Digitalisierung

ContiConnect: Was bringt der gläserne Reifen dem Fuhrparkmanager?

Continental hat Anfang Juni einen völlig neuartiges Reifen-Managementsystem auf den Markt gebracht. Via Mobilfunk und einem cleveren Sensor übertragen künftig LKW-Reifen alle wichtigen Daten an den Fuhrparkmanager. Ein prestigeträchtiges Digitalisierungsprojekt. Aber braucht es das?

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Digitale Plattform: Die Lkw-Reifen des Reifenherstellers Continental übertragen Daten via Mobilfunk in das Internet, das soll Flottenbreiter Kosten und Aufwand sparen.

ContiConnect ist eine digitale Reifenüberwachungsplattform für gewerbliche Lkw-Flotten und wurde für die Anforderungen von Fuhrparkbetreibern entwickelt. Diese Lösung umfasst sowohl die Produkte Reifen und Sensor als auch Reifendatenservices. Herzstück des Systems ist ein intelligenter Reifen mit einem integrierten Sensor im Reifeninneren. Der Sensor sendet Informationen über den aktuellen Luftdruck und die Temperatur der Reifen an einen Datenempfänger (Yard Reader) auf dem Betriebshof der Lkw-Flotte. Diese Plattform ist für Flottenmanager ausgelegt, in die weitere Services integriert werden können und die den Verlauf der Reifendaten speichert. Was in der Praxis bedeutet: Per Mobilfunk werden sämtliche Temperatur- und Druckdaten der Reifen an ein zentrales Webportal gesendet.

Mobilfunkanbieter Vodafone mit an Bord

Flottenmanager können so zu jeder Zeit die Daten aller Lkw überwachen. Werden Unregelmäßigkeiten festgestellt sendet das System automatisch einen Alarm an den definierten Empfänger beispielsweise an die Zentrale oder direkt zum Lkw-Fahrer im Fahrzeug. Für den Datentransfer hat sich Continental den Mobilfunkanbieter Vodafone ins Boot geholt. „Das Mobilfunknetz von Vodafone überträgt die Daten sicher geschützt, zuverlässig und nahezu verzögerungsfrei rund um die Welt“, verspricht Vodafone. Und so auch in Österreich sobald hierzulande das System käuflich ist. Was übrigens noch dieses Jahr passieren soll. „Seit Juni wird er in Deutschland vermarktet, in Österreich erfolgt die Markteinführung noch in diesem Jahr“, kündigt Annette Rojas, Sprecherin von Continental in Hannover gegenüber Factory für die potenziell interessierte Zielgruppe schon mal an.

Sicherung der Betriebszeit durch Pannenvermeidung

„Die wirtschaftlichen Vorteile von ContiConnect seien abhängig vom aktuellen Zustand der Lkw-Flotte und der Reifenpflege im Fuhrpark in der Vergangenheit“,  erklärt Rojas. Ein Vorteilsrechner ermöglicht die individuelle Berechnung der Amortisationszeit von ContiConnect für jede einzelne Flotte, indem er alle relevanten Einflussgrößen berücksichtigt. Beispiele für diese Einflussgrößen sind: niedrigerer Kraftstoffverbrauch, weniger Ausfallzeiten, geringere Reifen- und Pannenkosten, höherer Karkassenwert, weniger Aufwand in Bezug auf die manuelle Überprüfung des Reifendrucks und bessere Abriebleistung. Diese Parameter lassen sich für die Flotten in individuelle Kundenvorteile übersetzen und das sind erhöhte Sicherheit, Spritersparnis, Kostenersparnis durch Pannenvermeidung, Sicherung der Betriebszeit durch Pannenvermeidung, verbesserte Laufleistung und die Reduzierung von Emissionen. Rojas: „Der Fuhrparkmanager hat jederzeit Übersicht über seine Flotte und somit die volle Kontrolle und kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.“

White Paper zum Thema

https://www.youtube.com/watch?v=q7KTBvijbnM So funktioniert ContiConnect.

In unterschiedlichen Märkten getestet

ContiConnect wurde im Vorfeld weltweit bei Lkw-Fuhrparkbetreibern in unterschiedlichen Märkten getestet. „Natürlich auch bei Kunden in Österreich“, merkt Rojas an. Zwei der Testpartner in Deutschland waren das Logistikunternehmen Gemmeke Logistik und Zerhusen Kartonagen, die für ihre Flotten ganz unterschiedliche Vorteile sehen. Für den Geschäftsführer Johannes Gemmeke gehört der Sicherheitsaspekt ganz klar zu einem modernen Fuhrpark. „Mit ContiConnect habe ich einfach ein besseres Gefühl, weil ich weiß, dass ich die Reifen im Griff habe das Reifendruck und Temperaturen stimmen.“ Bevor er das System einsetzte, hatte er eine Firma engagiert, die alle acht Wochen auf den Hof kam und die Reifen der 30 Jumbotrailer kontrollierte. Das war nicht nur kostenintensiv, sondern oft auch Auslöser für einen schleichenden Druckverlust. Grund: Das Ventil muss für die Druckkontrolle geöffnet werden. Dadurch kann Schmutz eindringen und das Ventil wird undicht. ContiConnect reduziert den Wartungsaufwand, schützt die Reifen vor langfristigen Schäden und verringert das Risiko von Reifenpannen. Zudem trägt es zur Senkung der Flottenkosten und zu einer längeren Betriebszeit bei. Eine Reifenpanne kostet nicht nur Zeit, sondern schlägt sich schnell mit Kosten von rund 1.500 Euro nieder.

Nachrüstbare Lösung

Mit ContiConnect lässt sich jede Flotte jederzeit ausstatten. Die Vorgangsweise dabei: Auf der Innenseite des Reifens werden Reifensensoren montiert, um die Daten zu erfassen. Der Sensor kann entweder nachgerüstet werden oder die Reifen können bereits werksseitig als sogenannte iTire bestellt werden. Für die Initialisierung von ContiConnect braucht es ein Handlesegerät. Diese Komponente dient dazu, die einzelnen Reifensensoren den betreffenden Radpositionen des Fahr-zeugs zuzuweisen. Die Verbindung zu den Reifensensoren erfolgt per Funk. Die Yard Reader Station (Datenempfänger) empfängt die Daten von den Reifensensoren und überträgt diese über das Mobilfunknetz an die definierten Informationsempfänger. Das ContiConnect-Webportal ist die Schnittstelle, über die der Reifenzustand aller Fahrzeuge proaktiv überwacht wird. Das Webportal ist eine browserbasierte Anwendung, auf die von jedem Gerät aus zugegriffen werden kann. Der Fahrer kann damit auch auf das Webportal zugreifen oder eine SMS oder Email-Benachrichtigung empfangen, wenn der Luftdruck oder die Temperatur des Reifens nicht stimmen.

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