Elisabeth Biedermann ist seit 2012 Teil des WEKA Industrie Medien-Teams. Als Chefredakteurin ist sie für die inhaltliche Gestaltung des Fachmagazins Factory zuständig. In ihrer Verantwortung liegt auch die Programmgestaltung und Moderation von Factory-Events, wie der Instandhaltungskonferenz, Ersatzteiltagung und Industrierobotik.

Kommentar

Der Krieg der Spindeln und wie ich zwischen die Fronten geriet

Es ist eine brutale Schlacht hinter verborgenen Türen. Geht es um die Reparatur von Motorspindeln machen Dienstleister wie Hersteller die Fronten scharf. Wehe wenn man als Redaktion dazwischen gerät.

"Nehmen Sie den Artikel umgehend vom Netz". Wer hätte gedacht, dass ein Anwenderbericht über eine Spindelrettung einer Makino A55E solche Wellen schlägt? Na, ich jedenfalls nicht. Und weil ich mich nun leider schon zum zweiten Mal in dieses servicetechnische Wespennest setze und mein Telefon bereits heiß läuft, will ich Ihnen mal etwas über den "Krieg der Spindeln" erzählen.

Im Hintergrund, kaum von den Medien beachtet, tobt seit Jahren eine echte Serviceschlacht. Millionen von Euro wirft das Geschäft mit der Reparatur von Motorspindeln ab. Allein der Tausch eines Werkzeugspanners - glaubt man herstellerunabhängigen Dienstleistern - kostet 1.500 Euro aufwärts. Und das ist eines der "billigeren Teile". Wird die "Grand Madame", auch Drehdurchführung genannt (sie ist zuständig für die Kühlmittelzufuhr), zum Spindelkiller, wird's richtig teuer. Hier liegt die Reparatur (laut Dienstleister) zwischen 10.000 und 100.000 Euro. Kein Wunder also, dass hier die Bandagen immer härter und manchmal auch unfair werden.

Im Ring: Hersteller wie Dienstleister 

Während Dienstleister mit günstigen und schnellen Services punkten möchten, sehen sich die Originalhersteller als einzig sichere Anlaufstelle. Hersteller behaupten ihrerseits, dass Kunden, die auf unabhängige Dienstleister setzen Gefahr laufen, Opfer eines "Pfuschs" zu werden. Die Dienstleister wiederum behaupten, dass Hersteller ihre Kunden gerne mit dem "Trick der Tauschspindel" hinters Licht führen. Fällt die Spindel aus, bietet der Hersteller alternativ zur Reparatur eine sogenannte Tauschspindel. Großer Pluspunkt: Sie ist schnell verfügbar. Laut unabhängigen Dienstleistern werden hier aber Aufpreise von bis zu 50 % aufwärts draufgeschlagen, obwohl es sich schlussendlich nicht um eine neue Spindel sondern lediglich eine Reparierte handle. Im Krieg der Spindeln scheint alles erlaubt. Jeder schwärzt gerne den anderen an. Erbittert wird um jeden Kunden, jede Spindel gekämpft. Rufmord, Industriespionage, gerichtliche Verfahren - wer diese Welt betritt, findet sich in einem offenen Krieg wieder. 

White Paper zum Thema

>> Mehr zur Causa Spindeldoctor: Kann man freien Dienstleistern trauen? HIER.

Sie fragen mich, wer Recht hat? Ich habe keine Ahnung. "Wartung, Reparatur und Überholung von Motorspindeln mit höchster Qualität und schnell" versprechen alle. Freilich blöd, wenn einer mich anruft, um von einem neuen Kundenprojekt zu erzählen. So bekam ich den Anruf vom deutschen Spindeldoctor "man hätte eine neue Tochter in Österreich - Firma K-Tec - gegründet und bereits einen erfolgreichen Auftrag bei Gruber & Kaja für die Reparatur einer Makino verzeichnet". Na gut - klingt doch spannend. So ein Bericht ist recht schnell erledigt: Anruf beim hiesigen Produktionsleiter, Sachlage erklärt, Artikel geschrieben, zur Freigabe und finalen Korrektur nochmal geschickt, fachlich abgesegnet, online gestellt und dann ging die Misere los.

Falsche Kriegsschiffe

"Nehmen Sie den Artikel umgehend vom Netz, sie verbreiten Unwahrheiten", hieß es in einer Mail des obersten Marketingbosses der Makino Gruppe. Man hätte nie eine Anfrage zur Reparatur der Spindel einer A66E erhalten. Das stimmt auch, es handelte sich tatsächlich, um eine A55E. Eine Angabe, die mein Interviewpartner leider falsch wiedergegeben hatte - aber umgehend ausgebessert wurde. Die nächste "Watschn" ging an die neue Servicedienstleister K-Tec (neue Tochter des Spindeldoctors) "das seien zu keiner Zeit ehemalige Makino-Mitarbeiter gewesen". Wahrheit ist, dass es sich um ehemalige Mitarbeiter (Leasing hin oder her) der Hauptvertretung von Makino Österreich, der Steindl Service GmbH, handelt. 

Zuckerbrot und Peitsche

Die schlussendliche "Watschn" galt dann mir höchstpersönlich. Nächster böser Anruf (möchte betonen, nicht vom Hersteller selber, eher einem "nahen Verwandten" wenn man so will) stellte bereits meine Fähigkeiten als Chefredakteurin in Frage. Zuckerbrot und Peitsche - gab es zuerst Lob auf die Factory (Danke) um gleich danach mit Beleidigungen nachzuschießen (Na Mahlzeit). "Ob man denn gerne den Zorn eines Herstellers auf sich ziehen möchte?" (Öhm ...)  

Aus dem Text geht hervor, dass die Behauptung über die Reparatur vom Produktionsleiter der Gruber & Kaja stammt. Ich verlasse mich erstmal darauf, dass dieser die Wahrheit sagt. Da er den Text zur finalen Freigabe auch vorliegen hatte. Im Moment steht Aussage gegen Aussage. Ein Servicedienstleister wettert gegen den anderen. Und ich - blöderweise zwischen den Fronten. 

>> Mehr zur Causa Spindeldoctor: Kann man freien Dienstleistern trauen? HIER.

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