Rohstoffe

Konjunkturmetall: Löst Aluminium Kupfer ab?

Kupfer gilt aufgrund seiner weitverbreiteten Verwendung in der Industrie als verlässlicher Konjunkturindikator. Doch der Ruf des "Doctor Copper" leidet, denn Aluminium gilt als bessere Alternative.

Ist der Ruf des "Konjunkturmetalls" Kupfer überhaupt noch zeitgemäß? Gewisse Zweifel an der Güte dieses Indikators seien angebracht.

Das Basismetall Kupfer gilt aufgrund seiner weitverbreiteten Verwendung in der Industrie als verlässlicher Konjunkturindikator. Diese Eigenschaft hat das Halbedelmetall seit dem Frühling erneut unter Beweis gestellt, da die fallenden Kupferpreise der abkühlenden Konjunktur vorausgingen. Wie lange Kupfer seinen Ruf als "Konjunkturmetall" noch gerecht werden kann, ist aber mittlerweile umstritten.

Bis dato machte Kupfer, auch bekannt als "Doctor Copper", seinem Namen alle Ehre: "Die Gründe für den Preiszerfall von Kupfer liegen in der substanziellen Abkühlung der Konjunktur", sagt Stefan Graber, Leiter Rohstoff-Strategie bei Credit Suisse, im Gespräch mit AWP. Das in der produzierenden Industrie breit verwendete Basismetall antizipierte damit bereits den aktuellen konjunkturellen Abschwung.

Kupfer hat an Wert verloren

Konkret hat Kupfer binnen eines Jahres fast 8 Prozent an Wert verloren. Pro Tonne des roten Industriemetalls müssen derzeit rund 5.600 Dollar (5.114 Euro) bezahlt werden. Im Frühling wurden noch Preise von über 6.500 Dollar aufgerufen. "Damals bestand noch Hoffnung auf eine Einigung zwischen den USA und China", rekapituliert Graber. Eine Kehrtwende der USA und der sich global ausdehnende Handelsstreit hätten zu Unsicherheiten geführt und die Investitionen der Industrieunternehmen gedämpft.

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Aluminium als bessere Alternative: Das Leichtmetall werde stärker in Konsumgütern verwendet und dessen Verbrauch habe im Vergleich zu Kupfer zugenommen.

"Ein sich hinziehender Handelskonflikt beeinträchtigt das chinesische Wirtschaftswachstum und damit die Nachfrage nach Industriemetallen, nicht zuletzt da China weltweit der größte Abnehmer ist", sagt Reto Cavelti, Senior Investment Manager bei der Zürcher Privatbank Maerki Baumann. So sei Chinas Industrieproduktion im August so wenig gewachsen wie seit 2002 nicht mehr.

Aluminium als bessere Alternative

Doch ist der Ruf des "Konjunkturmetalls" Kupfer überhaupt noch zeitgemäß? "Gewisse Zweifel an der Güte dieses Indikators sind angebracht", sagt Graber und begründet dies mit der schwindenden Bedeutung von "Doctor Copper" für die Industrie. "Es braucht schlichtweg weniger Kupfer, um die gleiche Wirtschaftsleistung zu erbringen", so der CS-Experte.

Aluminium gelte daher inzwischen als bessere Alternative. Das Leichtmetall werde stärker in Konsumgütern verwendet und dessen Verbrauch habe im Vergleich zu Kupfer zugenommen.

Auch die Aluminiumpreise haben im Verlauf des letzten Jahres deutlich nachgegeben. Dies zeigt laut Graber, dass sich das verarbeitende Gewerbe in einer spürbaren Verlangsamung befindet: "Weitere Faktoren wie fallende Produktionskosten haben aber ebenfalls zu dieser Preisschwäche beigetragen", so der CS-Experte.

Kupferpreise als Vorboten einer Krise?

Im Gegensatz dazu stünden die Dienstleistungssektoren - trotz jüngster Dellen - nach wie vor vergleichsweise robust da. Die entsprechenden Indizes notieren weiterhin in der Wachstumszone. Und die Industrie trage weltweit den deutlich kleineren Teil zur Gesamtleistung bei.

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Die Nachfrage nach Kupfer bleibt aktuell träge und die erhöhte Produktion im Zusammenspiel mit einer schwächeren Nachfrage lässt nicht auf eine kurzfristige Kupfer-Rally schließen.

"Daher müssen tiefe Kupferpreise nicht zwingend eine Krise der Gesamtwirtschaft heraufbeschwören", relativiert Graber die Bedeutung der Kupferpreise.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise am Kupfermarkt in absehbarer Zeit wieder deutlich anziehen, schätzen beide Experten als eher gering ein: "Für eine nachhaltige Preiserholung muss die reale Industrieaktivität wieder anziehen - eine Erleichterung im Handelsstreit alleine dürfte nicht reichen", so Grabers Prognose. Die Credit Suisse gehe darum von einer Konsolidierung am Kupfermarkt im hohen 5.000-Dollar- bis tiefen 6.000-Dollar-Bereich aus.

Nachfrage bleibt träge

Auch für Privatbanker Cavelti braucht es erst "harte Fakten", um einen Preisanstieg auszulösen: "Die Nachfrage nach Kupfer bleibt aktuell träge und die erhöhte Produktion im Zusammenspiel mit einer schwächeren Nachfrage lässt nicht auf eine kurzfristige Kupfer-Rally schließen."

Auch die Experten von Maerki Baumann gehen davon aus, das sich der Kupferpreis in den nächsten Wochen in einem engen Band bewegen wird: "Kupfer - und Industriemetalle allgemein - könnten lediglich bei weiteren Zinssenkungen vonseiten des Fed und einer entsprechenden Abschwächung des Dollars wieder Fahrt aufnehmen", sagt Cavelti. (Von Simon Stahl/APA/awp/sda)

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