Dampferzeugung

Fresnex: Start-up erobert mit Solardampf Industrie

Indem Spiegelstreifen Solarstrahlen auf ein mit Wasser gefülltes Rohr konzentrieren, produzieren die Anlagen des niederösterreichischen Start-ups Fresnex Wasserdampf mit bis zu 250 Grad. Eine Technologie, die gerade das Interesse von Industriebetrieben weckt. Sparen sie sich damit rund 30 Prozent ihrer Energiekosten.

Fresnex FH Wels Ecotherm Produktion Start-up Sonnenenergie

Demoanlage: Zusammen mit der Firma Ecotherm installierte das Start-up Fresnex ein solares Dampfsystem. Während am Dach der FH Wels noch Thermoöl zum Einsatz kommt, wird hier bereits direkt Dampf erzeugt.

Mit Solarenergie zu Wasserdampf für industrielle Anwendungen? Noch unbekannt. Allerdings nicht für ein Start-up aus Niederösterreich. Fresnex könnte damit bald den ganz großen Wurf gelingen. Rund zwei Jahre haben die Fresnex-Gründer Hartmut Schneider und Denis Miklau entwickelt, bevor der erste Prototyp getestet werden konnte. Dieser ist heute am Dach der FH Wels montiert. „Bei dieser Technologie ist die Lagerung der Spiegel die Achillesferse“, erklärt Miklau. „Sie muss sensibel genug sein, um die Spiegel perfekt auf den Sonnenstand auszurichten, und robust genug, um Stürmen standzuhalten.“ Die intelligente Lösung dieser beiden Aufgaben hat sich Fresnex patentieren lassen.

Sicher bei Sturm, leistungsstark bei Sonne

Um die Angriffsfläche für den Wind gering zu halten, sind die Spiegelstreifen unter 100 mm breit, dafür aber 2,8 Meter lang. Insgesamt 54 Spiegel sind in ein Fresnex-Paneel gepackt, jeweils 27 zu beiden Seiten des zentralen Antriebs. Dieser richtet die Spiegel aus und schwenkt diese im Lauf des Tages um 80 Grad. „Ab etwa 500 m2 Spiegelfläche ist eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung möglich“, sagt Miklau. Während an der Anlage in Wels, die mit Thermoöl statt Wasser betrieben wird, seit zwei Jahren geforscht wird, hat Fresnex die Serienproduktion aufgebaut. Gemeinsam mit der Firma Ecotherm haben sie dort eine 200m² Demoanlage installiert.

FH, Wels, Fresnex © Wolfgang Simlinger

Erfolgreicher Prototyp: Ökoenergie-Pionier und FH-Professor Rudolf Kraft inspiziert mit Fresnex-Entwicklungsingenieurin Sonja Mitsch den ersten Prototypen am Dach der FH Wels.

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Unabhängig vom Ölpreis, sofort rentabel

In Wiener Neudorf hat das Start-up-Unternehmen mittlerweile die logistischen Voraussetzungen für den sofortigen Markteintritt geschaffen. „Wir können jeden Tag zwei Paneele montagefertig assemblieren“, konkretisiert Entwicklungsingenieurin Sonja Mitsch. „Die Paneele werden aufeinander gestapelt per LKW geliefert, vor Ort aufs Dach gehoben und sind auf praktisch allen gängigen Industriedächern unkompliziert zu montieren.“ Binnen fünf Monaten ist eine 600 m2 große Anlage von der Bestellung über die Produktion bis zur Montage einsatzbereit. Trotz niedrigem Ölpreis und dank Förderungen rechnen sich die Anlagen auch in Österreich. „Unser Zielmarkt ist aber der sogenannte Sonnengürtel der Erde. Also das südliche Europa und Länder wie Südafrika, Chile und der Süden der USA“, konkretisiert Mitsch. Dort seien Fresnex-Paneele sofort und jederzeit – also ohne Förderung und unabhängig vom Ölpreis – rentabel.

Pasteurisieren, reinigen, aufschäumen

Aber auch Oberösterreich mit seiner industriellen Vielfalt lockt die Niederösterreicher. Erstaunlich groß sind dabei die Einsatzgebiete von Wasserdampf. „Mit Wasserdampf wird Milch pasteurisiert, werden Arbeitsgeräte gereinigt oder EPS-Kunststoffe für die Fassadendämmung aufgeschäumt“, nennt Mitsch einige Beispiele. Brauereien, Lebensmittelproduzenten oder die gesamte chemische Industrie setzen Dampf als Wärmeträger in verschiedensten Prozessen ein. „Deshalb ist unser System auch so konzipiert, dass es jederzeit unkompliziert mit bestehenden konventionellen Dampferzeugungsanlagen gekoppelt werden kann“, sagt Mitsch.