Logistikstandort

Kennen Sie Ihren CO2-Fußabdruck?

Die Logistik produziert nicht gerade wenig Treibhausgase. Mit einem von Fraunhofer entwickelten Online-Tool lässt sich standportspezifisch der CO2-Fußabdruck eines Logistikstandortes ermitteln.

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CO2-Detektiv Fraunhofer: Mit einem Online-Tool sind die Forscher dem Öko-Fußabdruck der Logistik auf der Spur.

Der voranschreitende Klimawandel, der steigende Logistik-Bedarf in Folge von E-Commerce, der Abgasskandal in Deutschland und womöglich bald eine CO2-Steuer? Transport und Logistik sind zwei der großen Mitverursacher für die steigenden Treibhausgas-Emissionen. Und eben diese im Überblick zu haben ist heute wichtiger denn je. Das gilt besonders in der Logistik. Ein einheitlicher Standard für die Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Logistikstandorten fehlte bislang. Das wird jetzt aber anders: Die klugen Leute im Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML im deutschen Dortmund haben ein Online-Tool entwickelt mit dessen Hilfe sich punktgenau der ökologische Fußabdruck eines Logistikstandortes berechnen lässt. Das Tool wurde im Juni dieses Jahres erstmals auf der Weltleitmesse für Logistik, transport logistic in München der Fachöffentlichkeit vorgestellt und Factory hat die Details dieses Tools recherchiert.

Ressourceneffizienz an Logistikstandorten

Während schon zahlreiche Studien über die CO2-Emissionen in der Logistik veröffentlicht wurden, liegen derzeit kaum Daten zu Treibhausgas-Emissionen von Logistikstandorten vor. Experten gehen davon aus, dass Logistikstandorte in Deutschland und ähnlich auch in Österreich rund 15 Prozent der gesamten Treibhausgase in der Logistik emittieren. IML bringt Licht ins Dunkel. Mit dem Tool namens REff (Ressourceneffizienz an Logistikstandorten) können Unternehmen kostenlos standortspezifisch ihren jährlichen CO2-Fußabdruck sowie Kennzahlen zu durchschnittlichen Emissionen je Transportsendung berechnen. Dazu müssen sie lediglich ihre Verbrauchsdaten eingeben, wie beispielsweise Verbrauch von Strom, Diesel oder Kältemittel.

Anonymisierte Daten für Branchenwerte

Welche Daten relevant sind, haben die Wissenschaftler zunächst an ganz unterschiedlichen Lager- und Umschlagstandorten verschiedener Unternehmen untersucht. Die gewonnenen Daten wollen die Forscher des Fraunhofer IML in einem weiteren Schritt anonymisiert nutzen, um dann Durchschnittswerte für die Branche zu ermitteln. Sobald ausreichend Daten vorliegen, können sich teilnehmende Unternehmen künftig mit diesen Durchschnittswerten messen. Aus dem REff lassen sich zudem betriebswirtschaftliche Konsequenzen ableiten, erklärt Kerstin Dobers, die bei der Entwicklung von REff involvierte Expertin bei IML in Dortmund gegenüber Factory. „Die Transparenz ermöglicht eine zielgerichtete Ableitung von Maßnahmen zur Ressourcen- und Treibhausgasreduktion mit in der Regel gleichzeitigen Kosteneinsparungen“, sagt sie. Betriebswirtschaftlich relevant ist dabei auch die Darstellung von zurückliegenden Verbesserungserfolgen durch jährlichen Vergleich, Abschätzung von möglichen Einsparungen für künftige Investitionen sowie interner Vergleich von Standorten und Darstellung der unternehmerischen Verantwortung durch Mitwirken im internationalen REff-Netzwerk. Unternehmen sollte das Tool anwenden, wenn sie die oben genannten Ziele verfolgen, aber noch zu wenig Detaildaten zur Verfügung haben, rät Dobers.

White Paper zum Thema

Kerstin, Dobers © Fraunhofer IML

„Die Transparenz ermöglicht eine zielgerichtete Ableitung von Maßnahmen zur Ressourcen- und Treibhausgasreduktion mit in der Regel gleichzeitigen Kosteneinsparungen." Kerstin Dobers, Fraunhofer IML 

Transparenz gegenüber Kunden

Mit dem neuen REff-Tool können Unternehmen Transparenz gegenüber Kunden herstellen, die explizit grüne Logistikdienstleistungen einkaufen wollen. In Zeiten des Klimawandels ist das essenziell, um sich als Unternehmen im Handel, Industrie oder Logistikbranche als nachhaltiger Akteur am Markt zu positionieren. Zudem bereiten sich Firmen so systematisch auf alle denkbaren politischen Entscheidungen zu CO2-Emissionen vor. Beim IML gibt man sich selbstbewusst: Das IML setze als Forschungsinstitut weltweit Maßstäbe in einem Bereich, in dem bisher kein einheitlicher, anerkannter Standard existiert. Das Tool ist für Logistikstandorte, sprich Lager, Umschlagstandorte, Distributionszentren oder Terminals anwendbar.

Pilotprojekt mit FM Logistic in zwölf Ländern

In Kooperation mit dem „Global Logistics Emissions Council“, einer Initiative, die sich für weltweit einheitliche Standards für die Berechnung von Emissionen einsetzt, bildet das REff-Tool den weltweiten Standard für Logistikstandorte. Der französische Logistikdienstleister „FM Logistic“ testet die Anwendung derzeit als erstes in seinen Lagerstandorten in zwölf verschiedenen Ländern Europas. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Tools hinsichtlich methodischer und technologischer Fragen wird durch das genannte internationale Netzwerk für ressourceneffiziente und klimafreundliche Logistikstandorte des IML sichergestellt. Die Verbesserungen zielen auf mehr Transparenz mittels repräsentativer Umwelt-KPI (Key Performance Indicators) und auf einen reduzierten Energie und Ressourceneinsatz der Unternehmen ab.

Um das REff-Tool zu nutzen braucht es eine zentrale Registrierung bei Fraunhofer IML . Das interessierte Unternehmen erhält seinen eigenen Zugang zu einer dahinter liegenden Datenbank, die Eingabe der Daten erfolgt durch das Unternehmen (manuell im Tool oder als Batch-Import bei vielen Standorten). Die Kalkulation der Kennzahlen macht das Tool und die Unternehmen bekommen das Ergebnis präsentiert. Das IML verwendet die anonymisierten Daten weiter für Forschungszwecke, wie beispielsweise Ableitung von internationalen Kennzahlen für Logistikstandorttypen, so Dobers. Was auch schon bald von IML angeboten wird: Möglichkeit des Exports der Daten für die Nutzung innerhalb des Bewertungstools EcoTransIT World.

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