Startup

Looxr: Startup digitalisiert Druckluftanlagen zum Pay-per-Use-Tarif

Bei undichten Stellen in Druckluftanlagen verpufft sprichwörtlich das Geld. Mit ihrem Konzept der „Druckluft 4.0“ digitalisiert das deutsche Startup Looxr ganze Anlagen und agiert dabei herstellerunabhängig. Ein Novum oder bloß ein weiteres Contracting-Modell? Factory hat nachgefragt.

Von

Druckluft 4.0: Die beiden Looxr-Gründer Peter Maier (li.) und Werner Landhäußer (re.) wollen die Druckluftbranche ins digitale Zeitalter katapultieren.

„Alle halten mich immer für einen Investor.“ Wenn Werner Landhäußer Startup-Veranstaltungen besucht, kommt es gerne zu witzigen Verwechslungen. Dabei steht der 61-Jährige Gründer seinen meist viel jüngeren Kollegen um nichts nach. Denn seine Technologie ist hipp, frisch, frech und etwas, das die - spitz formuliert - eher betagte Druckluftbranche ins digitale Zeitalter katapultieren könnte. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Peter Maier hat er nämlich ein herstellerunabhängiges Contracting-Modell entwickelt, das neben Leckagemanagement ganze Druckluftstationen digitalisieren kann.

Leckagen digitalisieren

Looxr ist ein Spin-off des Pneumatik-Dienstleisters Mader, dessen Geschäftsführer Werner Landhäußer und Peter Maier sind. Branchenfremd sind die beiden Druckluftexperten damit nicht. Sie kennen die Wehwehchen der Branche. Doch woher kam die Idee für eine Leckage-App? „Von der Wein-App Vivino“, lacht Landhäußer. Eine App aus dem B2C-Bereich, womit Weine gescannt und protokolliert werden können, beflügelte die beiden Gründer zur Looxr-Entwicklung. 2014 schworen sie also den mühsamen Excel-Tabellen ab und begannen undichte Stellen in Druckluftanlagen mittels QR-Code digital zu protokollieren.

Alter Hut Contracting-Modell? Wohl kaum.

Je mehr Leckagen erfasst wurden, desto mehr Datenmaterial stand ihnen zur Auswertung zur Verfügung. Zum ersten Mal gelang es ihnen einer Leckage auch einen monetären Wert zu geben. Einfach erklärt: „Wir können genau beziffern, wie viel Geld da rauspufft.“ Die Startup-Gründer machen also den Verlust von Druckluft greifbar. Dass das den Kunden gefällt, ist klar. Dass die Baden-Würtemberger damit aber bereits viel weiter gehen können, auch. „Wir digitalisieren mittlerweile die Anlage selbst“, so Landhäußer. „Damit können wir z.B. Prognosen für alle Komponenten erstellen.“

White Paper zum Thema

Looxr © Looxr

Monitoring zum Pay-per-Use-Tarif: Looxr gibt Auskunft über den Druckluft-Verbrauch, dessen Aufbereitung und kann sogar ans Energiemanagementsysteme angebunden werden.

Predictive Maintenance also. Aber „Looxr Druckluft 4.0“, wie sich das Produkt nennt, kann noch mehr. Es gibt auch Auskunft über den Druckluft-Verbrauch, dessen Aufbereitung – ja sogar eine Anbindung an Energiemanagementsysteme ist möglich. „Ein komplettes Monitoring ihrer Anlage“, so Landhäußer und gibt noch ein Sahnehäubchen oben drauf „zum Pay-per-Use-Tarif“. Kritikern, die behaupten, dass es solche Contracting-Modelle bereits von großen Herstellern gäbe, entgegnet Landhäußer: „Ja, aber in einem abgeschlossenen System. Wir agieren herstellerunabhängig.“ Das deutsche Startup garantiert absolute Transparenz über den tatsächlichen Verbrauch und kann neue wie bestehende Anlagen integrieren. Ein Vorteil, der Lieferanten wie Hersteller der Branche aufhorchen lässt.

Spin-Off statt Lizenz

Warum aber ein Spin-Off gründen und nicht als Dienstleistung des Unternehmens Mader verkaufen? Ausgerechnet ein Marktbegleiter gab hier den Anstoß. „Ein Branchenkollege war von Looxr sehr beeindruckt“, erzählt Landhäußer. „Er konnte sich aber nicht überwinden vom Mitbewerb eine Lizenz zu kaufen.“ So kam es 2018 zur Gründung von Looxr als eigene Gesellschaft. Übrigens: Vor kurzem übergab Landhäußer das Ruder bei Mader der nächsten Generation und widmet sein Wissen und seine Erfahrung nun ganz allein dem Startup. Und das mit sichtlichem Erfolg: Knapp ein Jahr am Markt und bereits 100 Kunden nutzen die Technologie der findigen Gründer. Warum? Ganz einfach: „Sie müssen das Rad nicht neu erfinden und werden mit Looxr direkt bequem ins digitale Zeitalter katapultiert“, so Landhäußer. Apropos katapultiert: Schon mit Anfang Herbst soll das große Roll-Out in der DACH-Region folgen.

Verwandte tecfindr-Einträge