Forum Alpbach

Infrastrukturminister Leichtfried will Bundesförderstellen reduzieren

Eine Evaluierung bestätigt die Kompliziertheit Österreichs "Förderdschungel". Infrastrukturminister Leichtfried will deshalb von zehn auf drei Stellen reduzieren. 

FFG aws Forschung & Entwicklung Forum Alpbach

Österreichs Förderdschungel ist ein großer Hemmschuh für Entwicklungen. 

Mehr Autonomie für die Austria Wirtschafts Service (aws) und die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) empfiehlt eine Evaluierung der beiden Förderagenturen. Diesen würde eine klarere politische Steuerung bei gleichzeitig mehr Freiheiten in der Umsetzung gut tun, so das Fazit des Evaluationsberichts der beiden im Auftrag des Infrastruktur- sowie des Wirtschaftsministeriums tätigen Agenturen.

Die beiden zentralen Fördergeber agieren laut dem Letztentwurf des Berichts, der am Freitag auch bei einem Arbeitskreis der Alpbacher Technologiegespräche diskutiert wird, "hochprofessionell und effizient". Das Zusammenlegen jeweils mehrerer Förderinstitutionen unter den Dächern der aws und FFG im Zeitraum zwischen 2002 und 2004 bilanzieren die Studienautoren vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe und der KMU Forschung Austria positiv. Die Struktur der Förderlandschaft habe sich insgesamt vereinfacht.

Förderdschungel existiert weiterhin

Nicht erreicht wurde allerdings die damit angestrebte Reduktion der inhaltlichen Komplexität. Der in dem Bereich oft zitierte "Förderdschungel" existiere nach wie vor, die Anzahl der einzelnen Initiativen habe sich sogar beständig erhöht. Zudem hätten manche Programme "unterkritische Größen". Die Angebote der beiden Agenturen würden sich zwar kaum überlappen, trotzdem brauche es mehr Abstimmung, bevor neue Förderschienen aufgelegt werden.

White Paper zum Thema

Leichtfried © www.beauhartphotography.com

Will Förderwahnsinn beenden, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. 

Kritik am administrativen Aufwand für die Fördernehmer

Die primär auf Förderung angewandter Forschung ausgerichtete FFG habe es seit 2004 verstanden, bei steigendem Budget und erhöhter Aufgabenanzahl, Abwicklungskosten kontinuierlich zu reduzieren. Als wichtige Herausforderung beschreiben die Autoren jedoch die notwendige Konsolidierung des "komplexen Förderportfolios, das einige der FFG-KundInnen zu überfordern scheint". Generell seien die Zielgruppen mit dem Angebot zufrieden. "Es bleibt jedoch die ernst zu nehmende Kritik am administrativen Aufwand für die Fördernehmer." Für Vereinfachungen sollten rasch sowohl die Agentur selbst als auch die Eigentümerressorts sorgen.

Der auf Unternehmensförderung spezialisierten Agentur aws attestieren die Experten einen "deutlichen Modernisierungsprozess", auf Kundenseite herrsche hohe Zufriedenheit mit den Angeboten. Diese "sind von hoher Relevanz für die Industrie und stoßen grosso modo auf eine gute Nachfrage", heißt es. Allerdings leide die aws unter der noch sehr komplexen organisatorischen und inhaltlichen Konstruktion. Die Verbesserung dieser Situation werde etwa durch "stark unterschiedliche Finanzierungssettings" verhindert.

Keine einheitlichen Linie seitens der Ministerien

Beide Stellen sehen sich dem Bericht zufolge mit keiner einheitlichen Linie seitens der Ministerien konfrontiert. Es fehle "den Ressorts an einer klaren, handlungsleitenden Eigentümerstrategie". Steuerimpulse seien "in der Regel nicht abgestimmt und zum Teil sogar widersprüchlich". Das Evaluationsteam empfiehlt daher eine stärkere Autonomie für die beiden Agenturen, was die Umsetzung innovationspolitischer Impulse und den Einsatz der Mittel betrifft.

Für Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) zeigt der Bericht einerseits, dass FFG und aws "gut aufgestellt" sind. Es werde aber auch klar, wie viel "Energie in der komplexen österreichischen Förderstruktur verloren" gehe. "Darum schlagen wir vor, die Förderstellen des Bundes von zehn auf drei zu reduzieren. Jeweils eine klar zuständige Agentur für Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Unternehmensfinanzierung", so der Minister. (apa)

Verwandte tecfindr-Einträge