Stahl

Meilenstein: thyssenkrupp und IG Metall schließen Basisvereinbarung

Die wirtschafltichen Folgen der Pandemie sollen begrenzt, die Wettbewerbsposition gestärkt und weitere 750 Stellen abgebaut werden. Und: Wo die Zukunft des Stahls liegen könnte.

thyssenkrupp überlegt sein Stahlgeschäft aus eigener Kraft voranzubringen.

„Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ein Meilenstein auf dem Weg zu einer möglichen Verselbstständigung des Stahlbereichs. Die Vereinbarung wird dazu beitragen, den durch Corona entstandenen wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Das ist Voraussetzung dafür, den Stahl nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen und ein entscheidendes Element für einen robusten Business Case nach vorn“, sagt Klaus Keysberg, Vorsitzender des Aufsichtsrats der thyssenkrupp Steel Europe AG und Finanzvorstand der thyssenkrupp AG.

thyssenkrupp Steel und die Industriegewerkschaft Metall haben sich auf eine Basisvereinbarung zur Ergänzung des Tarifvertrags „Zukunftspakt Stahl“ geeinigt. Vereinbart wurde der zusätzliche Abbau von bis zu 750 Stellen in Verwaltung und produktionsnahen Bereichen sowie die Prüfung von Betreibermodellen für betriebliche Einrichtungen zur weiteren Effizienzsteigerung im Unternehmen. Der geltende Tarifvertrag einschließlich der Beschäftigungssicherung bis 2026 bleibt erhalten.

Hier könnte die Zukunft des Stahls liegen

Vor Kurzem hatte thyssenkrupp bereits die wesentlichen Investitionen im Rahmen der Strategie 20-30 freigegeben. Die ersten Großaufträge sind vergeben worden. „Wir machen Tempo bei der Umsetzung des Investitionspakets, denn das ist der klare Weg zu mehr Profitabilität und Stärkung unserer Position im Wettbewerb. Wir werden uns besonders dort stark aufstellen, wo die Zukunft des Stahls liegt: bei Premiumprodukten mit höheren Festigkeiten, bei weiter optimierten Oberflächen und bei dünneren, leistungsfähigeren Produkten für die Elektromobilität. Wir adressieren damit konsequent unsere Fokusmärkte im Automobil- und hochwertigen Industriebereich“, meint Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstands thyssenkrupp Steel. Mit dem Umbau der Duisburger Gießwalzanlage und dem Neubau weiterer Aggregate werden dafür jetzt die Voraussetzungen geschaffen. Perspektivisch ist im Rahmen der Transformation zum klimaneutralen Stahl geplant, alle Produkte dem Markt auch in „Grün“ anzubieten.

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Stellenabbau notwendig

Zu den bereits abgebauten stellen hatte das Management aufgrund der Coronakrise weitere Zugeständnisse gefordert. „Wir haben das Schlimmste wegverhandelt“, sagte der nordrhein-westfälische IG Metallchef Knut Giesler. Der Arbeitgeber sei in den vergangenen sechs Monaten ständig mit neuen Horrorideen auf IG Metall und Betriebsräte zugekommen. thyssenkrupp habe die Beschäftigungssicherung bis 2026 infrage gestellt. Die werde nun ebenso bleiben wie die bereits angekündigten Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Einige Detailfragen müssten noch geklärt werden. thyssenkrupp will diese Gespräche bis Mitte April abschließen. Der Stellenabbau soll bis Ende September 2023 umgesetzt werden.

Stand-Alone in der Stahlsparte

In der Stahlsparte sind rund 28.000 Mitarbeiter beschäftigt, im Gesamtkonzern rund 100.000. Das Stahlgeschäft ist extrem konjunkturabhängig. Im Zuge der Coronakrise brach es weitgehend ein. Derzeit geht es dank hoher Nachfrage und gestiegener Preise bergauf. Stahl-Personalchef Markus Grolms betonte, die klare Botschaft sei: „Wir starten gemeinsam durch und wollen uns die bestmögliche Position im europäischen Wettbewerb sichern, um langfristig viele gute Jobs beim Stahl zu sichern.“

Nach der Absage an einen Verkauf an Liberty Steel will thyssenkrupp sein Stahlgeschäft aus eigener Kraft nach vorne bringen. „Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ein Meilenstein auf dem Weg zu einer möglichen Verselbstständigung des Stahlbereichs“, sagte Finanzchef Klaus Keysberg. Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol sind die bisherigen Aussagen dazu nicht ausreichend. „Möglicherweise ist ein Stand-Alone-Konzept ein gangbarer Weg.“ Die Arbeitnehmerseite habe noch viele Fragen. Der Vorstand solle ihr im Aufsichtsrat ein Konzept vorlegen.