Internet of Things

IoT auf nordischem Erfolgskurs

Das Internet-of-Things ist die Zukunft. Einer der Vorreiter der digitalen Transformation ist Estland. Warum das so ist und wo die österreichische Industrie Aufholbedarf hat.

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Das IoT ermöglicht die zusätzliche Informationsgewinnung für optimierte Prozesse.

Bereits im Jahr 2008 waren mehr Geräte mit dem Internet verbunden, als es Menschen auf der Erde gab. Das ermittelte der Netzwerkspezialist Cisco. Das Internet der Dinge: Seit wann existiert also dieser Begriff? Bereits 1999 geprägt, verbreitete sich der Ausdruck jedoch erst mit dem Beginn der vierten industriellen Revolution. Bevor wir nun aber einen Blick auf den Musterschüler Estland werfen, hier eine Definition des Internet of Things (IoT): Das Internet der Dinge verbindet physische Objekte mit der virtuellen Welt. Intelligente Geräte und Maschinen sind dabei miteinander und mit dem Internet vernetzt.

IoT Paradebeispiel Estland

Doch nun zu Estland. Das Land ist in Sachen Digitalisierung weit fortgeschritten – das trifft auf den gesellschaftlichen Bereich ebenso zu wie auf die Industrie. Das Internet of Things ist dabei ein fundamentaler Bestandteil. „Die estnische Industrie sieht im IoT einen klaren Nutzen, weshalb es im Mittelpunkt steht. Neue Lösungen, Partner und Investitionen werden gesucht und erforscht“, berichtet Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie. „In Estland werden viele öffentliche digitale Dienste genutzt, was es für die estnische Industrie viel einfacher macht Änderungen umzusetzen, als in jedem anderen europäischen Land.“

© Rene Riisalu

Triin Ploompuu, Vorstandsmitglied des Verbands der estnischen Maschinenbauindustrie ​​​​​.

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Aufholbedarf für Österreich?

Kann sich die österreichische Industrie also etwas von Estland abschauen? Rainer Pascher,  Gruppenleiter Digitale Logistik und Automatisierung bei Fraunhofer Austria, ist der Meinung, dass die wenigsten Unternehmen das IoT als ihre aktuell größte Herausforderung sehen. „Doch bei genauerer Betrachtung helfen diese IoT-Anwendungen oftmals dabei, notwendige Informationen über genau diese Herausforderungen zu sammeln. IoT-Anwendungen bei wartungsintensiven Anlagen mit hohen Ausfallskosten in der Produktion beispielsweise setzen bereits häufig auf IoT-Applikationen, Statusinformationen in Echtzeit zu erhalten. In der Logistik stecken diese jedoch häufig noch in den Kinderschuhen.“

Hierbei stimmt ihm Triin Ploompuu vom Verband der estnischen Maschinenbauindustrie zu. Auch sie meint: „Während die Technologie bisher stärker auf die Industrie ausgerichtet war, muss die Logistik aufholen.“ Das Problem, das Pascher und Fraunhofer Austria hier sehen, ist die Tatsache, dass viele IoT-Devices oder Applikationen alles andere als Plug-and-Play sind: „Meist sind ein großer Aufwand und Vorkenntnisse erforderlich, um ein solches IoT-Device stabil in einen Prozess zu integrieren.“

Chancen des IoT

Rainer Pascher von Fraunhofer Austria sieht großes Potenzial im IoT: „Es gibt uns die Möglichkeit in Produktion und Logistik von den immer günstiger, kleiner und leistungsstärker werdenden Elektronikkomponenten zu profitieren. IoT oder auch IIoT (Industrial Internet of Things) lässt uns zusätzliche Informationen über unsere Logistik gewinnen und diese wertschöpfend in unsere Prozesse zu integrieren. Die zunehmende Konnektivität ermöglicht es zudem diese Informationen in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Auslastungen, Füllstände, Prozesszeiten oder aktuelle Positionen der Stapler im innerbetrieblichen Materialfluss sind nur wenige Beispiele für das Potenzial von IoT -Devices in der Intralogistik.“ Und wie sicher sind IoT und das industrielle Internet der Dinge? Wenn man nach Triin Ploompuu geht, stellt sich anstatt der Frage nach der Sicherheit vielmehr jene nach einem Paradigmenwechsel und danach, die Unternehmensführung vollständig auf digitale Informations- und Vertrauenssysteme umzustellen oder nicht.

Prognosen und Ziele des IoT für Estland und Österreich

IoT spielt heute und auch morgen eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit von Menschen und Robotern. Laut Ploompuu ist IoT der schnellste Weg, um Lösungen auf der Basis künstlicher Intelligenz zu entwickeln, da für datengesteuertes Management zunehmend Daten erforderlich sind, die nicht durch manuelle Eingaben erfasst werden können. „Je mehr Sensoren in unseren Systemen kompatibel sind, desto genauer werden unsere Entscheidungen sein“, prognostiziert sie die Zukunft des IoT und fügt hinzu: „Dank der Möglichkeiten von 5G wird definitiv eine rasante Entwicklung beginnen. Die Nachteile vieler Gerätehersteller sind aber sicherlich geschlossene Systeme, deren Sensoren aufgrund von Lizenzbeschränkungen oder Zugangsbarrieren nicht verwendet werden können. Ich verstehe, dass dies eine Frage des Wettbewerbs ist, aber solange wir so viele geschlossene Systeme haben, wird dies ein großes Hindernis für den Wettbewerb in ganz Europa sein.“

Um die Technologie des IoT also einwandfrei nutzen zu können, braucht es die richtige Herangehensweise. „Oft sehen wir, dass Unternehmen eine IoT-Applikation aussuchen oder eine Technologie auswählen und anschließend ihre Prozesse darauf anpassen. Dies ist aus unserer Sicht jedoch die falsche Vorgehensweise“, meint Rainer Pascher. Er hält es für die erfolgreiche Integration von IoT-Devices für wichtig, zuerst den Ist-Prozess zu analysieren und einen neuen Soll-Prozess erst nach Analyse und Transparenz über etwaige Schwachstellen des Prozesses zu erstellen.

Fraunhofer Austria entwickelt mit der „Duck Box“ und der „Flying Duck“ eigene IoT-Devices. Dabei ist man darauf bedacht Plug-and-Play Lösungen anzubieten, die idealerweise im laufenden Logistikbetrieb integriert und an die spezifischen Anforderungen des Unternehmens angepasst werden können. Pascher sagt zudem voraus: „Für die Zukunft wird auch entscheidend sein, die IoT-Systeme einfacher und benutzerfreundlicher zu gestalten. Hier werden aktuell viele Schritte unternommen, um in der Zukunft schneller, kostengünstiger und einfacher eine Prozessimplementierung zu realisieren.“