3D-Druck

Deutsche Bahn druckt schon 25.000

25.000 Teile hat die Deutsche Bahn in 3D-Druck-Verfahren schon produziert. Die meisten Ideen kommen aus der Belegschaft. Die Bahn zeichnet die besten Ideen regelmäßig aus.

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Stefanie Brickwede leitet das Konzernprojekt 3D-Druck.

In diesem Jahr prämierte Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstand Güterverkehr DB AG, die besten Ideen: Für die Kundinnen und Kunden beispielsweise Arretierungen für Klapptische. Aber auch Lösungen, die die Arbeit einfacher machen (Hörmuschel für Rangierfunkgeräte, Anbauschablonen).

Factory sprach schon vor zwei Jahren mit Stefanie Brickwede. Sie leitet das Konzernprojekt 3D-Druck bei der Deutschen Bahn. 

Frau Brickwede, stimmt es, dass sich die Deutsche Bahn die Thematik 3D-Druck aus dem Silicon Valley abgeschaut hat? 

Stefanie Brickwede: Ich würde nicht sagen „abgeschaut“, aber die Vorstände der Deutschen Bahn haben sich dort vor ein paar Jahren sicher jene Inspiration geholt, die uns heute tolle neue Möglichkeiten beschert. Ich würde aber behaupten, dass unsere Einsatzgebiete sich doch unterscheiden.

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Interessant ist, dass bei Ihnen Prototyping keine Rolle spielt …

Brickwede: …was daran liegt, dass wir keine Hersteller sind. Bei uns war schon immer das Thema Ersatzteile am attraktivsten.

Sie kämpfen mit obsoleten Bauteilen. Man möchte meinen, dass die Deutsche Bahn doch riesige Ersatzteillager beherbergt?

Brickwede: Ja wir haben riesige Lager. Für unseren „Rolling Stock“, also nur die Fahrzeuge, haben wir Teile im Wert von 600 Millionen Euro auf Lager. Dennoch kämpfen wir mit Obsoleszenz. An bestimmte Teile kommen wir gar nicht mehr ran, weil es diese einfach nicht mehr gibt.

Liegt das an den Liefergarantien für die Zugbranche?

Brickwede: Richtig. Im Normalfall haben wir Liefergarantien für die ersten 15 Jahre. Aber allein die erste ICE-Generation fährt schon mehr als 25 Jahre. Sie sehen also, dass wir durchaus mit der Beschaffung von bestimmten Ersatzteilen zu kämpfen haben. Ein anderes Thema sind die langen Lieferzeiten. Für Gussteile warten wir momentan bis zu neun Monate. Ein Zug der neun Monate steht, rechnen Sie sich das mal hoch.

Das angesprochene Gussteil wurde aber kürzlich von Ihnen gedruckt …

Brickwede: … und damit hatten wir das Teil innerhalb von drei Wochen verfügbar.

Drei Wochen statt neun Monate ist gewaltig. Erlauben Sie mir die Bemerkung, aber ich finde drei Wochen für einen Druck etwas lang. 

Brickwede: Oh der Druck war viel schneller, aber das Reengineering und die Zertifizierung dieses sicherheitsrelevanten Teiles ist sehr aufwändig.

Das heißt es gibt keine Standards beim Drucken?

Brickwede: Noch nicht. Im Moment ist jedes Teil eine Einzelfertigung. Aber gemeinsam mit dem TÜV Süd haben wir intensiv eine Herstellerqualifizierung für Druckdienstleister erarbeitet. Das soll nicht nur bahnbezogen sein, sondern auch z.B. Automotivkonzernen helfen.

Wie viele Teile drucken Sie im Moment?

Brickwede: Derzeit werden über 110 unterschiedliche Teile gedruckt, darunter auch sicherheitskritische Teile. Zwei Drittel davon werden schon verbaut und erfüllen alle Voraussetzungen.

Die Deutsche Bahn selber besitzt keine Drucker? Richtig?

Brickwede: Richtig. Wir nutzen Dienstleister.

Das ganze Interview finden Sie hier.