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Fünf Stärkefelder der EMO Hannover 2017

Die EMO 2017 wirft ihre Netze aus: Wenn die Megamesse der Metallbearbeitung über die Bühne geht, wird Hannover nicht nur zum Showdown für High-Tech-Produkte, hier rückt die Vernetzung der kompletten Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt.

Von
EMO Hannover Metallbearbeitung Paul Horn

Nach vierjähriger Pause wieder am Start: Die EMO Hannover als Drehscheibe einer zum Vorwärtswillen erwachten Branche.

Die Spannung ist zum Greifen nahe. Auf den Websites der Aussteller laufen die Ticker bereits nach unten. Sie zählen nicht nur Tage, nein – auch Stunden, Minuten und sogar Sekunden. „Die Aussteller fiebern der EMO entgegen und bringen ganz konkret ihre Neuheiten auf die EMO. Das findet man sonst auf keiner Messe“, beschreibt Carl Martin Welcker, EMO Hannover-Generalkommissar, den Charme der Leitmesse für die Metallbearbeitung. Auch die Besucher scharren schon in den Startlöchern. Häppchenweise bekommen sie schon Informationen: da eine vernetzte Steuerung, dort ein innovatives Hochleistungwerkzeug, hier ein neuer Roboterarm und natürlich ganz viel Software.

Doch was können sich die Besucher unterm Strich erwarten? Neu ist heuer, dass die Betriebe nicht nur neue Produkte präsentieren, sondern sich immer stärker als Dienstleister positionieren: Sie wollen ihren Kunden den Weg in die Industrie 4.0 zeigen. Es geht um Lösungen, nicht um einzelne Anlagen. Es geht darum, wie Produktionsprozesse schneller, besser und kostengünstiger gemacht werden können. Und die Antworten sind oft keine einfachen, meist bedeuten sie einen Strukturwechsel für die Unternehmen. So steht bei der Industrie 4.0 die Vernetzung der gesamten Prozess- beziehungsweise der kompletten Wertschöpfungskette im Zentrum der Überlegungen. „Deshalb lautet das Motto der Messe in diesem Jahr: ‚Connecting Systems for intelligent Production‘“, so Welcker. Gespiegelt in fünf Stärkefelder der EMO.

Simon, Eickolt © Kern Microtechnik

"Besonders an der EMO ist das unbeschränkte Angebot. Hier können sich Fachbesucher einen umfassenden Überblick verschaffen und sind deshalb oft bereit Entscheidungen zu treffen. Nicht zuletzt deshalb ist die EMO für uns ein Muss.“ Simon Eickholt, Vertriebsleiter Kern Microtechnik

White Paper zum Thema

1. Drucker, die innovieren

Es ist eine der spannendsten Entwicklungen unserer Zeit: Der 3D-Druck ist mit vielen Erwartungen gekoppelt. Doch werden diese auch in näherer Zukunft erfüllt – gerade, was die Metallbranche angeht? Einen Einblick in den Status quo der Forschung bekommen EMO-Besucher beim VDMA-Kongress „Chancen und Perspektiven additiver Fertigung“ am 20. September. Kapazunder von Trumpf, Hermle und anderen Big Playern werden dort erzählen, wo sie beim additive Manufacturing stehen und wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird. Wer nicht gleich einen Kongress besuchen will, bekommt auch bei den Messeständen viele Infos – wie zum Beispiel bei Stand D46 in Halle 27. Dort zeigt Trumpf, was alles möglich ist bei der Laser Metal Fusion (pulverbettbasiertes Laserschmelzen) und der Laser Metal Deposition (generatives Laserauftragschweißen). Anhand von Bauteilen und Fällen aus der Praxis  – beispielsweise Werkzeugmaschinenkomponenten oder Anwendungen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt – wird gezeigt, wie der 3D-Druck gewinnbringend in den klassischen Fertigungsprozess integriert werden kann.

2. Roboter, die kollaborieren

Ob Montageroboter, Messroboter oder Schweißroboter: Auf der EMO sieht man das Neueste vom Neuesten in Sachen Robotik. Und natürlich bekommt man alles, was man sonst noch für den Robotereinsatz benötigt. Das Angebot fängt bei Schutzeinrichtungen an, geht über Bearbeitungswerkzeuge für Industrieroboter bis hin zur Robotersteuerung. Interessant sind beispielsweise die Cobots beim Stand von Alicona (Halle 6, Stand 42). Darunter befindet sich ein Sechs-Achsen-Roboter mit optischem 3D-Messsensor, der unter Produktionsbedingungen wiederholgenaue und rückführbare Messungen in hoher Auflösung liefert. Das System lässt sich in eine bestehende Fertigungslinie integrieren – und besticht durch intuitive Bedienung ohne Messtechnikvorkenntnisse.

Apropos Messungen: Sie sind in der Robotik selbst natürlich auch ein wichtiges Thema. Eine neue Software-Lösung dafür kommt aus dem Hause Metrologic. Das französische Unternehmen wird auf der EMO die – nach eigenen Angaben – „innovativste integrierte Messroboterlösung in den neuen Produktionslinien der Messtechnik“ präsentieren. Das System besteht aus dem tragenden Roboter, kombiniert mit einem integrierten optischen Hochleistungsscanner – und einer „All-In-Software“, die alle Roboterbewegungen perfekt aufeinander abstimmt. Zu sehen in Halle 6, Stand A60.

3. Daten, die wissen

Immer mehr Daten, Daten, Daten. Und die müssen natürlich irgendwo hin. Und sie müssen genutzt werden. Deshalb nimmt die Cloud eine zentrale Rolle in der Industrie 4.0 ein. Sie soll Prozesse automatisieren und effizienter machen. Wie das in der Praxis umgesetzt werden kann, steht unter anderem beim Stand des Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (Halle 25, Stand B60) im Mittelpunkt. Gezeigt wird dort eine „smarte Systemoptimierung, die Fehler in verketteten Produktionsprozessen erkennt und ihre Ursachen sowie die Fortpflanzung automatisiert aufzeigt“, wie Fachthemenleiter Felix Georg Müller erklärt: „„Mit der smarten Systemoptimierung erfolgt eine technisch detaillierte und zugleich automatisierte Auswertung von Stillstandsursachen und Fehlerzusammenhängen in einer Produktionslinie. Sobald die Produktion läuft, werden aus allen Prozessschritten zeitsynchron Daten an ein Analysetool übermittelt.“

EMO © Deutsche Messe

Eile mit Weile: Um die smarten Hingucker der EMO zu verstehen, mit denen die Aussteller diesmal auftrumpfen wollen, benötigt es mitunter ein wenig Zeit.

In Halle 25 wird Ihnen aber noch mehr geboten: nämlich ein Blick in die Kristallkugel. Auf der Sonderfläche „Industrie 4.0 Area“ stellen Fraunhofer- und universitäre Forschungsinstitute der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik neueste Entwicklungen zur vernetzten Produktion vor. Unaussprechlich, aber umso spannender ist beispielsweise das Projekt „BaZMod“. Dahinter verbergen sich Lösungen für den standardisierten Daten- und Energieaustausch zwischen smartem Werkzeug und der Produktionsumgebung. Denn bisher wurden Schnittstellen zwischen intelligentem Werkzeug und Maschinensteuerung herstellerindividuell ausgeführt, mit „BaZMod“ soll sich das künftig ändern.

4. Werkzeug, die sprechen

Präzisionswerkzeuge stehen seit jeher im Zentrum des Interesses bei der EMO. Die Werkzeuge von morgen sind aber nicht nur präzise, sondern intelligent. Sie messen, übermitteln Daten und optimieren die Fertigung. Mittels Sensorik sollen Algorithmen Rückschlüsse auf Bearbeitungsparameter ziehen und Steuerungen entsprechend regeln. „Im Idealfall müssen keine Vorschub- und Zustellwerte mehr in die Steuerung eingegeben werden, sondern das Werkzeug sendet permanent Informationen zum Zustand. Die Steuerung regelt entsprechend“, sagt Markus Kannwischer von der der werkzeugherstellenden Paul Horn GmbH. Auswirkungen werde dies auch auf die Bereiche Service und Wartung haben: „Künftig werden Werkzeugdaten über den gesamten Lebenszyklus erfasst. Das betrifft insbesondere Werkzeuge, die nachgeschärft oder nachbestückt werden." In diesen Fällen sollen dann alle relevanten Geometriedaten in die Cloud wandern, die Werkzeugbegleitkarte werde dann überflüssig. Bis die Werkzeuge dann tatsächlich zu uns sprechen werden, dürfte es noch ein wenig dauern – aber wer weiß, was auf der EMO noch alles präsentiert wird!

Martin, Winterstein © Liebherr-Verzahntechnik

„Technologieseitig ist die EMO der wichtigste Benchmark für unsere Branche. Die Dichte an Innovationen um die mechanische Fertigung wird so von keiner anderen Messe erreicht.“ Martin Winterstein, Leiter Globales Business Development Liebherr-Verzahntechnik

5. Simulationen, die optimieren

Mehr als 200 Aussteller werden bei der EMO ihre neuesten Software-Lösungen vorstellen. Zu viele, um sich alle einzeln anzusehen. Und natürlich zu viele, um alle vorstellen zu können. Wir konzentrieren uns deshalb auf jene, die sich auf das Thema Simulationen spezialisiert haben – wie die 3D-Simulationsplattform von Dualis (Halle 25, Stand C25). Mit ihr lässt sich in die eigene Fabrik von morgen blicken: Die Software simuliert den kompletten Prozess – vom Materialfluss bis zum Robotereinsatz und der Anlagenplanung. „Durch die Abbildung der Prozesse und deren Analyse können Anlagen und Produktionslinien vor dem Bau beziehungsweise vor der Inbetriebnahme im Detail geprüft werden. Dies spart Kosten und Zeit und gleichzeitig werden die neuartigen Anwendungsszenarien, die die Produktion 4.0 hervorbringt, transparent und kalkulierbar“, sagt Geschäftsführerin Heike Wilson.

Wer von der Zukunft nicht genug bekommen kann, sollte gleich weiter zu Stand D01 in Halle 25 geben. Dort wird die Solidline AG ihre Entwicklungen rund um die numerische Strömungsmechanik präsentieren. Konkret handelt es sich dabei um eine Simulationssoftware, mit der Produktinnovationen beschleunigt werden sollen. Produktentwicklern wird damit ein Werkzeug in die Hand gegeben, mit dem sie beispielsweise Druckverlust, Komfortparameter, Strömungskräfte oder Fluid-Interaktion mit der Struktur direkt während der Konstruktion bestimmen können. Ebenfalls um Simulationen geht es in Halle 25 auch bei Stand A08: Dort wird die Open Mind AG erstmals ihre NC-Code-basierte Maschinensimulation „hyperMILL Virtuell Machining Center“ inklusive Live-Bearbeitungen vorstellen.