Pioniergeist

M-TEC: Traunviertler vernetzen PV-Anlagen mit Wärmepumpen

Mit der patentierten CO2-Tiefensonde hat M-TEC schon vor Jahren für Furore gesorgt. Jetzt ist der Traunviertler Wärmepumpen-Produzent Vorreiter in der Vernetzung mit PV-Anlagen, Speichern und Smart Grids.

M-TEC Sonnenenergie Energieeffizienz Elektronik

Pioniergeist: Erklärtes Ziel von M-TEC ist es, intelligente Energiesysteme zu entwickeln, die eine 80-prozentige Energie-Autonomie erlauben.

Das nennt man wohl Glück im Unglück: Als 2016 die Neura AG in den Konkurs schlittert, verliert M-TEC mit einem Schlag den Produzenten seiner Wärmepumpen. Als wenig später die modernen Fertigungsanlagen zum Verkauf stehen, schlagen die Traunviertler zu und fertigen seither ihre Wärmepumpen in der vormaligen Neura-Halle. Ein Glücksfall auch für zehn ehemalige Neura-Mitarbeiter, die jetzt für M-TEC produzieren. Mit der neuen Wärmepumpengeneration seien die Effizienz-Potenziale fast ausgeschöpft, glaubt man bei M-TEC. Die großen Zukunftsthemen seien die Steuerungstechnik, die Vernetzung von Energiesystemen sowie die Ausbildung jener Mechatroniker, die diese konzipieren und installieren.

90 Meter ins Erdreich

„Auf die Kälteanlagentechniker kommen jedenfalls spannende Zeiten zu“, konstatiert Klemens Mittermayr, Geschäftsführer der M-TEC Energie.Innovativ GmbH. Insgesamt zehn Kälteanlagentechniker-Lehrlinge bilden die drei Unternehmen der M-TEC-Gruppe deshalb aus. „Die Zukunft unserer Branche braucht viel Pioniergeist. Und sie braucht Mechatroniker, die aus dem Zusammenspiel von Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch intelligente Gesamtsysteme bauen.“ Dass Pioniergeist bei Mittermayr durchaus Tradition hat, beweist die patentierte CO2-Tiefensonde, die Firmengründer Karl Mittermayr 1999 entwickelt hat. Diese reicht bis zu 90 Meter ins Erdreich und ist mit Kohlendioxid (CO2) gefüllt. Das flüssige CO2 im unteren Bereich der Sonde nimmt die Erdwärme (rund 13° Celsius bei 80 Metern Tiefe) auf, verdampft dadurch und steigt auf. Im Wärmetauscher gibt das CO2 die Wärme an das Arbeitsmittel ab, kühlt dabei aus, verflüssigt sich und sinkt nach unten, wo der Kreislauf wieder in Gang gesetzt wird. Ein Geschenk der Natur und daher völlig kostenlos. Damit erreicht die CO2-Tiefensonde einen rund 30 Prozent höheren Wirkungsgrad als herkömmliche Sole-Sonden.

Peter, Huemer, Klemes, Mittermayr © WKOÖ/Hörmandinger

Rechnen mit einem gewaltigen Technologieschub für die Kältetechnik-Branche: Peter Huemer (li.) und Klemens Mittermayr. 

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Vernetzung macht PV-Anlagen attraktiver

Mit der gerade eben vorgestellten neuen M-TEC-Wärmepumpen-Generation habe man die Effizienzpotenziale weitgehend ausgeschöpft. Schon jetzt passt eine stufenlose Leistungsregelung die Drehzahl der M-TEC-Wärmepumpen automatisch an die geforderte Heizleistung an und senkt so den Stromverbrauch. „Der Wirkungsgrad steigt so um bis zu 20 Prozent“, erklärt Peter Huemer, Geschäftsführer der Wärmepumpen erzeugenden M-TEC GmbH in Pinsdorf. Das macht für Photovoltaikanlagen die Zusammenarbeit mit Wärmepumpen besonders attraktiv. Gerade für die naturgemäß entstehenden Leistungsschwankungen einer PV-Anlage ist eine Wärmepumpe mit Drehzahlregelung prädestiniert. „So kann der zur Verfügung stehende Photovoltaik-Strom immer zur Gänze zum Heizen und Kühlen verwendet werden“, konkretisiert Huemer.

Akku-Preissturz als Turbo für Vernetzung

Als wahrer Turbo für die weitreichende Vernetzung der gesamten Haustechnik könnte sich der Preissturz bei Stromspeichern erweisen. „Im letzten halben Jahr ist der Preis um 25 Prozent gefallen. Ich rechne mit weiter sinkenden Preisen“, sagt Huemer. „Dann sollte keine PV-Anlage mehr ohne Batterie errichtet werden – die bei Privathäusern dann gleichzeitig eine Notstromversorgung ist.“ Wenn dann auch noch Elektroautos als Speicher dazukommen, ist ein intelligentes Energiemanagement gefordert. Deshalb arbeitet M-TEC mit Hochdruck an einer Steuerungs-Software, die mit dem Batteriespeicher, dem Elektroauto, der PV- und Solar-Anlage, der Wärmepumpe, dem Warmwasserspeicher und den intelligenten Stromnetzen (Smart Grid) kommuniziert. „Die Wärmpumpe muss wissen, ob sie den Strom von der PV-Anlage, aus der Batterie, dem E-Auto oder einem gerade günstigen Tarif aus dem Netz des Energieversorgers beziehen soll“, skizziert Huemer die komplexe Aufgabe der Software. Diese wird gemeinsam mit Keba entwickelt und 2019 marktreif sein.

M-TEC © WKOÖ/Hörmandinger

Die Not zum Erfolg gewandelt: Weil M-TEC aufgrund eines Konkursverfahrens schlagartig ihren Produzenten verloren, fertigen die findigen Traunviertler seither ihre Wärmepumpen selbst.

Technologischer Vorreiter...

Erklärtes Ziel von M-TEC ist es, intelligente Energiesysteme zu entwickeln, die eine 80-prozentige Energie-Autonomie erlauben. „Die restlichen 20 Prozent wären aus heutiger Sicht viel zu teuer erkauft“, nennt Huemer wirtschaftliche Argumente gegen eine vollständige Autarkie. Gefordert ist die gesamte Branche jedenfalls in der Anlagentechnologie. „Es kommt ein gewaltiger Technologieschub auf die Branche der Kältetechniker zu“, prognostiziert Mittermayr. Die Anlagentechnologie für Gesamtsysteme biete – im Gegensatz zu Wärmepumpen – noch Effizienzpotenziale. Sein Betrieb übernimmt dabei als klassisches Mechatronik-Unternehmen eine Vorreiterrolle. „Deshalb investieren wir nicht nur in die Technologieentwicklung sondern auch in die Ausbildung unserer Mitarbeiter. Die Effizienz einer Anlage hängt schließlich in erster Linie von der Konzeption und handwerklichen Ausführung ab.“

...mit Expansionsplänen

Dass M-TEC auf hervorragende Mitarbeiter angewiesen ist, verdeutlichen die Expansionspläne. Schon jetzt exportiert M-TEC ein Viertel seiner Produkte. Weil die Nachfrage in Deutschland und der Schweiz enorm ist, rechnen die Traunviertler mit massiven Zuwächsen. So sollen heuer insgesamt 650 Erd-, Luft- und Grundwasser-Wärmepumpen das Werk in Pinsdorf verlassen.  2018 will man bereits 1.000 Einheiten produzieren. Der Standort ist jedenfalls für einen steilen Wachstumskurs gerüstet. Derzeit sind die Produktionsflächen erst zu einem Viertel ausgeschöpft.

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