Hochleistungsrechner

EU investiert bis 2020 eine Milliarde Euro in Supercomputer

Die leistungsstärksten Supercomputer stehen bisher vor allem in China und den USA. Das will die EU-Kommission jetzt ändern und investiert über zwei Jahre hinweg eine Milliarde Euro. Ein Witz, meinen Kritiker.

EuroHPC IT EU Cyber Security Big Data

Motor der digitalen Wirtschaft: Brüssel investiert eine Milliarde Euro in Hochleistungsrechner.  

Die leistungsstärksten Supercomputer stehen bisher vor allem in China und den USA - jetzt will die EU-Kommission den Bau eines Hochleistungsrechners von Weltrang auf den Weg bringen. Bis 2020 soll dafür eine Milliarde Euro investiert werden, wie die Kommission am Donnerstag mitteilte. Der Schritt sei "entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der EU und ihre Unabhängigkeit in der Datenwirtschaft". "Supercomputer sind der Motor der digitalen Wirtschaft", erklärte der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vize-Präsident der Kommission, Andrus Ansip. "Die EU muss in diesem harten Rennen aufholen, denn wir haben noch keine Supercomputer in der weltweiten Top-Ten-Liste."

Investition sei ein Witz

Das bringt Kritiker auf's Tablett. Zumal große Konzerne viele Milliarden Dollar ausgeben, um in Sachen KI voranzukommen. 2016 investierten Google Apple und Amazon in den Vereinigten Staaten oder Baidu und Alibaba in China zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar. Dies ergab eine Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey. 

Keine Daten mehr außerhalb der EU verarbeiten

Der EU gehe es bei dem Supercomputer vor allem darum die immer größer werdenden Datenmengen zu verarbeiten. Der Kommission zufolge können die Hochleistungsrechner in vielen verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen - von der Gesundheitsversorgung über erneuerbare Energien bis hin zur Cybersicherheit. Derzeit müssten europäische Wissenschafter und Unternehmen ihre Daten außerhalb der EU verarbeiten, weil die verfügbaren Rechenzeiten in der EU dafür nicht ausreichten, erklärte die Kommission. Dieser Mangel an Unabhängigkeit sei "ein Risiko für die Privatsphäre, den Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und das Dateneigentum, insbesondere bei sensiblen Anwendungen". Zudem seien Hochleistungsrechner ein "unverzichtbares Werkzeug" für das Verständnis großer wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen - wie etwa die frühe Erkennung von Krankheiten oder die Vorhersage der Zugbahnen von Wirbelstürmen. 

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Konkret will die Kommission für den Aufbau der Supercomputer-Infrastruktur im Rahmen des gemeinsamen Unternehmens EuroHPC Computersysteme anschaffen, die hundert Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde ausführen können. Bis zu den Jahren 2022 und 2023 soll zudem die Entwicklung von Systemen in der EU unterstützt werden, die eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde schaffen. (red/APA/AFP)

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