FEEI

Erholung nach Wirtschaftseinbruch: Digitalisierung als Treiber

Die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie hat ihre Krisenfestigkeit während der Pandemie unter Beweis gestellt, sagt der Fachverband FEEI: Der Personalstand konnte im schwierigen Jahr 2020 nahezu gehalten werden. Mittlerweile bremsen nur Fachkräftemangel und Rohstoffsituation den Aufschwung.

elektronik report FEEI Elektronikindustrie

"Die Elektro- und Elektronikindustrie ist mit ihren Produkten und Innovationen Teil der Lösung und treibende Kraft für künftige Entwicklungen."

FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch und Obmann Wolfgang Hesoun.

 

„Wir sind der Treiber der Digitalisierung“, sagt Wolfgang Hesoun, Obmann des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie FEEI. Ohne die Produkte und Lösungen der Branche lassen sich die aktuellen Herausforderungen nicht lösen. Bestes Beispiel ist für ihn die Energiewende, das große Theme unserer Zeit und in Österreich dank des im Sommer verabschiedeten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz EAG brandaktuell: „Nur mit digitalen Technologien werden wir werden wir die Energiewende schaffen.“ Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass die Branche relativ stabil durch die Krise gekommen ist, ergänzt FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch: „Wir haben nicht nur Krisenfestigkeit bewiesen, sondern Zukunftspotenzial. Die Elektro- und Elektronikindustrie ist wie keine andere Branche eng mit der Gestaltung der Zukunft verbunden. Unsere Innovationen und Technologien stellen die Lösungen bereit, um den Wirtschaftseinbruch auszugleichen und Wertschöpfung am Standort Österreich zu generieren.“

Elektronische Bauelemente im Plus

Die nackten Zahlen untermauern das: Die zweitgrößte Industriesparte Österreichs erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit knapp 67.000 MitarbeiterInnen mehr als 17 Milliarden Euro Produktionswert. Trotz der schwierigen Situation konnte damit ein Großteil der Beschäftigten gehalten werden. Beim Produktionswert betrug der Rückgang knapp acht Prozent. Als einzige Sparte konnten die Elektronischen Bauelemente ihre Produktion sogar geringfügig ausbauen und 3,2 Prozent zulegen. Das zeigt, so Mitsch, dass die Branche definit nicht zu den Gewinnern gehörte. Aber gerade die Verlagerung ins Home Office im Lockdown hat die Nachfrage nach elektronischen Endverbraucher-Produkten so sehr getrieben, dass auch einzelne Zuliefersparten ein Plus verzeichnen und andere Rückgänge ausgleichen konnten. 

Bedarf an qualifiziertem Eigen- und Fremdpersonal

Bei den Beschäftigten betrug das Minus unter drei Prozent und konnte auch heuer stabil gehalten werden. Anders verhält es sich beim Fremdpersonal, das im Vorjahr konjunkturbedingt zurückgefahren wurde, aktuell aber wieder um mehr als dreißig Prozent Zuwachs gegenüber 2020 verzeichnet. Der Fachkräftemangel ist – neben den Rohstoffpreisen und der Aufrechterhaltung der Lieferketten – eines der drei Themen, die der Branche laut Hesoun derzeit Kopfzerbrechen bereitet. „Ausbildung forcieren“ ist das Thema, das von den Mitgliedsbetrieben als erstes und auch am häufgsten genannt wird. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowohl als Eigen- als auch Fremdpersonal, ist groß und erfordert entsprechende Bildungsmaßnahmen.

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Boom bei elektrischer Kfz-Ausrüstung

Wären nicht die angesprochenen Bremsfaktoren, gäben die Zahlen einen Grund zum Aufatmen. In den ersten vier Monaten des Jahres, für die bereits Aufzeichnungen vorliegen, konnte die Produktion um Vergleich zum Vorjahr um fast 16 Prozent gesteigert werden. Auffallend ist das erhebliche Wachstum bei der elektrischen Ausrüstung für Kfz, so der FEEI. Aber auch elektronische Bauelementen, Verteilungs-/Schalteinrichtungen und sonstige elektrischen Ausrüstungen verzeichnen Zuwächse. Alle anderen wichtigen Sparten des FEEI liegen noch leicht unter dem Vorjahres- und Vorkrisenniveau, allerdings ist auch hier ein andauernder Aufholtrend erkennbar. Die aktuelle WIFO-Prognose rechnet generell mit einem kräftigen Konjunkturaufschwung in Österreich. Nach dem krisenbedingten Einbruch im Vorjahr mit einem Minus von über 6 Prozent wird das BIP heuer und 2022 um vier bzw. fünf Prozent wachsen. Die österreichische Wirtschaftsleistung dürfte bereits im dritten Quartal wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Energiewende als Branchenherausforderung

Klimawandel, steigender Energieverbrauch, steigende Mobilitätsbedürfnisse, Smarte Städte bis hin zur digitalen und technologischen Souveränität Europas. Dazu in Österreich das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), die geplante ökologische Steuerreform oder das „Fit-für-55“ Paket der EU, mit dem europaweit die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent gesenkt werden sollen: Für Obmann Hesoun sind das notwendige Meilensteine auf dem Weg zur Klimaneutralität, zu denen die Elektro- und Elektronikindustrie den zentralen Teil beitragen wird.  „Dass etwas getan werden muss, ist mittlerweile unstrittig“, so Hesoun: „Beim ´Wie´ herrscht allerdings noch großer Diskussionsbedarf.“ Der Plan, rein auf erneuerbare Energien umzustellen, werde nicht reichen, um den stetig steigenden Energiebedarf zu decken. Vielmehr müssten alle möglichen Technologien, die CO2 reduzieren, zum Einsatz gebracht werden. Der Effizienzsteigerung beim Energieeinsatz und CO2-Einsparthemen wie Smart City werde ebenfalls viel zu wenig Raum gegeben. „Neben Verhaltensänderungen und durchdachter Rahmenbedingungen ist die Elektro- und Elektronikindustrie mit ihren Produkten und Innovationen Teil der Lösung und treibende Kraft für künftige Entwicklungen. Die neuen digitalen Technologien der Branche ebnen den Weg in die Zukunft, sie leisten ihren Beitrag, wenn es um mehr Energieeffizienz in den Energiesystemen oder die Integration von Energie aus erneuerbaren Energieträgern in das fragile Energiesystem geht. Sie übernehmen im Hintergrund wichtige und höchst sensible Überwachungs-, Steuerungs- oder Regelfunktionen oder sind für die Daten- bzw. Signalverarbeitung digital und automatisiert in Echtzeit zuständig“, so Hesoun. 

Elektronik als Teil der Lösung

Eines der Ziele der Elektro- und Elektronikindustrie ist es, die österreichischen Entwicklungen hin zur Kreislaufwirtschaft und zur Energiewende zu beschleunigen und einen merk- und messbaren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten. Die dafür notwendigen Produkte kommen zum Großteil aus der Branche  – von energieeffizienten Chips und Sensoren über Wechselrichter, Ladesäulen, Steuerungen von Windkraftanlagen, Industrieanlagen, Energie- und Motorsystemen, Verkehrssteuerung, Bahnsystem, Smart Cities sowie Energietransport und -verteilung. Als Beispiel für eine heimische Innovation am Sektor intelligenter elektronischer Technologien nennt der FEE die Aktivitäten von Infineon am Standort Villach. Ziel ist es, Chips und Systemlösungen bereit zu stellen, die über den gesamten Energiekreislauf für einen geringeren Verbrauch sorgen. Energiesparchips finden sich derzeit in 17 der weltweit 20 meistverkauften Elektro- und Plug-In Hybrid-Fahrzeuge, in über 50 Prozent aller Rechenzentren sowie unter den Lösungen der Top-Hersteller von Windkraft- und Solaranlagen. Infineon Austria hat für das Geschäftsjahr 2020 berechnet, wie viel CO2-Äquivalente es als Unternehmen emittiert und wie viel die Produkte im Gegenzug helfen einzusparen. Aktuell liegt dieses Verhältnis bei 1 zu 81. Das bedeutet: Infineon ermöglicht mit seinen Produkten Einsparungen, die 81 Mal so hoch sind wie die Emissionen. Voraussetzung dafür, dass man die Branche tun lassen müsseund mit praxistauglichen, schlauen Rahmenbedingungen dabei unterstützt. Hesoun: „Ich wünsche mir ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Österreich und Europa!“