Weiterbildung

Fünf Fragen zu Entrepreneurship und Intrapreneurship

Was ist ein Intrapreneur und wie entwickelt ein etabliertes Unternehmen eine Start-up-Kultur? Mario Kwas, Studiengangsleiter an der FH Wiener Neustadt, im Interview.

FH Wiener Neustadt Aus- und Weiterbildung

"Der Entrepreneur ist Forscher, Ideenbringer, Problemlöser, Geschäftsmodell- & Produktentwickler, Unternehmensgründer und vor allem ein großer Visionär." Mario Kwas

Mario Kwas ist Studiengangsleiter für den Masterstudiengang Entrepreneurship & Applied Management an der Fachhochschule Wr. Neustadt. FACTORY hat sich mit ihm über Entrepreneurship und die „Innovation von innen“ unterhalten.


FACTORY: Was unterscheidet den Entrepreneur vom Manager? 
Marion Kwas: Ein Manager verhilft einem bereits existierenden Geschäftsmodell, Produkt oder einer Dienstleistung zu einem Wachstum und ist dafür verantwortlich es aufrechtzuerhalten und zu verwalten. Der Entrepreneur hingegen ist eine Persönlichkeit und unterscheidet sich in vielen Aspekten zum angestellten Manager. Einer dieser Unterschiede ist, dass der Entrepreneur auch das volle Risiko seiner Handlungen trägt und der Manager „nur“ insofern als dass er seinen eigenen Job riskiert – und genau diese Risikobereitschaft ist der Treibstoff für außergewöhnliche Handlungen, die ein Entrepreneur vollbringt. Der Entrepreneur ist Forscher, Ideenbringer, Problemlöser, Geschäftsmodell- & Produktentwickler, Unternehmensgründer und vor allem ein großer Visionär. Selbst Manager in hohen C-Level Positionen neigen dazu das Unternehmen zu verlassen, um zur Konkurrenz zu wechseln – das würde beispielsweise ein Entrepreneur wie Elon Musk und viele andere niemals tun. 


Welches Know-how vermitteln Sie künftigen Managern von KMUs?
Kwas: In unserem Studiengang an der FH Wr. Neustadt bilden wir die Studierenden aus, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Es gibt jedoch viele MitarbeiterInnen aller Hierachistufen, die gerne unternehmerisch aktiv sein möchten, aber aus verschiedenen Gründen kein eigenes Unternehmen gründen wollen oder ein Studium absolvieren können. Aus diesem Grund habe ich gemeinsam mit Dr. Gernot Hutter das Institut für Intrapreneurship gegründet, um eine Ausbildung zum Intrapreneur, also zum Unternehmer im Unternehmen, anzubieten. 
Nachdem diese MitarbeiterInnen ihr Unternehmen und die DNA sehr gut kennen, schulen wir sie mit diesem Hintergrundwissen neue Geschäftsideen zu entwickeln, um daraus Wachstum für ihren Arbeitgeber zu ermöglichen. Für diese „Innovation von innen“ braucht der Intrapreneur aber andere Kompetenzen als der Entrepreneur. Es geht zB darum, Ressourcen sicherzustellen, ein geeignetes Team zusammenzustellen oder sich gegen das „interne Immunsystem“ erfolgreich zu wehren. Die Kernaufgabe des klassischen Intrapreneurs ist es, für die Zukunft laufend neue Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen.   Unsere Ausbildung fokussiert sich auf die nötige Entwicklungs- und Umsetzungskompetenz. 

White Paper zum Thema

NL, Aufsteiger © Fotolia/FACTORY


Was ist Corporate Entrepreneurship?
Kwas: Corporate Entrepreneurship ist unternehmensorientiert – das bedeutet, dass das ganze Unternehmen auf unternehmerisches Handeln ausgerichtet wird, um die Zukunftsfähigkeit zu stärken. Es wird eine organisatorische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit angestrebt, um daraus Wachstum und zukünftige Wettbewerbsvorteile zu generieren. Die dafür maßgeblichen Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Umsetzungsstärke, Flexibilität, Agilität, Proaktivität und Risikobereitschaft beeinflussen in hohem Maße den künftigen Unternehmenserfolg. Corporate Entrepreneurship leitet einen positiven Wandel der Unternehmenskultur ein. Mitarbeiter werden motiviert, unternehmerisch zu denken und zu handeln und sich so einer flexibel agierenden Start-up-Kultur anzunähern. Eine sinnvolle Ergänzung zu Corporate Entrepreneurship ist die Einführung von Intrapreneurship, das sich nicht auf das Unternehmen, sondern auf die Menschen konzentriert. Diese Kombination stellt eine sinnvolle win-win Situation dar. Einerseits passt sich das Unternehmen an die veränderten Marktbedingungen an, andererseits schafft es eine ideale Umgebung für MitarbeiterInnen, um sich kreativ entfalten zu können. Unternehmen müssen begreifen, wie wichtig dies speziell für heranwachsende Generationen ist die aktuell auf den Arbeitsmarkt drängen, denn unter diesen jungen Leuten ist der Selbstverwirklichungsdrang noch viel stärker ausgeprägt als bei vorherigen Generationen.


Welche Kompetenzen braucht es am Markt? 
Kwas: Es geht vor allem um das unternehmerische Mindset und um die Fähigkeit, eine Idee effizient zu entwickeln und profitabel umzusetzen. Als Beispiele unserer Lehre kann ich hier das Storyboarding nennen, um visionären Denken anzuregen, Prototyping ist eine sehr gute Methode, um Kundenresonanz zu gewinnen, und das Business Model Canvas bzw. der St. Gallner Business Model Navigator sind gute Möglichkeiten, um eine Idee bzw. ein Vorhaben zu kommerzialisieren. Es gibt aber noch viele andere gute und hervorragende Methoden, die wir an unsere Studierenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben können.


Corona, nicht gerade die Zeit in der man an Gründung denkt, oder? Welche Argumente sprechen trotzdem für Ihren Studiengang?
Kwas: Das kommt ganz darauf an, welches Geschäftsmodell die- oder derjenige im Kopf hat. Ich nehme wahr, dass auch jetzt Unternehmen gegründet werden, die ihr Geschäftsmodell auf Digitalisierung oder auf den Schutz vor Coronaviren ausgerichtet haben. Als Beispiel: Ich betreue aktuell mehrere Projekte, die sich an die aktuelle Zeit anpassen und das macht eben genau diesen Entrepreneurship-Spirit aus. 


Weiterführende Links
Masterstudiengang Entrepreneurship & Applied Management
Institut für Intrapreneurship