Leitfaden

Bitkom zeigt, wie Sie eine KI-Lösung in Ihrem Unternehmen sinnvoll einsetzen können

Der Digitalverband Bitkom hat einen Leitfaden zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen veröffentlicht. Er dient als Orientierungshilfe für IT-Entscheider.

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Digitalwirtschaft: 2016 war für nur 9 Prozent KI ein Thema, heuer sind es satte 21 Prozent. 

Waren es 2016 nur neun Prozent der Firmen aus der Digitalwirtschaft, die angaben, dass KI für sie zu den Top-Themen gehört, sind es heuer satte 21 Prozent. Der Branchenverband Bitkom hat mit dem Bericht "Künstliche Intelligenz verstehen als Automation des Entscheidens" einen Leitfaden zur Künstlichen Intelligenz (KI) veröffentlicht. Dieser soll IT-Entscheidern unter anderem als eine Orientierung für den Einsatz von KI-Technologien dienen. 

Maschinen entscheiden also künftig autonom. Laut Bitkom erfolgt die Einführung von KI in Unternehmen in fünf Stufen: 

Stufe 1: Assistiertes Entscheiden

Die Einführung von Systemen, die beim Entscheiden unterstützen, begann mit Werkzeugen der Tabellenkalkulation in den 1980er Jahren. Expertensysteme gab es zwar schon früher, aber nur eine begrenzte Anzahl von Nutzern. Im Gegensatz zur manuellen Vorgehensweise lieferte eine Tabellenkalkulation zum ersten Mal in kürzester Zeit Antworten auf komplexe Fragen. Diese Fähigkeit führte dazu, dass Akteure anfingen, Simulationen durchzuspielen oder alternative Lösungen zu untersuchen. Zwar sind Fehler in der Handhabung nicht selten und Benutzer überschätzen ihre Fähigkeiten, das Werkzeug richtig zu bedienen.43 Aber dennoch steigerten Tabellenkalkulationen die Effizienz nach damaligen Schätzungen um das 80-fache.

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Stufe 2: Teilweises EntscheidenDas System übernimmt einerseits die Berechnung, z. B. der Abfolge von Transaktionen in einer Online-Bestellung. Gleichzeitig kann es aber in dedizierten Anwendungsfällen selbständig Entscheidungen treffen, beispielsweise wenn Bediener mit Alexa Echo mittels Zuruf Kaufvorgänge auslösen. Aber alle Entscheidungen hängen davon ab, dass der Akteur seine Präferenzen zuvor geäußert hat. Die Entscheidungen laufen entlang einer reglementierten Kette von Optionen. Die Verantwortung, diese Kette zu aktivieren, verbleibt beim Bediener.

Stufe 3:  Geprüftes Entscheiden

Auf dieser Stufe entwickelt das System aus einer Situation heraus eigene Vorschläge. Ein Beispiel ist die Suchfunktion in Google Assistant. Auswahl und Priorisierung geschehen durch einen Algorithmus, der nach eigenem Gutdünken auf alle verfügbaren Datenquellen zurückgreift (ggf. auch unqualifizierte, mehrdeutige oder irreführende). Dem Bediener bleibt es allerdings überlassen, Vorschläge anzunehmen, abzulehnen oder die Suche zu wiederholen und zusätzlich die Parameter zu ändern.

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Maschinen entscheiden also künftig autonom: Laut Bitkom erfolgt die Einführung von KI in Unternehmen über ein Fünf-Stufen-Modell. 

Stufe 4: Delegiertes Entscheiden

Ab hier überlässt ein Mensch dem System dauerhaft die Kontrolle über eine definierte Situation, z. B. die Steuerung der Kühlleistung eines Rechenzentrums. Google konnte mit einem derartigen System den Energieverbrauch um 40 Prozent senken.45 Das System erkennt seine Leistungsgrenzen selbst und entwickelt bessere Strategien, um Energie effizienter zu nutzen. Allerdings kann der Kontext (z. B. Naturkatastrophen, Zusammenbruch der Energiezufuhr) dazu führen, dass das System im Kontext nach menschlichem Ermessen nicht mehr adäquate Entscheidungen trifft. In diesem Fall muss ein Mensch die Kontrolle zurückgewinnen. Im Unterschied zu Stufe 3 übernimmt das System auch Entscheidungen, wenn der Bediener z. B. nicht auf die Aufforderung reagiert, die Kontrolle zu übernehmen. Das spielt für die Praxis eine erstaunlich große Rolle. Eine Studie zum autonomen Auto fahren etwa zeigte, dass sich die Reaktionszeit der Benutzer zwischen 1,9 und beachtlichen 26,7 Sekunden bewegte.

Stufe 5: Autonomes Entscheiden

Das System übernimmt dauerhaft und zuverlässig die Kontrolle über Entscheidungen für eine große und komplexe Anwendungsdomäne. In den festgelegten Situationen ist kein Bediener mehr nötig, etwa beim Einsatz eines Robotertaxis in einem definierten Gebiet, beim Fahren von autonomen Fahrzeugen in Parkhäusern oder autonomen Linienbussen auf festgelegten Routen. Auch Problemfälle und unerwartete Situationen kann das System ohne menschlichen Eingriff bewerkstelligen. Für Stufe 5 muss vor allem die Versorgung mit relevanten Daten in nahezu Echtzeit sicher funktionieren. Denn sie sind zwingende Grundlage jeder Entscheidungssituation. Die Stufe 5 beschreibt ein autark arbeitendes System, das jedoch auf Wunsch des Bedieners auch manuell bedient werden kann.

Der Leitfaden beschreibe keine Vorgaben für die Installation von KI. Er soll eher ein besseres Verständnis für die Thematik vermitteln. Bitkom geht es vor allem um das Verhältnis zwischen Nutzern und KI-Systemen. Den kompletten Leitfaden gibt es hier