Gerhard Kormann erforscht als Professor an der IMC FH Krems seit 2009 in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen die konkreten Erfolgsfaktoren für eine gelingende digitalen Transformation. Er kombiniert hier seine Erfahrung als Berater, Manager und im Vertrieb in der IT und High-Tech Industrie mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Forschungsarbeit. Auf Basis der von ihm entwickelten Methodik “Digital Business Transformation” (DBT) werden sehr erfolgreiche Kooperations- und Innovationsprojekte, wie z. B. das Projekt “Enterprise 4.0 – Erfolg im digitalen Zeitalter” umgesetzt.

Tech-Crasher

Die Kultur des Delegierens hat ausgedient

Führungskräfte, die glauben digitale Agenden an die IT oder Fachbereiche delegieren zu können, werden schnell merken, wie ihr Unternehmen zur Blackbox wird. Warum die Digitalisierung Chefsache ist.

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Die (Un)-Kultur des Delegierens hat ausgedient und das Zeitalter von Kooperation hat begonnen.

Industrie 4.0 ist schon lange kein technisches Thema mehr, denn viele Technologien sind längst einsatzbereit. Die große Kunst wird es sein, die Mitarbeiter dafür zu gewinnen und gleichzeitig die Unternehmensorganisationen so aufzustellen, dass auf unvorhersehbare Events gut reagiert werden kann. Seit den 90er Jahren wird das V.U.C.A. Zeitalter (kurz für volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) in der Business-Welt heraufbeschworen – mit Industrie 4.0 wird dieses für alle Branchen und Organisationen Realität. Alte hierarchische Managementstrukturen und Planungsparadigmen haben hier ausgedient. Die digitale Transformation schaffen Unternehmen nur, wenn sie zur Chefsache erklärt wird. Die (Un-)Kultur des Delegierens digitaler Themen an die IT oder Fachbereiche hat ausgedient. Nur Führungskräfte, welche sich konkret in den Prozess einbringen, können das schlummernde Potential der Firma und der Mitarbeiter heben. Wenn sich Führungskräfte nicht mit der Digitalisierung selber beschäftigen und nur delegieren, entsteht für diese eine Art Blackbox. Dieses Management kann mögliche Innovation am Ende des Tages gar nicht richtig erkennen und beurteilen und somit die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen.

Planungsparadigmen sind obsolet

Einer der großen Hemmschuhe für Unternehmen ist das vorherrschende Planungsparadigma, also das man Zukunft vorhersagen und somit planen kann und dies am besten ohne Überraschungen. Diese Vorstellung ist heute in vielen Firmen und in den Köpfen des Managements und der Mitarbeiter fest verankert und hatte und hatte in einem stabilen Unternehmensumfeld auch seine Berechtigung. Der Siegeszug von Management by Objectives, also das Führen mit klaren Zielen, war in den letzten Jahrzehnten nicht aufzuhalten.

Wie führt man aber ein Unternehmen in einem volatilen, unsicheren, komplexen und nicht eindeutig fassbaren, mehrdeutigen Umfeld, welches geprägt ist von digitalen Technologien und ständig neue Möglichkeiten für Produktivitätssprünge und neue Marktchancen entstehen lassen?

Viele erfolgreiche Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und verabschieden sich bereits von einem starren Planungs-Korsett. Sie beginnen agile Organisationen aufzubauen, welche vorbereitet sind, um auf abrupte Änderungen und überraschend auftauchende Chancen schnell und wirksam zu reagieren. "Organisational Readiness" löst Zielgenauigkeit und Planungssicherheit als Paradigma ab.

Leadership wird zum Teamwork

Was heißt das konkret: Unternehmenshierarchien werden durch agile, sich selbst steuernde Organisationen ersetzt. Mitarbeiter im Feld, im Shopfloor, etc. werden zu Innovationstreibern und nutzen die digitalen Technologien für Produktivitätssprünge und neue Geschäftsmodelle. Leadership wird zum Teamwork und Delegieren von oben herab zum Auslaufmodell. Anstatt starrer Zielsysteme arbeiten alle Mitarbeiter an der gemeinsamen Vision als „Unternehmen“ (im wahrsten Sinne des Wortes). Unternehmensgrenzen verschwimmen und es entstehen völlig neue Kombinationen und Kooperationen, und klassische Industriezweige werden von Smart Environments abgelöst.

Was hat das Ganze mit Industrie 4.0 zu tun. Die neuen Technologien verbinden alles und jeden miteinander und dynamische Kooperationen lösen das Delegieren innerhalb von Hierarchien ab. Was vielen vielleicht als Illusion vorkommt, ist vielmehr das wahr revolutionäre Momentum der digitalen Transformation.