Neues Geschäftsmodell

Molemab Inotech: Mit sprechenden Schleifscheiben neue Servicemodelle kreieren

Mit Datenbrillen, NFC-Chips und verbauten Sensoren will der Kärntner Schleifscheibenhersteller Molemab Inotech sein Know-how in neue Servicemodelle verpacken. Ob das gelingt?

Von
Molemab Inotech Digitalisierung Industrie 4.0 Zulieferindustrie

Virtueller Vorteil: Statt den Servicemitarbeiter um die halbe Welt zu schicken, spielen die Kärntner Schleifmittelexperten von Molemab Inotech damit, einfach Datenbrillen zum Kunden zu schicken.

Mario Schmied nimmt sein Smartphone in die Hand, hält es über seine Schleifscheibe und schon ertönt eine Stimme. Der Geschäftsführer von Molemab Inotech erhält sofort alle relevanten Daten: Wo und wann die Scheibe produziert wurde, welche Bezeichnung sie hat. Möglich macht das ein sogenannter NFC-Chip, der den kontaktlosen Austausch von Informationen ermöglicht. Warum die Kärntner das machen? „Weil wir immer wieder Kunden hatten, die eine bestimmte Schleifscheibe nachbestellen wollten“, so Schmied. Oft war aber die Bezeichnung auf der Scheibe nicht mehr zu erkennen. Mit dem Chip geht das nun ganz einfach. Der Kunde erfährt innerhalb von Sekunden, welche Schleifscheibe er braucht. Eben mehr Service für den Kunden. Und das geht bei den Kärntner Schleifscheibenproduzenten mittlerweile viel tiefer. Mit Datenbrillen und NFC-Chips, die ihre Scheiben direkt mit der Anlage kommunizieren lassen, testen sie bei ersten Pilotkunden, bereits neue Servicemodelle.

Erfolg, aus, Kärnten, Industrie, Mario, Schmied © Molemab Inotech

"Mit der Datenbrille soll der Mitarbeiter bei der Endkontrolle der Schleifscheiben alle wesentlichen Informationen virtuell geliefert bekommen.“ Mario Schmied, Geschäftsführer von Molemab Inotech

Tests im eigenen Labor

Der Einsatz neuer Technologien bedeutet für die Kärntner, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Diamant- und CBN-Schleifscheiben spezialisiert haben, vor allem eines: mehr Service für den Kunden. So werden Industrie-4.0-Anwendungen nicht nur auf ihre Praxistauglichkeit, sondern vor allem aus Sicht des Kunden bewertet. „Der enge Kontakt hebt uns von der Konkurrenz ab.“ Wer nämlich denkt, eine Schleifscheibe sei ein einfaches Werkstück, der irrt. Sie ist eine Komposition aus den unterschiedlichsten Korngrößen, Belagbreiten, Durchmessern und Bindungssystemen. „Die eigentliche Kunst besteht darin, zu wissen, welche Zusammensetzung für welche Verwendung gebraucht wird“, erklärt Schmied. Das Know-how seiner Mitarbeiter sei deshalb auch sein wichtigstes Kapital. „Erfahrung ist bei dieser Arbeit enorm wichtig“, so Schmied. „Wir helfen Kunden, effizienter zu arbeiten.“ So kann zum Beispiel mit Polierscheiben die Haltbarkeit eines Fräsers für die Aluminiumbearbeitung verdoppelt werden. Um immer wieder Lösungen für neue Herausforderungen zu finden, hat das Unternehmen nicht nur in eine CNC-Anlage investiert, auf der die Schleifscheiben getestet werden, sondern auch in ein Forschungslabor. Proben werden so im Haus analysiert.

Molemab, Inotech © Molemab Inotech

Kontaktlos Informationen austauschen: Mit NFC-Chips in den Schleifscheiben sofort alle relevanten Informationen am Smartphone.

Einsatz von Datenbrillen

Längst arbeiten die Kärntner an der nächsten Entwicklung: Sie wollen ihre Scheiben mit Sensoren ausstatten, die dem Anwender laufend Informationen über den aktuellen Zustand übermitteln. Weil bei der Arbeit mit den Schleifscheiben enorm viel von der Einstellung der Maschinen und deren Handling abhängt, spielt Molemab Inotech mit dem Gedanken Hololens-Datenbrillen an ihre Kunden zu verteilen. Statt den Mitarbeiter um die halbe Welt zu schicken, schicke man lieber eine Datenbrille, schlussfolgert Schmied einen wesentlichen Vorteil. Momentan sei die Technologie noch zu teuer, aber schon bald werde es vom Finanziellen her kein Problem mehr sein. So will man den Faktor Mensch, der bei der Arbeit mit Schleifscheiben eine wesentliche Rolle spielt, besser in den Griff bekommen. Schulungszwecke beim Kunden inklusive. Auch für die Endkontrolle der Schleifscheiben sollen die Datenbrillen eingesetzt werden. Dazu laufen bereits die ersten Tests im Unternehmen. „Kontrolle ist bei uns ein wichtiges Thema und braucht natürlich viel Zeit“, so Schmied. Der hohe Zeitaufwand liegt vor allem an der Tatsache, dass die Scheiben zum Großteil Einzelanfertigungen sind. Losgröße 2,5 ist bei den Kärntnern keine Seltenheit. „Mit der Datenbrille soll der Mitarbeiter bei der Endkontrolle alle wesentlichen Informationen virtuell geliefert bekommen“, skizziert Schmied seine Vision .