Industriemessen

IA4X: Matthias Limbeck startet neuen Messeanlauf

2019 könnte die Linzer Smart Automation Konkurrenz aus Wels bekommen. Ex-Reedchef und Messeveranstalter Matthias Limbeck wagt einen neuen Versuch. Kann die IA4X als neue Fachmesse für Industrieautomation bekannte Schwächen der Linzer Smart ausbügeln?

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IA4X in Wels: Matthias Limbeck will mit einem neuen Messekonzept die heimische Automatisierer für sich gewinnen.

Es sei kein erneuter Angriff auf Österreichs größten Messeveranstalter Reed Exhibitions. Geht es um sein neuestes Projekt "IA4X", einer Fachmesse für Industrieautomation, will Matthias Limbeck zumindest das klar gestellt haben. Schon einmal versuchte der Ex-Chef von Reed Exhibitions (er verließ das Unternehmen 2015) eine Gegenveranstaltung in Wels auf die Beine zu stellen. Damals zur bekannten Fachmesse für Metallbearbeitung Intertool. Das Konzept "MEMA" scheiterte aber schlussendlich an der Bereitschaft wichtiger Key Player. Diese wollten der Wiener Intertool nicht in den Rücken kehren. Limbeck nahm die Entscheidung mit Fassung: "Ich akzeptiere diese Entscheidung und werde keine weiteren Aktivitäten setzen."

Das war im Februar 2017. Jetzt ist Matthias Limbeck zurück - mit neuem Projekt, neuem Bereich aber gutem alten Netzwerk. Für den hartnäckigen Messeveranstalter liegt die Zukunft in Wels. Dazu hätte es genügend Anfragen aus der Branche gegeben, so Limbeck. Den Rücken stärkt ihm ein sechsköpfiges Team mit Marketing und Eventerfahrung. Darunter der ehemaliger Reed-Bereichsleiter Gernot Blaikner und Marketingspezialist Tom Frenner. Auch die Messe Wels sei operativ mit an Bord. Mit  "IA4X", einer zweijährigen Fachmesse für Industrieautomation, will sich Limbeck 2019 kurz vor die Linzer Smart Automation platzieren (Anm. Red. vorläufiger Termin 7. bis 9. Mai 2019). Für den Messeveranstalter Reed Exhibitions eine Kampfansage. Für Matthias Limbeck eher ein Wunsch nach neuen Konzepten und Formaten. "Das Linzer Design Center hat ein Platz- und Parkplatzproblem", so Limbeck gegenüber FACTORY. Zum Vergleich: Das Linzer Design Center hat eine Bruttofläche von ca. 7.800 Quadratmetern während in Wels (Halle 20 und 21) 26.000 Quadratmetern brutto zur Verfügung stehen. Etwas womit Limbeck freilich punktet, denn die Aussteller-Warteliste bei der Linzer Smart ist lang, die Notlösung des Zeltes am Vorplatz des Design Centers unbeliebt.

Warum Reed nicht nach Wels geht

Die große Frage, die sich viele stellen: Warum geht Smart-Veranstalter Reed Exhibitions nicht selbst nach Wels? Eine Theorie: Die Linzer Smart gilt seit Jahren als "Arbeitsmesse". Sie ist eigentlich mehr Netzwerkevent als Messe. Der heimische "Stammtisch der Automatisierungsbranche" hat Charme, sicher. Aber dieser Charme erreicht nicht jeden. Dennoch differenziert sich Linz damit gut von der Wiener Edition "Smart Automation Austria", die heuer im Mai zusammen mit der Intertool und neuem Digitalisierungs-Format C4I gastiert. Würde Reed also nach Wels gehen, läuft der Veranstalter Gefahr sich mit Wien zu kannibalisieren. Abgesehen davon, ist für jeden Veranstalter eine Messe mit Ausstellerwarteliste das "Non-Plus-Ultra". 

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Das Lead-Argument

Dass mehr Parkplätze und größere Hallen allein aber nicht ausreichen werden, weiß Limbeck. Sein drittes Argument "Lead-Generierung" ist zwar kein neues, aber durchaus verlockendes. So spricht Limbeck von immerhin 10.000 Fachbesuchern in Wels. Im Vergleich: Die Linzer Smart hatte 2017 rund 7.300 Besucher. Indem er also mehr Ausstellern Platz gibt, können diese wiederum mehr Besucherakquise betreiben. Tickets sollen übrigens gratis sein. Fast. Denn der Besucher wird gebeten mit seinen persönlichen Daten zu bezahlen. Diese Daten sollen dann - natürlich nur mit Zustimmung des Fachbesuchers - auch an Dritte weitergegeben werden dürfen. Für die Aussteller ein verlockendes Mittel Leads zu generieren. Datenschutzrechtlich aber eine heikle Sache. Auf Anfrage von FACTORY hat sogar die Rechtsabteilung der SPS IPC Drives in Nürnberg davon abgeraten. Weil im Grunde jeder Fachbesucher für jeden Aussteller einzeln zustimmen müsste, ob dieser seine Daten haben darf.  Das heißt aber nicht, dass es unmöglich ist. Limbeck muss nur einen Weg finden, der rechtlich wasserdicht ist.

Key Player reagieren teils kritisch...

Im Moment ist Matthias Limbeck also auf Stimmenfang für sein IA4X-Konzept. Seit März touren er und sein Team durch Österreich und holen sich die Meinungen der Key Player ein. Schlussendlich sind es Unternehmen wie Siemens, Festo, Rittal, Beckhoff, Phoenix Contact, Sick, Pilz u.Ä. die über das Schicksal der IA4X entscheiden werden. Auf Anfrage von FACTORY reagierten diese durchwachsen. Keiner wolle es so schnell mit einem neuen Veranstalter wagen. "Matthias Limbeck hat zu wenig Personal, zu wenig Kapitel, zu wenig Marketingmacht", hieß es von einem heimischen Automatisierer. Für Limbeck eine unfaire Kritik. Er kontert:  "Wir sind ein sechsköpfiges Projektteam mit mehr als 50 Jahren direkter Erfahrung im Messewesen und Marketing für Messen. Zu wenig Kapital ist auch falsch, immerhin handle es sich um ein "Joint Projekt" mit vielen Partnern." Marketingmacht gäbe es von der Messe Wels, "denn die hat absolutes Interesse daran, dass das Projekt ins Laufen kommt", versichert Limbeck. Ein anderer Branchenprimus distanzierte sich von der neuen Messe mit der Aussage "Die Smart sei eine Marke, die funktioniert." Limbeck: "Das stimmt, aber diese Marke schöpft ihr Potential nicht aus. Die IA4X soll mehr Nutzen für die Industrieautomatisierung gestalten."

...aber halten sich alle Optionen offen

Namentlich genannt werden wollte von den befragten Key Playern übrigens keiner, was darauf schließen lässt, dass sie noch nicht bereit sind eine endgültige Entscheidung zu treffen. Das deckt sich mit weiterer Recherche von FACTORY, denn einige standen Limbecks Idee offener gegenüber, zumal sie das Linzer Platzproblem schon lange nerve und Reed mit zu wenig neuen Ideen komme. Letzteres wird wohl auch über den Erfolg oder Misserfolg der IA4X entscheiden. Wenn Limbeck es schafft, neue Formate zu etablieren, könnte diese Messe durchaus Erfolg haben. Dafür muss er aber jene Themen abgreifen, die der Industrie am Herzen liegen und diese in griffige Content-Konzepte umwandeln. Themenspezifische Vortragsreihen mit Top-Speakern inmitten der Messe könnten funktionieren, sind aber alter Wein in neuen Schläuchen. Das hat jede Messe.

Ende Mai soll sich das Schicksal der IA4X entscheiden. Dann werden die Key Player ihre Zustimmung geben oder nicht. Wie auch immer dieses Spiel ausgeht, Österreichs Industriemesselandschaft kann davon nur profitieren. Scheitert das Konzept von Limbeck, muss Reed bald seine Hausaufgaben in Linz erledigen. Auf Limbeck könnten nämlich andere folgen. Auch ein Easyfairs-Messeveranstalter hält nach wie vor die Augen offen. Und hat Limbeck Erfolg, dann wird 2019 ein sehr spannendes Messejahr werden. (eb) 

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