Internet of Things

IoT: So schaffen Sie den Sprung

Wer jetzt auf den IoT-Zug aufspringen will, sollte sich aber von folgenden Versprechungen nicht blenden lassen.

Von
Industrie 4.0 IoT

50 Milliarden „Dinge“, also Smartphones, PCs, Sensoren und weitere Geräte sollen laut Cisco in fünf Jahren miteinander verbunden sein.

50 Milliarden „Dinge“, also Smartphones, PCs, Sensoren und weitere Geräte sollen laut Cisco in fünf Jahren miteinander verbunden sein. Einer IDC-Schätzung zufolge steigen dabei die Umsätze bis 2020 mit „Internet of Things“-Technologien auf satte 6,25 Milliarden Euro. Ein Hype dem sich vom Beraterhaus über den Softwarekonzerne bis hin zum Herstellern von Verbindungstechnik niemand mehr entziehen kann. Ein Problem haben dabei alle gemein: Auf welche Technologie, Service- und Geschäftsmodell sollen Sie jetzt setzen, um in drei Jahren profitabel zu sein? Profitgetrieben erobern nämlich täglich unausgereifte Technologien den Markt, deren Schwächen dabei nur einer ausbaden darf: Der Kunde.

M2M als größte Irrläufer bei IoT?

Wer Internet of Things (IoT) verstehen will, muss zuerst einen großen Irrtum aus dem Weg schaffen: „Internet of Things ist weit mehr als nur Maschinen oder Geräte, die miteinander kommunizieren“, erklärt es Nikolaus Kawka treffend. Der Geschäftsführer von Zühlke Engineering Austria hat sich dem Thema schon vor mehr als fünf Jahren verschrieben und weiß um die Begriffsverwirrung. Er warnt vor Anbietern, die sich nur auf Technologien spezialisiert haben. „Technische Affinität alleine ist zu wenig“, so Kawka. „Anbieter müssen hier auch die Rolle eines Beraters einnehmen, denn hinter IoT stecken vor allem völlig neue Geschäftsmodelle. Den Wiener entgegen hält die Linzer unit-IT. Geschäftsführer Karl-Heinz Täubel ist überzeugt, dass IoT mit der Vernetzung von Geräten beginnt. „Dort wo Maschinen Daten miteinander austauschen, Diagnosen via Fernwartung gestellt werden, da beginnt für mich IoT“, erklärt er im Interview mit FACTORY.

Uneinigkeit bei Software- und Hardwareanbietern

Einig sind sich beide Anbieter hinsichtlich der Architektur, die hinter diesem technologischen Trend stehen soll. Denn an den Rechnerwolken führt kein Weg mehr vorbei. „Cloudzentrierte Lösungen sind am zukunftsträchtigsten“, so Kawka. In der Cloud werden sämtliche Daten der „Dinge“ hinterlegt, Regeln erstellt und folglich ausgelesen. Die Atos-Tochter unit-IT hat dafür extra eine eigene Cloudumgebung geschaffen. Die sogenannte Canopy-Cloud, entwickelt von EMC, VMWare und Atos steht dabei in Konkurrenz zu den Big Playern wie PTC, Microsoft, Google und Amazon. Letzteren bedient sich Zühlke mit seinen IoT-Lösungen. Hardware-Anbieter hingegen setzen klar auf einen dezentralen Ansatz. Bei ihnen steht das „Ding“ im Mittelpunkt. Quasi der Sensor, der auf der Maschine sitzt und nach Hause telefoniert. Im Grunde kein neuer Prozess. Dennoch kämpfen die Hardware-Anbieter für mehr Aufmerksamkeit. „Die Daten, die durch IoT entstehen, müssen nicht nur gespeichert, sondern auch an den jeweiligen Verwendungsort transportiert werden“, warnt Christoph Laves, Geschäftsführer des deutschen Hardware-Anbieters IT-Budget. „Gerne wird bei aller ‚Software-Intelligenz‘ dieser Aspekt übersehen.“ Der Hardware-Experte fordert daher ein sehr viel stärkeres Bewusstsein für Hardware und dessen Bedeutung für moderne IT. Der Ausbau von Datennetz-Anlagen mit Datenleitungen, Internetanschlüssen und W-LAN-Stationen muss vorangetrieben werden.

White Paper zum Thema

IIC: Amerikanische Architektur

Bei dem IoT-Thema prallen zwei Welten aufeinander. Ob IoT-Management nun dezentral und hardwareaffin oder zentral und softwareaffin aussehen muss, weiß Wernher Behrendt. Der gebürtige Grazer ist Forscher an der Salzburg Research Forschungsgesellschaft. Seine Spezialität: Das Internet der Dinge. „Das Management kann sowohl dezentral, zentral als auch cloudzentral sein“, so Behrendt. „Das einzige MUSS ist jener Gateway, der die physische Schnittstelle zwischen Außenwelt und Internet bereitstellt. Erst dann ist das „Ding“ digitalisiert und es kann als Internet-Inhalt im Netz verwaltet und operationalisiert werden. Hier seien uns die Amerikaner einen Schritt voraus. Das Industrial Internet Consortium hat im Sommer die drei Ebenen der IoT-Architektur publiziert. Dabei unterscheiden die Amerikaner zwischen Edge, Plattform und Enterprise-Ebene. „In der Edge-Ebene liegen  Sensoren und Aktuatoren, die mit der Außenwelt in Verbindung stehen, zB das Navigationssystem einer Logistik-Flotte“, erklärt Behrendt. Die Plattform-Ebene ist der Bereich, wo alles digitalisiert und in großen Informationsmengen bereitsteht. Hier siedeln sich laut dem Forscher die Big-Data-Analysetools an. Auf der Enterprise-Ebene findet die firmeninterne IT-Kommunikation statt. 

Industrielle Anwendungen

In seinem Labor in Salzburg hat der Forscher seinen ganz eigenen Ansatz zu IoT bereits umgesetzt. „Wir haben einen typischen Heim-3D Drucker mit einer Kamera und ein paar Sensoren ausgestattet und netzwerkfähig gemacht“, erklärt Behrendt seine Edge-Ebene. Zusätzlich wurde eine Plattform entwickelt, die es erlaubt, ein 3D Design hochzuladen, zu drucken, und die Qualität des Druckvorganges über die Sensorik und über die Kamera zu überprüfen. Dabei können laut Behrendt, drei Perspektiven unterstützt werden: Der Kunde, der seinen Druck entstehen sieht. Der Service-Techniker, der seinen 3D Drucker überwachen kann, und der Drucker-Hersteller, der die Performance von Druckern aus seiner Produktion überprüfen kann.

Intelligente Wälder und Kühltruhen

Auch bei Zühlke und unit-IT gelangen schon erste IoT-Projekte. So hat Erster für Liebherr Baumaschinen eine schlüsselfertige IoT-Lösung entwickelt. Kunden können über ein mehrsprachiges Portal auf eigene Baumaschinen zugreifen und erhalten so wichtige Informationen für Überwachung, Einsatzplanung und Abrechnung. Liebherr selbst nutzt die weltweit erfassten Daten für den Kundendienst. Die Linzer unit-IT sorgte bei dem Transportunternehmen Hödlmayr für eine Prozessoptimierung im Fahrzeugmanagement mithilfe der grafischen Mobillösung. Seither können Fahrzeuge und Lagerplätze schnell lokalisiert werden. Indem jeder Mitarbeiter direkt mit dem Leitstand kommuniziert, können Unklarheiten und potenzielle Fehlersituationen minimiert werden. Gerade arbeite man auch an einer IoT-Lösung für einen Kühltruhenhersteller. Geht es um Details, bleibt Geschäftsführer Täubel diskret. Nur soviel verrät er: Die ersten Feldversuche mit der smarten Kühltruhe laufen bereits.