Christian Eberhardt-Motzelt ist gelernter Werkstofftechnologe und Betriebswirt. Spezialisiert auf Investitionsgütermarketing mit Schwerpunkt Vertrieb beratungsintensiver Leistungen. Nach Funktionen im Engineering, Vertrieb, Einkauf und Produktmanagement unter anderem bei Schaeffler betreut er als Teil der Zwick Roell Gruppe nationale Leitbetriebe und internationale Weltmarktführer. Von der Materialentwicklung bis zur Qualitätssicherung.

Christian Eberhardt-Motzelt

Haben Sie genug Geschäftsmodelle um zu überleben?

Auf wie vielen Geschäftsmodellen fußt Ihr Unternehmen? Kann es sich immer noch fortbewegen, wenn Ihr Wettbewerb Ihnen einen Fuß abtrennt?

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Bei der Vielzahl an Möglichkeiten steigt der Bedarf nach systematischer Modellierung, Simulation, Visualisierung und Bewertung von Geschäftsmodellen.

Was haben Unternehmen wie AEG, Grundig, Nixdorf Computers, Triumph, Brockhaus, Agfa, Kodak, Quelle, Otto und Schlecker gemeinsam? Richtig, sie sind verschwunden oder dabei zu verschwinden. Sie haben es nicht geschafft ihre Innovationsstärken zu vermarkten, weil sie ihre bisherigen Geschäftsmodelle nicht an sich ändernde Umstände anpassten. Wie lässt sich so etwas vermeiden? Indem Sie Ihr Unternehmen für verschiedene Geschäftsmodelle sensibilisieren. Der industrielle Fokus liegt viel zu oft auf Leistungsinnovationen (Produkt- oder Serviceoptimierung), Prozessinnovationen (Effizienzsteigerung), Marktinnovationen (bestehende/neue Produkte in neue/bestehende Märkte) oder vereinzelt Sozial-Innovationen (Veränderungen der Personal- und Organisationsbereiche). Viel zu selten konzentriert man sich auf Geschäftsmodell-Innovationen. In einer Diskussions-Runde unter Bekannten wurde auch uns das schmerzlich bewusst. Aber wir fanden Orientierung.

55 Geschäftsmodelle im Überblick

Der St. Gallen Business Model Navigator bietet in einem Umfang von 15 Seiten eine kompakte Übersicht über 55 erfolgreiche Geschäftsmodelle. Neben der Erläuterung der Grundzüge werden für jedes Modell mehrere praktizierende Unternehmen angegeben. Diese bieten Inspiration, Erfolgsnachweise und eröffnen möglicherweise Partnerschaften, an welche bisher nicht gedacht wurde. Doch wie lassen sich multivariable Modelle zueinander bewerten und das beste wählen?

Systematische, softwareunterstützte Geschäftsmodelle

Bei der Vielzahl an Möglichkeiten steigt der Bedarf nach systematischer Modellierung, Simulation, Visualisierung und Bewertung von Geschäftsmodellen. Die Anzahl der verfügbaren Geschäftsmodell-Software Lösungen steigt laufend. Zwar unterscheiden sich die Anbieter im Verständnis des Geschäftsmodellbegriffs und dem Umfang der angebotenen Funktionalitäten teils massiv. Dennoch lassen sich mit diesen Erfolgswahrscheinlichkeiten und relative Attraktivität von Geschäftsmodellen zueinander ermitteln. Einige praxisbewährte Lösungen: Business Model Canvas Module, Phase 2 Generator, Software Business Model Wizard, Strategyzer, Unternehmerheld, Visual Business Model Designer, Innovator Enterprise Modeling Suite und runpat– smarter business models, um nur einige zu nennen. 

White Paper zum Thema

„Trash to cash“: Wie aus 111 Coca-Cola Flaschen 390 Euro werden

Ein Praxisbeispiel: Das amerikanische Unternehmen Emeco verwendet für seinen „Navy 111“-Stuhl 111 Coca Cola Flaschen. Die Einstandskosten für das Rohmaterial bzw. Recyklat werden dem Traum vieler Einkaufsorganisationen – „low-to-no purchase prices“ – gerecht. Die Kombination eines global agierenden Konzerns mit nahezu unerreichter Werbereichweite, einem auf umweltschonender Kreislaufwirtschaft basierendem Geschäftsmodell und extremer Wertsteigerungsfaktoren lassen Emeco erblühen. Auch hierzulande finden wir derartige Erfolgsgeschichten. Sechs Millionen ausrangierte Kühlschränke werden jährlich durch BAGE Plastics zu Rezyklaten für Extrusion- und Spritzgussanwendungen verarbeitet.

Beschriebene Orientierungs- und Bewertungssystematiken halfen zumindest unserer Runde sich dem komplexen Thema umfassender anzunehmen. Ich hoffe auch Ihnen mit dieser Kolumne einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben. 

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