Umfrage

Digitalisierung als Hemmschuh für den Standort Österreich

Eine Austrian Business Check-Umfrage vom Kreditschutzverband KSV1870 sieht die Digitalisierung als größte Schwäche der österreichischen Wirtschaft.

Die Digitalisierung schafft es in einer Befragung von  KSV1870 nicht in das Ranking der Top 5-Stärken des Wirtschaftsstandorts Österreich.

68 Prozent der Unternehmen haben aktuell keine digitale Agenda verankert und planen das auch nicht. Dem gegenüber stehen 84 Prozent, die bereits erkennen, dass die digitale Transformation den eigenen Markt verändert. Am deutlichsten sind die Auswirkungen anhand eines beschleunigten Wettbewerbs, veränderter Kundenerwartungen und neuer Verkaufs- und Distributionskanäle im Markt spürbar. Befragt nach der größten Schwäche nennen die Unternehmen die Digitalisierung von Produkten, Prozessen und Services (27%), gefolgt von mangelhaften Prozessen und Strukturen (24%) und fehlenden neuen Geschäftsfeldern (23%). Die Digitalisierung schafft es, laut den Befragten, nicht in das Ranking der Top 5-Stärken des Wirtschaftsstandorts.

Fehlende Akzente in der Digitalisierung 

Der Megatrend der Digitalisierung ist in Österreich noch nicht angekommen. Dennoch bewerten 72 Prozent der Unternehmen den Wirtschaftsstandort Österreich mit sehr gut oder gut. „Das mag aktuell noch zutreffen, aber wenn weiterhin die Digitalisierung als Erfolgsfaktor für unsere Wirtschaft vernachlässigt wird, dann wird Österreich massiv an Attraktivität einbüßen und international den Anschluss verlieren. Aus meiner Sicht ist bei den Unternehmen Feuer am Dach“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870. „Die Betriebe sind zu zögerlich und vergessen, digitale Akzente zu setzen.“ Und das, obwohl drei von vier Firmen, die bereits heute über eine „digitale Roadmap“ verfügen, angeben, positive Auswirkungen auf ihre Finanzen zu erkennen.

Digitalisierung, Wirtschaftsstandort, Österreich © KSV1870

Die Übersichtsgrafik des KSV1870 veranschaulicht, wie es um die Digitalisierung in Österreich steht: 84 Prozent der Befragten sagen, dass die Digitalisierung den Markt bereits verändert hat. Dennoch haben 68 Prozent keine digitale Agenda.

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Kundenservice als Stärke des Standorts

Aktuell setzen heimische Betriebe vor allem auf guten Service bzw. eine hohe Kundenzufriedenheit sowie einen modernen Führungsstil und flexible Arbeitsbedingungen. Befragt nach den größten Handlungsfeldern, haben die Unternehmen erkannt, dass der geringe Digitalisierungsgrad aktuell die größte Schwäche darstellt. Um den Anschluss nicht zu verlieren, sehen die Unternehmen den größten Handlungsbedarf bei der Implementierung digitaler Produkte, Services und Prozesse (27%). Gefragt sind auch klare interne Prozesse und Strukturen (24%). Damit die Betriebe fit für die Zukunft werden, bedarf es neuer Geschäftsfelder. 23 Prozent sehen darein aktuell die drittgrößte Schwäche.

Starker Mitbewerb als größte Gefahr

Laut der Austrian Business Check-Umfrage birgt ein verstärkter Mitbewerb für 43 Prozent der Unternehmen das größte Gefahrenpotenzial. Auch der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften sorgt, neben der Abhängigkeit von einzelnen Großkunden, für Unsicherheit. Dagegen werden der Brexit oder etwaige Zölle kaum als Risiken für das eigene Geschäft wahrgenommen.

Chance für Österreich als Wissensstandort

Die größten Chancen, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes zu erhöhen, orten die Befragten bei der Senkung der Lohnnebenkosten (74%), der Vereinfachung politischer bzw. rechtlicher Rahmenbedingungen (70%) und einer modernen Verwaltung (59%). Darüber hinaus werden die verstärkte Fachkräfteausbildung und die Förderung von Innovationen, von Forschung und Entwicklung als notwendig eingestuft. „Die Ausbildung von Fachkräften und die Entwicklung Österreichs hin zu einem Wissensstandort ist aus unserer Sicht eine große Chance für Österreichs Wirtschaft. Auch, um sich im internationalen Vergleich stärker abzugrenzen. Dafür ist wesentlich, dass sich das Ausbildungsangebot noch stärker als bisher am Bedarf der Wirtschaft orientiert“, so Vybiral. 

Oft kein Bedarf an Digitalisierung

Die Unternehmen wissen zwar um die Dringlichkeit der Digitalisierung, trotzdem sehen aktuell 39 Prozent der Befragten keinen Bedarf, aktiv zu werden. Als weitere Gründe werden, unter anderem, eine unmögliche Finanzierbarkeit und die Unternehmenstradition als Bremse für digitale Projekte angeführt. Für neun Prozent der Betriebe scheitert es auch an einer fehlenden Vision. „Österreich kann zwar einige digitale Leuchtturm-Projekte vorweisen, trotzdem wird deutlich, dass es hierzulande keine ausgeprägte digitale Kultur gibt. Wir sind somit noch keine digitalen Gestalter“, erklärt Vybiral.

Fokus auf Prozessoptimierung

All jene, die sich inmitten der digitalen Transformation befinden oder bereits digitalisiert haben, fokussieren derzeit vor allem auf das elektronische Bankgeschäft, den elektronischen Amtsweg und setzen verstärkt auf Social Media. Digitale Produkte und Services (28%) und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder (14%) liegen derzeit nicht im Spitzenfeld. Sie sind aber immerhin bei den geplanten Projekten der Unternehmen ganz vorne dabei. „Die Unternehmen setzen auf Altbewährtes und konzentrieren sich wie im vergangenen Jahr auf Optimierungsprozesse. Es zeigt sich, dass Österreichs Betrieben mitunter der Mut fehlt, neue Wege zu beschreiten. ‚More of the same‘ lautet das Motto“, sagt Ricardo-José Vybiral.

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