Oliver Back berät seit mehr als 15 Jahren Unternehmen in sämtlichen Bereichen des Human Capital Managements. Zu seinen Schwerpunkten zählen dabei strategisches HR-Reporting sowie globales Talentmanagement. Seit Anfang Oktober fungiert Back als Global Chief Operating Officer (COO) der ROC Gruppe.

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Arbeitswelt 4.0: Warum das Management versagt

Leader ohne Orientierung: Nur vier von zehn Österreichern halten ihre Führungskräfte für absolut kompetent beim Thema Industrie 4.0 und jeder zweite traut es ihnen nicht zu, das Unternehmen in die Arbeitswelt von morgen zu führen. Was Manager jetzt tun müssen.

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Wegen drastischer Versäumnisse im Management ist es nicht verwunderlich, dass nur jeder etwa zweite Mitarbeiter in der DACH-Region die aktuellen Entwicklungen in Richtung Arbeitswelt 4.0 aufmerksam verfolgt.

Die Führungskräfte sollen ihre Beschäftigten durch den digitalen Wandel in die „Arbeitswelt 4.0“ bringen. Theoretisch. Doch die Praxis sieht anders aus: Nur jeder zweite österreichische Arbeitnehmer traut seinen Managern zu, Firma und Mitarbeiter erfolgreich in die Arbeitswelt der Zukunft zu leiten. In der Schweiz ist der Anteil geringfügig höher, während er in Deutschland sogar nur bei 47 Prozent liegt. Dies ergab eine internationale Studie der Unternehmensberatung ROC. Mehr als 2.500 Arbeitnehmer in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien wurden dafür befragt, davon 250 aus Österreich.

Wissenslücken bei vielen Top-Managern

Auch beim Thema Industrie 4.0 hakt es in den Chefetagen: 46 Prozent der Mitarbeiter in Österreich halten ihre Vorgesetzten nicht für absolut kompetent in diesem Bereich. Ähnlich hart urteilen die Arbeitnehmer beim nördlichen Nachbarn (47 Prozent), und in der Schweiz (44 Prozent).

Kaum Mitarbeitergespräche über den digitalen Wandel

Entsprechend rar sind die Manager, welche die Digitalisierung regelmäßig ansprechen und dabei ihre Erwartungen an die Mitarbeiter klären. Gespräche also, die heute und erst recht in der Arbeitswelt der Zukunft, selbstverständlich sein sollten. In Österreich bejahen diese Frage nur sechs Prozent der Beschäftigten eindeutig, und weitere 30 Prozent antworten „trifft eher zu“. In Deutschland und in der Schweiz sagen immerhin elf Prozent „trifft zu“ und 27 beziehungsweise 32 Prozent meinen dies mit Einschränkung. Auch die Betrachtung der negativen Antworten zeigt ein Manko österreichischer Führungskräfte im Umgang mit der Digitalisierung: So gibt fast jeder dritte Arbeitnehmer (31 Prozent) an, seine Vorgesetzten redeten nicht mit den Beschäftigten über dieses Thema, dagegen nur jeder vierte aus Deutschland und jeder fünfte aus der Schweiz. An dieser Stelle wird besonders klar, dass der gelungene Übergang in die Arbeitswelt 4.0 weniger ein technisches, als vielmehr ein Führungsproblem ist.

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Förderung? Fehlanzeige!

Noch schwächer ausgeprägt in der DACH-Region ist das Weiterentwickeln der Mitarbeiter in Sachen Industrie 4.0 und Digitalisierung – das gilt vor allem in den österreichischen Betrieben. Nur 18 Prozent der hier Befragten sagen, ihr Unternehmen habe ein eigenes Förderprogramm zu diesem Themenbereich. In Deutschland sind es 25 und in der Schweiz 34 Prozent. Dabei ist es gerade an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution wichtig, die Neugier der Beschäftigten daran zu wecken.

Schwaches Interesse der Arbeitnehmer

Angesichts dieser Versäumnisse im Management ist es nicht verwunderlich, dass nur jeder etwa zweite Mitarbeiter in der DACH-Region die aktuellen Entwicklungen in Richtung Arbeitswelt 4.0 aufmerksam verfolgt. Der Blick ins Detail zeigt: Der Anteil derjenigen, die diese Frage klar bejahen, ist mit zwölf Prozent in Österreich wiederum geringer als in Deutschland (16 Prozent) und der Schweiz (18 Prozent). Aber woher soll dieses Interesse ohne eine Vorbildfunktion des Managements in diesem Bereich auch kommen? Und so erwartet auch nur etwa jeder Zweite, seine beruflichen Tätigkeiten durch den stärkeren Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik sowie eine weitere Automatisierung mittelfristig zu verbessern. Hier sind die österreichischen Beschäftigten mit 52 Prozent zuversichtlicher als die deutschen (48 Prozent), wenngleich pessimistischer als die Schweizer Befragten (57 Prozent).

Fazit

Die ROC-Studie zeigt, welches die Schwächen vieler Manager auf dem Weg in die Arbeitsweit 4.0 sind und was sie besser machen sollten. Die drei wichtigsten Maßnahmen sind, das Thema zu verinnerlichen, es den Mitarbeitern vorzuleben und diese entsprechend zu fördern. Die Führungskraft der Zukunft bittet nicht mehr einmal im Jahr zum Rapport, sondern entwickelt sich zum permanenten Coach seiner Leute – und zwar nicht nur bei 4.0-Themen.