiligten Unternehmen wurden Themenfelder definiert, an denen die Projektpartner arbeiten: Thermomanagement, Batterie, Leichtbau, E-Achse (Elektromotor plus Leistungselektronik), Sensorik (nur im Auto, keine Infrastruktur) und Brennstoffzelle. Ziel des Projekts ist, dass Unternehmen künftig wissen, in welchen neuen Geschäftsfeldern sie tätig sein können oder wollen und welche Technologien sie in den neuen Themenfeldern einsetzen können.

Weniger Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß

Mit dem Thema Thermomanagement waren die R2EM-Partner bereits im Linz Center of Mechatronics (LCM) zu Gast. Das Thema wird im Bereich E-Mobilität noch an Komplexität gewinnen. Die Temperaturregulierung von Batterie und Leistungselektronik spielt genauso eine wichtige Rolle wie das Heizen und Kühlen im Fahrzeuginnenraum. Ziele sind unter anderem weniger Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß. Experteninput zum Thema Batterie gab es im Oktober vom Mühlviertler Unternehmen Voltlabor. Batterien seien eines der anspruchsvollsten neuen Geschäftsfelder, denn Neuentwicklungen sind permanent gefragt, Trends jedoch schwer zu erkennen. Hersteller müssen sich mit neuen, bisher unbekannten Tätigkeitsfeldern auseinandersetzen. Sie wollen von „Bastellösungen“ wegkommen und mehr Qualität etablieren. Gleichzeitig ist auch die Gesetzgebung gefragt, denn es fehlt an Normungen. Autohersteller wollen Batterien selbst herstellen und deren Produktion nicht auslagern. Im Dezember tauschten sich die R2EM-Projektpartner bei der Miba AG zum Thema E-Achse aus. Bei diesem Termin war auch einer der größten chinesischen Autobauer, Great Wall Motors (GWM), zu Gast. Die TU Graz demonstrierte die Funktionsweise von elektrischem Antrieb und Leistungselektronik. Grundtenor der anschließenden Diskussion: E-Mobilität beschäftigt viele, aber keiner weiß noch genau, wo die Reise hinführt. Diese Erkenntnis zeigte den teilnehmenden Unternehmen, dass umfassender Erfahrungsaustausch notwendig ist, um aktuell die richtige Strategie zu wählen. Die weiteren drei Themen (Leichtbau, Sensorik und Brennstoffzelle) werden im Laufe des Jahres 2020 behandelt.

White Paper zum Thema

Entwicklung von praxistauglichen Mobilitäts- und Logistiklösungen

In der neuen Oberösterreichischen Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030 widmet sich eines der vier Handlungsfelder ebenfalls dem Thema vernetzte und effiziente Mobilität. Der Fokus liegt auf der Entwicklung neuer Mobilitätsdienstleistungen und dem Vernetzen verschiedenster Verkehrsträger, um den Transfer von Wissen und Technologien aus vielen unterschiedlichen Bereichen zu fördern und praxistaugliche Mobilitäts- und Logistiklösungen zu entwickeln. Bei den Einzelmaßnahmen im Programm #upperVISION2030 bündeln Oberösterreichs Forschungseinrichtungen (Upper Austrian Research GmbH, JKU, FH OÖ), Land OÖ, Unternehmenspartner, die Industrie, die Wirtschaftskammer OÖ, DigiTrans, Gebietskörperschaften, die Arbeiterkammer OÖ und die Standortagentur Business Upper Austria ihr Know-how, um Forschung & Entwicklung, Innovationen, neue Technologien und Geschäftsfelder sowie Ausbildung und Qualifizierung voranzutreiben. „Wir sehen den Strukturwandel im Mobilitätssektor als Chance und gehen mit neuen Anforderungen an die oberösterreichischen Zulieferer proaktiv um“, betont Danmayr.

Schwerpunkt emissionsfreier Güterverkehr

Der Logistik und dem Gütertransport widmet Oberösterreich bei der effizienten und klimaneutralen Mobilität besonderes Augenmerk. Zu den konkreten Projekten zählt auch der Ausbau der Testregion DigiTrans. Die beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten im Testfeld für Nutz- und Sonderfahrzeuge an Kooperationsprojekten im Bereich automatisiertes Fahren. Der Automobil- und der IT-Cluster haben außerdem die Initiative Connected Mobility (ICM) gegründet. Sie dient als branchenübergreifende Drehscheibe für die Entwicklung digitaler Mobilitätslösungen und Lösungen für emissionsfreien Güterverkehr. Auch im Leitprojekt Connecting Austria der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG ist der Automobil-Cluster Projektpartner. Hier geht es um die Verbindung von automatisiertem Güterverkehr von der Autobahn in die Stadt. Teilprojekte beschäftigen sich u.a. mit Platooning (autonom im Verband fahrende Lkw) und Datenbanken für smarte Logistik.

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