Abfallwirtschaft

Kreislaufwirtschaft: Warum Chinas Stopp für Müllimporte eine Chance ist

Seit China nicht mehr die Müllhalde für Europas Plastikmüll ist, nehmen die Exporte nach Vietnam, Malaysia sowie Osteuropa zu. Dass der Export aber keine dauerhafte Lösung ist, weiß auch die EU und zieht die Zügel straffer.

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Müllexport ist kein dauerhafte Lösung: Seit China nicht mehr die Müllhalde für Europas Plastikmüll ist, nehmen die Exporte nach Vietnam, Malaysia sowie Osteuropa zu.

Die deutsche Recyclingbranche verspricht sich von dem chinesischen Importstopp für Plastikabfälle neue Geschäftschancen. "Für Kunststoffabfälle ist die Tür nach China zwar zu, aber Recyclate für die kunststoffverarbeitende Industrie sind begehrt - auch in China", sagte Thomas Probst vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung in München.

Wegen Chinas Stopp wird Müll stärker nach Vietnam oder Malaysia exportiert

Es gelte daher, mehr von neuen Möglichkeiten und weniger von Schwierigkeiten zu sprechen. Seit 1. Jänner dürfen Plastikabfälle und andere Abfallsorten nicht mehr nach China eingeführt werden. Seither zeige sich, dass der Müll stärker nach Vietnam oder Malaysia exportiert werde, sagte Probst. Auch in Richtung Osteuropa, beispielsweise nach Bulgarien oder in die Ukraine, nähmen die Exportmengen zu. "In der Größenordnung wie China wird es aber keine Alternativen geben." Nach Probsts Einschätzung dürfte es in den genannten Ländern ebenfalls bald zu ähnlichen Importregulierungen kommen. "Der Export von Kunststoffmüll hat keine Zukunft, und das ist auch gut so."

Industrie muss stärker auf Produkte aus Recyclaten setzen

Um die Wiederverwertungsquoten bei Kunststoffabfällen in Deutschland anzuheben, würden mehr Sortier- und Recyclinganlagen, aber auch eine stärkere Nachfrage nach Produkten aus Recyclaten, also wiederverwertbaren Kunststoff-Granulaten, benötigt, sagte Probst. "Wie die Nutzung von Papier aus Altpapier heute selbstverständlich ist, muss auch die Nutzung von Kunststoffprodukten aus Recyclaten zukünftig selbstverständlich sein. Jeder sollte heute schon nach Produkten mit Recyclatanteil suchen." Eine Vorreiterrolle sieht Probst bei der öffentlichen Hand, etwa in Bundes- und Landesbehörden, aber auch bei bundeseigenen Unternehmen wie der Deutschen Bahn, die stärker auf Recyclingprodukte setzen sollten. Wie sich Kunststoff wieder in den industriellen Kreislauf recyceln lässt, dafür gibt es auch aus Österreich Beispiele. Mit dem Forschungsprojekt „Rec2TecPart“ gelang der Montanuni Leoben ein Durchbruch beim Upcycling. Genutzt wird dieses Verfahren bereits von zwei Industriebetrieben.

White Paper zum Thema

Drei Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoffen

Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamts fielen 2015 in Deutschland gut 3 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Kunststoffen an, gut die Hälfte davon landete in der Müllverbrennung. Durch das Verpackungsgesetz, das Anfang 2019 in Kraft tritt, soll die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von bisher 36 Prozent bis zum Jahr 2022 auf 63 Prozent ansteigen. Auch aus Sicht des deutschen Umweltbundesamt müssen deshalb die Anlagenkapazitäten ausgebaut werden. So seien derzeit sechs Sortieranlagen für Leichtverpackungen deutschlandweit in Bau. Dass Deutschland hier sicher eine Vorreiterrolle bezieht, zeigen die jüngsten Pläne der EU. Die ist sich ihres "Müllproblems" bewusst und versucht einen härteren Kurs. Auf der größten Konferenz zu Kreislaufwirtschaft machte es die EU Kommission deutlich: Unternehmen haben jetzt die Chance, freiwillig Aktionen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu setzen. Wenn dies nicht funktioniert, werden neue Vorschriften dafür sorgen.

IFAT zeigt umweltschonenden Umgang mit Plastikabfällen

Die Vermeidung von und ein umweltschonenderer Umgang mit Plastikabfällen gehört auch zu den Schwerpunkten auf der Messe Ifat von Montag bis Freitag (18. Mai) in München. Dort zeigen rund 3.300 Aussteller Neuheiten rund um Themen wie Wasser und Abwasser sowie die Wiederwertung von Rohstoffen. Zur Eröffnung wird unter anderem die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) erwartet. Bei einer Diskussionsveranstaltung wollten Experten über Möglichkeiten sprechen, die Plastik- und Mikroplastik-Verschmutzung in den Ozeanen und Flüssen in den Griff zu bekommen und die Frage erörtern, was Umwelttechnologien dabei leisten können. (red/APA/dpa)