F&E

Nachhaltige Materialien entwickeln

Anfang des Jahres hat Forbes die ETH-Doktorandin Nicole Aegerter für ihre Forschung an nachhaltigen Faserverbundwerkstoffen für Großserienanwendungen auf die Liste „30 Under 30 Europe“ in der Kategorie Produktion und Industrie gesetzt. Was sie inspiriert, lesen Sie hier.

Nicole Aegerter, Doktorandin in der Gruppe Verbundwerkstoffe und adaptive Strukturen an der ETH Zürich.

„Der Sonnenaufgang gehört zu den schönsten Momenten des Tages“, erzählt Nicole Aegerter. „Morgens bin ich voller Energie und meine Gedanken fließen frei und kreativ.“ Aegerter, die an der ETH Zürich am Departement Maschinenbau doktoriert, hat aus solchen Momenten die Inspiration für die weltweit ersten infusionsfreien Verbundwerkstoffe geschöpft. Mit Kolleginnen und Kollegen des Start-​up Projekts «Antefil Composite Tech», das sie gemeinsam mit Christoph Schneeberger und ETH-​Professor Paulo Ermanni ins Leben gerufen hat, will sie die Produktion und die Wertschöpfungskette faserverstärkter Kunststoffe revolutionieren. Solche Materialien werden in Leichtbaustrukturen wie den Turbinenblättern von Windkraftanlagen verwendet. Ihre Arbeit zeigt zudem potenzielle Einsatzmöglichkeiten in der Boots-​ und der Fahrzeugindustrie auf.

Kern ihrer Erfindung ist die Herstellung von speziellen Verstärkungsfasern, die etwa sieben mal dünner als menschliches Haar sind und jeweils einzeln mit einer thermoplastischen Polymerschicht ummantelt werden. Diese Fasern können dann mit minimalem Druck und bei erhöhter Temperatur schneller zu qualitativ hochwertigen und großen Leichtbaustrukturen geformt werden als Standartmaterialien. Hinzu kommt: Die verwendeten Materialien sind rezyklierbar, was das Produkt nachhaltiger macht. Auf diese Erfindung haben die Entwickler zusammen mit ETH Transfer ein Patent angemeldet.  

Aufbauend auf Forschung von Christoph Schneeberger am Lehrstuhl von Prof. Ermanni entwickelte Aegerter einen skalierbaren und wirtschaftlichen Prozess zur schnellen Herstellung solcher Fasern. Das brachte ihr einen der begehrten Plätze auf der diesjährigen europäischen Forbes-​Liste „30 Under 30“ ein.

White Paper zum Thema

Tiefpunkte überwinden, um Erfolg zu haben

Der Wissenschaftlerin macht die fehlende Unterstützung und Anleitung für junge Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) Sorgen. „Wir brauchen in den MINT-​Fächern auf allen Ebenen des Bildungssystems mutige Frauen, die Mädchen und junge Frauen auf verschiedenen Stufen ihres Werdegangs inspirieren. Sie sollen uns zeigen, wie sich persönliche Ambitionen mit wissenschaftlichen Zielsetzungen vereinbaren lassen. Auch in der Industrie und Wissenschaft braucht es Vorbilder», sagt Aegerter.

Aufstrebende Erfinderinnen und Erfinder müssen große Rückschläge hinnehmen. Selbst Thomas Edison, der nicht nur durch die Erfindung der Glühlampe berühmt wurde, sondern auch dafür bekannt war, nie aufzugeben, sagte einmal: „Ich habe gerade 10.000 Arten herausgefunden, auf die es nicht geht.“ Aegerter zufolge sind in schwierigen Zeiten Perspektive, Geduld und Widerstandskraft die Schlüssel zum Erfolg. „Wenn es nicht mehr weitergeht, muss man eine neue Richtung einschlagen“, sagt sie.