Kommunikation

Emanuel Macron eröffnet ersten LiFi-Kongress

Viele Unternehmen rufen nach 5G-Netzen, doch einige Firmenlenker setzen auf Licht. LiFi ist keine neue Technologie, dennoch entdeckt die Industrie es langsam für sich, wie eine große Konferenz in Paris im Februar auch beweist.

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Event-Reporter LiFi LED IT Elektronik Automation Eaton pureVLC

Im Februar eröffnet Emanuel Macron den ersten LiFi-Kongress. 

Emmanuelle Macron zieht immer und scheinbar überall – auch in der Industrie. Der französische Präsident und selbsternannte Reformer Europas ist Schirmherr des ersten LiFi-Kongresses in Paris im Februar 2018. LiFi? Kommunikation über Licht, über LEDs oder VLC (Visible Light Communication). Chinesische Wissenschaftler versprechen: Eine Ein-Watt-LED-Glühbirne kann vier Computer mit einer Geschwindigkeit von 150 Megabit pro Sekunde an das Internet anbinden. Das interessiert auch die Produktion, doch Unternehmen halten sich noch zurück. Vor einigen Jahren sprach Eaton auf der SPS IPC Drives erstmals über die Möglichkeiten von LiFi. in einem Nebensatz erwähnte Ram Ramakrishnan, CTO von Eaton, damals eine Technologie, die vieles in der Fabrik erleichtern könnte. Mittels LED könne der Anwender künftig wohl die Kommunikation in der Fabrik steuern, denn durch das schnelle Ein- und Ausschalten könnten Daten übertragen werden.

GE Power mit ersten Versuchen

Während manche noch von 5G in der Fabrik träumen, arbeiten andere an der LiFi-Kommunikation – eine Alternative? Vielleicht. Beispiel: GE Power. Das Unternehmen nutzt in ersten Versuchen die Technologie für die Kommunikation in EMI-Bereichen oder bei der Roboter-zu-Roboter-Kommunikation. Die Technologie kann verwendet werden, um drahtlose Konnektivität zu Geräten an Orten hinzuzufügen, die keine Funkfrequenz zulassen, einschließlich petrochemischer Anlagen und Operationssäle in Krankenhäusern. Diese Technologie kann auch die drahtlose Kommunikation unter Wasser ermöglichen, wo Wi-Fi nicht funktioniert. Ferngesteuerte Fahrzeuge, die mit diesen Lichtern ausgestattet sind, könnten unter Wasser ohne Funkwellen kommunizieren, berichtet GE.

Datenübertragung wird schneller

Die Technologie wurde erstmals von Professor Harald Haas von der Universität Edinburgh beschrieben und präsentiert. Während seines Vortrags im Jahr 2011 nutzte er eine LED-Glühbirne zur Übertragung von HD-Videos, so der Technologiemythos in mehreren Blogs. Seine Firma, pureVLC, hat LiFi-Verbindungen veröffentlichte ebenso Anwendungen, die keine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger erfordern und damit für viele industrielle Internetanwendungen spannend sind. Andere Start-ups wie Oledcomm experimentieren mit Möglichkeiten, Daten über Lichtnetze in Museen, Einkaufszentren und Flughäfen zu übertragen, um neue Einnahmequellen zu erschließen. Auch die Geschwindigkeit der Datenübertragung wird immer besser. Vertreter des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts in Deutschland erklären, dass sie Daten mit 3 Gbps mit LED-Glühbirnen im Labor übertragen können. Britische Forscher des Engineering and Physical Sciences Research Council's Ultra-Parallel-Sichtlicht-Kommunikationsprojektes behaupten, dass Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 10 Gbps möglich seien.

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Auch Automatisierer mit an Bord

Nicht nur die Industrie profitiert. Die Städte San Diego und Jacksonville arbeiten mit GE Lighting an der Erprobung einer softwarebasierten LED-Beleuchtungslösung, um beispielsweise freie Parkplätze an Autofahrer zu kommunizieren. In Zusammenarbeit mit Qualcomm wird das gleiche Technologiekonzept auch auf Gebäude angewendet. Mithilfe von VLC kann diese hochpräzise Lösung einen Kunden bis zu 5 cm lokalisieren, so dass Einzelhändler dem Käufer relevante Produktpromotionen oder Schulungsinhalte zur Verfügung stellen können. Zum Beispiel könnte diese Technologie jemandem helfen, glutenfreie Produkte im Lebensmittelgeschäft zu finden, heißt es bei GE. Stichwort Retail und Supermarkt. Auch die Automatisierer haben den Markt für sich entdeckt. Zusammen mit Software-Partnern und der Leuchtenindustrie bietet Wieland Electric die zugehörige Hardware für VLC-Lösungen an. Benötigt werden LED- Leuchten, eine Software sowie Access Points für die Datenübertragung; ein kleiner Deckenverteiler beinhaltet alle Hardware-Komponenten (Router, Stromversorgung und PoE- Switch). Verbunden mit Leuchten und Access Points, ist die VLC- Anwendung einfach und schnell realisiert, versprechen die Wieland-Ingenieure.

Und wer kommt nach Paris, zu Macron? Es sind noch vor allem die Telefonkonzerne wie Orange oder T-Systems. Aber auch Osram und Nokia zeigen Interesse an der Technik. Aber auch Wieland Electric ist vor Ort. Sie könnten die Fabrikkommunikation verändern, reformieren. Was ganz gut in Macrons-Philosophie passt – er ist der richtige Schirmherr.

Was ist Li-Fi?

Die VLC-Technologie (auch Li-Fi genannt) ist eine mögliche Alternative zu herkömmlicher WLAN-Technik. Die Datenübertragung erfolgt ebenfalls kabellos, jedoch nicht mit Funkwellen, sondern über moduliertes Licht aus einer LED-Beleuchtung. Die Vorteile liegen darin, dass es keine Beeinflussung durch andere Funkwellen oder elektromagnetische Felder gibt. Das wirkt sich günstig auf die mögliche Bandbreite bei dicht belegten Funknetzen und eine geringe Störanfälligkeit aus, heißt es von den Forschern des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts aus Berlin.

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