Robert Weber ist Journalist und Newsgame-Entwickler aus Deutschland. Seit mehr als zehn Jahren ist der Westfale journalistisch tätig. War Chefredakteur von elektrotechnik, schrieb für den deutschen MaschinenMarkt und engagiert sich derzeit als Journalist für das Manager Magazin und Markt&Technik. 2015 gewann er den Karl-Theodor Vogel Preis.

Meinung

Deutschland droht die Auto-Krise? Quatsch!

Es gilt die Unschuldsvermutung: Warum die deutsche Autoindustrie zum Sündenbock eines vermeintliches Ökogewissen gemacht wird, das es so gar nicht gibt.

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Letzte Chance, schreiben manche und ein Schweizer Journalist warnt vor dem Kauf deutscher Autos. Das ist Quatsch! 

In Deutschland droht die Auto-Krise – die deutschen Vorzeigeunternehmen sollen sich gegen die Kunden verschworen haben, um ihre Gewinne auf Kosten der Autokäufer und der Zulieferer zu steigern. Millionen Jobs hängen von Daimler und Co. ab. Wenn die Anschuldigungen zutreffen, muss es juristische Konsequenzen geben – ganz klar. Betrug ist Betrug. Es gilt aber noch die Unschuldsvermutung und ich ärgere mich über manche deutschen Kollegen, die der deutschen Automobilindustrie schon die Zukunftsfähigkeit absprechen. Letzte Chance, schreiben manche und ein Schweizer Journalist warnt vor dem Kauf deutscher Autos. Das ist Quatsch! 

Schadstoffausstoß noch kein Kaufkriterium 

Warum sind deutsche Fahrzeuge denn weltweit, vor allem auch in den USA oder in China, so beliebt? Ich meine: Es ist nicht die Ökobilanz der Fahrzeuge, sondern die Verarbeitung, das Fahrverhalten, das Design, der Komfort, die Sicherheit, die Technologie und die Qualität und auch die Power, die Beschleunigung. Ich behaupte, nur für eine Minderheit von Autokäufern ist der Schadstoffausstoß das entscheidende Kaufkriterium – noch! 

Italienische, französische, die meisten amerikanischen und auch asiatischen Unternehmen sind nicht viel weiter mit der Entwicklung alternativer Antriebe oder beim autonomen Fahren oder sauberer. Ja, Toyota war Vorreiter der Hybridtechnologie, aber die bekomme ich heute auch in einem Volkswagen, in einem BMW, in einem Porsche oder in einem Mercedes. Daimler bietet in China sogar eine modifizierte B-Klasse mit E-Motor an – weil die Infrastruktur dort passt und in Norwegen ist der elektrische Golf von Volkswagen kein Exot mehr. BMW übrigens kann auch elektrisch – der i3 ist der Beweis. Ja, Tesla setzt voll auf Elektromobilität – die Ökobilanz der Fahrzeuge wirft aber neue Fragen auf, eine Studie jagt die nächste. Und: Wie viel ist ein Elektroauto wert, das mit dreckigem Kohle- oder Atomstrom betrieben wird? Das Schadstoff- oder Entsorgungsproblem wird einfach verschoben, nur raus aus der Stadt. Nach der schwierigen und umstrittenen Energiewende soll jetzt die Verkehrswende kommen – das wird alle Geld kosten.  

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Bitte keine Antriebsform favorisieren

Wer sich einen SUV oder einen 350 PS-Boliden mit Allrad kauft, dem ist die Umwelt wohl völlig egal. Der will PS auf die Straße bringen und braucht jetzt auch nicht aufjaulen und sein vermeintliches Ökogewissen vorschieben. Schließlich geht es ihm nur um seinen Wertverlust. 

Der Verbraucher entscheidet und muss auch seine Verantwortung für die Umwelt ernstnehmen – Solaranlage auf dem Dach und SUV vor dem Haus funktioniert noch nicht. Die Autokonzerne müssen reinen Tisch machen. Die Politik muss eine neue Rolle einnehmen – die Schadstoffrichtlinien anpassen, anwenden und genau und unabhängig kontrollieren, in den öffentlichen Nahverkehr investieren, zeitweise Fahrverbote durchsetzen und eben keine Antriebsform favorisieren, denn keiner weiß, welche Technologie die ökologisch richtige sein wird: Hybrid, Wasserstoff, Gas, Elektro oder am Ende doch wieder ein Diesel? 

Und vielleicht sollte das ganze Thema nicht eine rein deutsche Diskussion sein, denn wenn alte Dieselfahrzeuge mit EU4 in naher Zukunft in Rumänien, der Ukraine oder in Afrika die Luft verunreinigen, dann geht uns das genauso viel an. Und noch eines: Was machen Sie dieses Jahr im Sommerurlaub? Kreuzfahrt? Danke. Allein die 15 größten Schiffe der Welt stießen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, so der NABU (Naturschutzbund Deutschland) – betroffen vor allem Küstenregionen und eben nicht Stuttgart.