Digitale Transformation

Industrie 4.0: Welche neuen Wege Engel gehen will

Vom Amazon-Marktplatz über eine Pilotfabrik bis zur horizontalen Vernetzung: Vor drei Jahren hat der Spritzgussmaschinenbauer Engel mit inject 4.0 seine Antwort auf die Herausforderungen von Industrie 4.0 vorgestellt. CEO Stefan Engleder kündigt nun die nächsten Schritte an.

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„Die digitale Transformation führt inject 4.0 in eine neue Dimension. Durch die horizontale Vernetzung wird die Basis für neue Geschäftsmodelle gelegt, die unsere bestehenden ergänzen und unseren Kunden einen Mehrwert bieten können." Stefan Engleder, CEO der ENGEL Gruppe

Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, das wird bei der Veranstaltung, zu der Engel einen ausgewählten Kreis innovationsgetriebener inject 4.0 Anwender eingeladen hat, einmal mehr deutlich. Industrie 4.0 verfolgt das Ziel, das volle Potenzial von Maschinen, Anlagen und Technologien auszuschöpfen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, flexibler zu agieren und die zunehmende Komplexität sicher zu beherrschen. Transparenz und darauf aufbauende Assistenz sind die Schlüssel für eine höhere Effizienz. „Wir sind auf diesem Weg schon gut vorangekommen“, sagt Stefan Engleder. „Von Beginn an war uns jedoch klar, dass wir uns mit Industrie 4.0 auf eine längere Reise begeben. Das Ziel ist bekannt, den Weg dorthin gilt es von Etappe zu Etappe gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern kontinuierlich zu entwickeln. Aktuell befinden wir uns vor dem nächsten großen Schritt.“

Prozessdaten sammeln und ausgewerten

Auf dem Weg zur smart factory geht es bislang vor allem um die funktionsbezogene Optimierung einzelner Wertschöpfungsstufen, wie der Produktion oder des Vertriebs, sowie nicht direkt wertschöpfender Bereiche wie Instandhaltungsmanagement und Qualitätswesen innerhalb eines Unternehmens. Dafür werden Maschinen- und Prozessdaten gesammelt und ausgewertet und der Shop Floor auf Basis digitaler Abbildungen der Maschinen und Anlagen mit der Betriebsleitebene in vertikaler Richtung verknüpft. Diese klassischen IIoT (Industrial Internet of Things)-Plattformen dafür sind in der Regel proprietäre Lösungen. Jedoch werden vertikale Plattformstrukturen den Anforderungen, Daten von Systemen unterschiedlicher Anbieter zu verarbeiten und mit den Daten anderer Unternehmen zu korrelieren, in der Praxis nicht gerecht.

Branchenspezifische Marktplätze wie Amazon und Google

Das Vorbild sind B2C-Marktplätze wie Amazon oder Google. Anstelle von physischen Assets und den damit verbundenen Wertschöpfungsaktivitäten setzen diese Unternehmen auf die Vermittlung zwischen Angebot und Nachfrage und vernetzen die Marktteilnehmer mithilfe digitaler Technologien. Um neue Dienstleistungen zu generieren, führen die Plattformen eine Vielzahl an Daten zusammen. Die Kapazität zur Datenverarbeitung und -analyse bildet die Grundlage, die Kundenbedürfnisse noch besser und gezielter zu bedienen.

ENGEL-Schwertberg-Montagehalle © Engel

Neue Positionierung eines Kunststoffverarbeiters: In Zukunft werden sich Marktteilnehmer mit gleichen, ähnlichen und sich ergänzenden Wertströmen auf Marktplätzen austauschen, dort ihre Produkte und Technologien anbieten und in dieses Netzwerk sowohl ihre Lieferanten als auch Kunden einbeziehen.

Dieser Trend dringt ins B2B-Segment durch, und auch dort etabliert sich der Begriff Marktplatz. In Zukunft werden sich Marktteilnehmer mit gleichen, ähnlichen und sich ergänzenden Wertströmen auf Marktplätzen austauschen, dort ihre Produkte und Technologien anbieten und in dieses Netzwerk sowohl ihre Lieferanten als auch Kunden einbeziehen. Der Kunststoffverarbeiter, der eine Vielzahl an Systemen von ganz unterschiedlichen Anbietern einsetzt, findet dort zentral alle relevanten Informationen und kann die angebotenen Anwendungen – so genannte Apps – besonders effizient nutzen. „Durch die horizontale Vernetzung wird die Basis für neue Geschäftsmodelle gelegt, die unsere bestehenden ergänzen und unseren Kunden einen Mehrwert bieten können“, sagt Engleder. Einen derartigen branchespezifischen Marktplatz für die Industrie bietet zum Beispiel Adamos an. Es handelt sich um eine herstellerneutrale, offene Plattform, die gezielt für die Bedürfnisse des Maschinenbaus und seiner Kunden entwickelt wurde, und an der sich auch Engel beteiligt.

LIT Factory: Pilotfabrik geht an den Start

Die Kunststoffindustrie in Österreich ist traditionell innovationsstark und sie zählt auch beim Thema digitale Transformation zu den Vorreitern. So ist es kein Zufall, dass an der Johannes Kepler Universität in Linz eine Pilotfabrik für die interdisziplinäre, plattformbasierte Zusammenarbeit entsteht. Im nächsten Jahr wird die LIT Factory, an der sich neben Engel unter anderem die Unternehmen Borealis, Covestro, Erema, FACC, Greiner, Leistriz, Motan und Siemens beteiligen, ihren Betrieb aufnehmen. 

„Die LIT Factory erlaubt es, die neuen Möglichkeiten praxisnah zu testen, gemeinsam mit unseren Partnern Erfahrungen zu sammeln, die Herausforderungen der horizontalen Vernetzung weiter zu erforschen und neue Lösungen zu entwickeln“, so Engleder. Eine bereits bekannte Herausforderung ist die durchgehende Konnektivität, denn nicht alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette sind zueinander kompatibel. „Ein gemeinsamer Marktplatz wird die Entwicklung von Standards beschleunigen“, sagt Engleder. „Langfristig erwarten wird, dass sich auch verschiedene Marktplätze miteinander vernetzen und den Teilnehmern den Austausch von Daten ermöglichen.“

Von der Rohstofferzeugung bis zum Recycling nicht mehr benötigter Kunststoffprodukte umfasst die Plattform der LIT Factory die gesamte Wertschöpfungskette. Damit trägt die horizontale Vernetzung dazu bei, weitere brennende Zukunftsthemen voranzutreiben. Ein Beispiel ist das Schließen von Wertstoffströmen. Die Circular Economy setzt eine noch engere Zusammenarbeit der Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette voraus, die sich auf einem Marktplatz besonders einfach und effizient gestalten lässt.

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