Das war das Deutsch-Österreichische Technologieforum 2017

Innovationsschmarotzer, Kulturwandler, Getriebene: Das Deutsch-Österreichische Technologieforum zeigte auch dieses Jahr wieder, wie unterschiedlich die Auswirkungen der Digitalisierung ausfallen können.

Von

Erfolgreiches zweites Deutsch-Österreichisches Technologieforum:  Mehr als 160 Top-Manager und Experten aus Österreich und Deutschland trafen sich zur Diskussion über das Thema Digitalisierung in Industrie und Handel. 

Er will nicht wie das Karnickel auf die Schlange starren, wenn Amazon kommt. Auch wenn Rewe-Boss Frank Hensel nicht so ganz zum Publikum des zweiten Deutsch-Österreichischen Technologieforums passte, teilt er mit hiesiger Industrie doch eine Angst: Neue Wettbewerber. Jene Konzerne, die Branchen heimsuchen, die so gar nicht deren natürliches Revier sind. Zwar ist der Rewe-Chef ein Freund der digitalen Revolution sieht sich aber von dieser ebenso unter Druck gesetzt. Sein Online-Shop sei weit von der Rentabilität entfernt und dass Amazon mit seinem Lieferservice für frische Lebensmittel, Amazon Fresh, früher oder  später ins Land kommt, steht außer Frage.

Getriebene der Digitalisierung

Dabei war Hensel bei weitem nicht der Einzige, der sich als Getriebener der Digitalisierung präsentierte. Als Stefan Engleder, CEO von Spritzgussmaschinenproduzent Engel die Bühne betrat, war schnell klar: Engel will mit Digitalisierung Geld machen. Mit Inject 4.0 versuchen die Schwertberger Industrie 4.0 zum Spritzgießer zu bringen. Indem sie kluge Monitoringlösungen in die Maschinen packen und diese per App am Smartphone visualisieren, können prozesskritische Komponenten im laufenden Betrieb überwacht werden. Was nach einem lukrativen Geschäftsmodell klingt, erhielt am Anfang einen kräftigen Dämpfer. Denn selbst ein Engel hatte Schwierigkeiten, diese neuen Services auch sinnvoll zu monetarisieren, wie Engleder in Wien zugab.

Wirtschaft, und, Finanzen, IT, Unternehmen, Wissenschaft, Technologie, Markus, Langes-Swarovski © DHK / Martina Draper

Gab der Digitalisierung etwas Menschliches, Markus Langes-Swarovski am Deutsch-Österreichischen Technologieforum in Wien. 

White Paper zum Thema

Persönlich gefallen hat mir der Vortrag von Markus Langes-Swarovski, der als einer der wenigen der Digitalisierung etwas „Menschliches“ gab, indem er behauptete "Digitale Technologien machen unsere Produktion wieder menschlicher." Ein interessanter Gedanke, der sich bei Swarovski als ein Kulturwandler gestaltet. Früher völlig abgeschottet, beginnt sich der Tiroler Traditionsbetrieb immer mehr zu öffnen. Sich völlig abzuschotten, um sein Know-how sichergestellt zu wissen, sei heute einfach nicht mehr zeitgemäß, so Langes-Swarovski. In einem ehemaligen Werk der D. Swarovski KG ist deshalb ein Schmelztiegel für technologieorientierte Jungunternehmer angesiedelt. Die "Werkstätte Wattens", soll zum 4.0-Hotspot im Westen Österreichs werden. Die Wattenser wollen sich hier dem regen Austausch mit Start-ups öffnen. Ein langsamer aber stetiger Kulturwandel, den vor allem der junge CEO vorantreibt. Was Markus Langes-Swarovski aber sehr wohl erkannt hat, ist die Skepsis mancher Mitarbeiter. Geht es um die Digitalisierung "müssen wir den Mitarbeitern ihre Ängste davor nehmen", appellierte er an die 160 Teilnehmer des Forums. Dem stimmte Hans Kostwein, Geschäftsführer des gleichnamigen Maschinenbauers zu. An der vergriffenen Floskel „Digitalisierung ist Chefsache“ scheint doch mehr dran zu sein.    

Innovationsschmarotzer

Die ganze Verantwortung einem Chief Digital Officer allein umzuhängen, davor warnte auch T-Mobile Österreich CEO Andreas Bierwirth. „Digitalisierung geht alle an“, tönte er von der Bühne. Dabei lohnt es sich auf das Geschäftsmodell von T-Mobile Austria einen genaueren Blick zu werfen. Fraunhofer-Chef Wilfried Sihn betitelte es mit: „Innovationsschmarotzer“, meinte das  aber nicht unbedingt negativ. T-Mobile hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, Start-ups in ihren Innovationen tatkräftig zu unterstützen und hat durchaus Erfolg damit. Wenn man nebenbei davon noch profitieren kann, ist schmarotzen wahrscheinlich das falsche Wort. „Anorganisches Innovieren“ wäre wohl der bessere Ausdruck dafür. (eb)