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Forklift: Ein neuer Nebenbuhler für Staplerhersteller?

ZF, der zweitgrößte Automobilzulieferer weltweit hat einen Gabelstapler entwickelt, der Mechanik mit der digitalen Welt optimal zu vernetzen versteht. Ein potenzieller neuer Mitbewerber für Linde, Still und Co?

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Logistik ZF Friedrichshafen Produkt Stapler

ZF Innovation Forklift: Der zweitgrößte Automobilzulieferer hat einen intelligenten Gabelstapler entwickelt. Derzeit finden Gespräche mit potenziellen Interessenten statt, doch zu kaufen gibt es den Stapler noch nicht.

Ein Elektro-Gabelstapler, der sieht, denkt und handelt? Zumindest auf der Hannover Messe war er in puncto Innovation ein echtes Highlight. Vor allem weil er von einem Branchenneuling kommt. Ausgerechnet der weltweit zweitgrößte Automobilzulieferer und Spezialist im Bereich Fahrwerk- und Antriebstechnik, ZF im deutschen Friedrichshafen ist der Erfinder des „ZF Innovation Forklift“. Der Stapler wurde in der Division Industrietechnik entwickelt und zeigt eindrucksvoll wie sich das Know-How von ZF in der Antriebs- und Fahrwerktechnik auch auf Stapler übertragen lässt. Bei diesem Fahrzeug hat ZF erstmals einer Material-Handling-Anwendung das Denken, Sehen und Handel beigebracht. Das Ergebnis ist ein Gabelstapler mit hochautomatisierten Funktionen, der seine Umgebung über Kamera und Radarsysteme wahrnimmt. Eine Verbindung von klassischer Mechanik mit der digitalen Welt von heute also. Alle erzeugten Daten werden von dem Zentralcomputer ZF ProAI auf der Basis künstlicher Intelligenz-Software ausgewertet, die sich bereits bei Pkws bewährt hat. „Unsere Innovation Forklift zeigt, wie der Bereich Material Handling von den Megatrends Vernetzung und künstliche Intelligenz profitiert“, betont Mark Mohr, Leiter von Automated Operations bei ZF.

Stapler gibt es noch nicht offiziell zu kaufen

Seit 1994 entwickelt und produziert das Unternehmen schon Achsen und Getriebe für Diesel- und Elektro-Stapler. Der Forklift ist jetzt das erste Innovationsprojekt, das im Verbund mit anderen Fahrzeugen in der ZF-Produktion zum Einsatz kommt. Für die Messebesucher war das neue Ding jedenfalls ein Objekt der Begierde: „Unser Fahrzeug fand große Beachtung, weil es die Vernetzung mit künstlicher Intelligenz ermöglicht”, so ZF-Sprecherin Cornelia Urlhardt gegenüber Factory. Derzeit finden Gespräche mit potenziellen Interessenten statt, doch zu kaufen gibt es den Stapler noch nicht.

Intelligente Objekt- und Fußgängererkennung

Der ZF Innovation Forklift bewegt sich dank seines extrem leistungsfähigen Elektroantriebs, der mit einer Hublast von bis zu 3,5 Tonnen in den Bereich der heute noch im Outdoor-Einsatz weitverbreiteten dieselgetriebenen Stapler vorstößt, emissionsfrei. ZF liefert den rein elektrischen Antrieb als Systemlösung und hat das Energiemanagement des Staplers so optimiert, dass eine Batterieladung mindestens eine Schicht vorhält. Anwender müssen daher weniger Wechselbatterien bereitstellen und können auf diese Weise deutlich Kosten sparen. Eine intelligente Objekt- und Fußgängererkennung ist ein Plus an Sicherheit im Betrieb. Denn die Sensoren des ZF Innovation Forklift erfassen Personen oder stehende Hindernisse wie Gitterboxen oder Paletten. Die Dateninterpretation auf dem KI-Zentralsteuergerät ZF ProAI führt zu einem entsprechenden Befehl an das Fahrzeug zum sofortigen Stopp oder Umfahren des Hindernisses. Dabei helfen Deep-Learning-Algorithmen, die große Zahl von möglichen Szenarien in hoher Geschwindigkeit zu antizipieren und adäquate Reaktionen auszuüben. Künstliche Intelligenz hilft also dabei, Arbeitsunfälle und Personen- oder Materialschäden zu vermeiden.

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Fahrzeug kann selbständig Aufträge priorisieren

Auch kann das Fahrzeug selbständig Aufträge priorisieren und so über die optimale Reihenfolge und Route entscheiden. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die digitale Vernetzung. Er kann in einen digitalisierten Fertigungsverbund agieren und dort sowohl mit dem Warenwirtschaftssystem als auch mit der Infrastruktur und weiteren Fahrzeugen kommunizieren. Das cloudbasierte, dynamische Flottenmanagement erlaubt es, die Daten der einzelnen Gabelstapler effizient zu verwalten und auszuwerten. Das System berücksichtigt beispielsweise bei allen Fahrten den aktuellen Ladezustand der Batterie und plant den Aufladezeitpunkt, an dem der Stapler selbständig die Ladestation ansteuert. Die automatisierten Funktionen werden durch eine elektromechanische Lenkung, die eine hydrostatische Lenkung ersetzt, unterstützt. Das bringt im Betrieb weniger Energieverbrauch von rund zehn Prozent. 

Offene, skalierbare IoT-Plattform

Bei den aktuellen Themen wie Data Management und Data Analytics ist die Vernetzung verschiedenster Systeme in einer IoT-Plattform eine wesentliche Grundlage der Industrietechnik von morgen. Mit der ZF Cloud hat ZF eine offene, skalierbare IoT-Plattform entwickelt, die sich industrieübergreifend flexibel einsetzen lässt. Sie bietet die Möglichkeit, Daten zu sammeln, mit höchst leistungsfähigen Analysetools in Echtzeit auszuwerten und eine Vielzahl einzelner Funktionen und Teilnehmer zu vernetzen. Zu den ersten Anwendern der ZF Cloud zählen beispielsweise Seilbahnbetriebe, die mittels vorausschauender Planung von Wartungsarbeiten Ausfälle vermeiden. In. Nutzer der ZF Cloud können externe Informationen einbeziehen und sie auf einem geschützten Bereich speichern. Auch die ZF-eigene Telematikplattform Openmatics ist mit der ZF Cloud vernetzt.