Maschinenbau : 2021: Maschinenbau-Konjunktur kommt in Schwung

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Österreichs Maschinenbau ist im internationalen Vergleich eine konkurrenz- und wachstumsstarke Industriebranche. Wie der aktuelle Branchenbericht der UniCredit Bank Austria zum Maschinenbau zeigt, ist die Branche erst 2020 etwas in Rückstand geraten. „Wir erwarten, dass der Maschinenbau heuer kräftig zulegen und sein Vorjahresminus spätestens 2022 wieder aufholen wird. Außerdem wird die Branche aufgrund ihrer Wettbewerbsstärke in Zukunft wieder rascher als die europäische Konkurrenz wachsen“, analysiert UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Maschinenbau gibt Stabilität

2020 hat der Maschinenbau etwa 15 Prozent seiner Produktionsleistung eingebüßt, mehr als die heimische Industrie, die das Krisenjahr voraussichtlich mit einem Minus unter zehn Prozent beendet hat. Trotz des höheren Produktionsrückgangs ist die Zahl der Arbeitsplätze im Maschinenbau im Jahresdurchschnitt 2020 aber nur um 0,8 Prozent gesunken, in der Industrie um 1,5 Prozent. Auch die Arbeitslosenquote der Branche lag mit 2,9 Prozent 2020 deutlich unter dem Sektorschnitt von 4,9 Prozent.

Die relativ stabile Beschäftigungssituation im Krisenjahr 2020 kann einerseits mit der Nutzung der Kurzarbeitsprogramme erklärt werden. Andererseits bestätigt sich damit die Ausnahmeposition des Maschinenbaus, der in Österreich zu den wachstumsstärksten Industriebranchen zählt, wo langfristig auch überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Von 2008 bis 2020 ist die Zahl der Jobs um 16 Prozent gestiegen, im Vergleich zu rund drei Prozent in der Industrie. Der Maschinenbau ist seit Jahren größter industrieller Arbeitgeber in Österreich und ist das auch im Jahr 2020 geblieben, mit durchschnittlich 86.000 Beschäftigten und einem Anteil von 14 Prozent an der Industriebeschäftigung.

Erholung von 2021 wird Minus des Vorjahres nur zum Teil ausgleichen

Im Dezember 2020 rechnete wieder die Mehrzahl der Maschinenbauunternehmen per Saldo mit Produktionszuwächsen in den nächsten Monaten. Vollständig von der Krise erholen wird sich die Nachfrage nach Ausrüstungsinvestitionen erst 2022, in einigen EU-Ländern erst 2023.

2021 wird die Investitionsbereitschaft der Unternehmen noch gebremst durch die Unsicherheiten hinsichtlich des weiteren Pandemieverlaufs, die spürbaren finanziellen Einbußen infolge der Krise und unterausgelastete Produktionskapazitäten. Allerdings wird die Maschinenbaukonjunktur von den geplanten öffentlichen Investitionen und Förderprogrammen auf EU-Ebene wie auf nationaler Ebene angetrieben und von den unverändert günstigen Finanzierungsbedingungen gestützt.

Etwa sieben Prozent an Produktionszuwachs

2021 kann der Maschinenbau in Österreich mit einem Produktionszuwachs von schätzungsweise sieben Prozent rechnen. Damit wächst die Branche rascher als der Industriedurchschnitt und wird ihr Produktionsniveau aus 2019 voraussichtlich 2022 wieder erreichen. Stärkere Wachstumsimpulse können aus Deutschland, dem Ziel von 26 Prozent der österreichischen Maschinenexporte, erwartet werden, ebenso wie aus den USA und China, wohin in Summe weitere 14 Prozent der Maschinenexporte geliefert werden.

Technologischer Vorsprung als Basis der guten Performance

Österreichs Maschinenbau zählt zu den forschungsfreudigsten Branchen im europäischen Vergleich. Der Anteil der F&E-Ausgaben von 4,7 Prozent des Umsatzes ist eine der höchsten im EU-Vergleich. Ein weiterer Indikator für den technologischen Vorsprung der Branche ist der relativ hohe Anteil an Patenten, die von österreichischen Maschinenbauunternehmen beim internationalen Patentsystem eingereicht werden. Herausragend sind hier die Bereiche Werkzeugmaschinen und Papiermaschinen.

Die EU-Innovationserhebungen bestätigen die hohe Innovationskraft der Branche und damit die Fähigkeit, Erfindungen auch zur Marktreife zu bringen. Im Rahmen der Erhebungen belegt der heimische Maschinenbau seit Jahren einen Spitzenplatz, wobei der Anteil innovationsaktiver Unternehmen fast kontinuierlich gestiegen ist, bis auf 88 Prozent aller Maschinenbauunternehmen 2018 (im Industriedurchschnitt waren es 65 Prozent).

Eine wettbewerbsstarke Branche mit erfreulichen Perspektiven

Seine Wettbewerbsstärke beweist der heimische

mit dem Wachstumsvorsprung im internationalen Branchenvergleich: Seit 2008 ist die Branchenproduktion um durchschnittlich 2,7 Prozent im Jahr gestiegen, im EU-Schnitt gleichzeitig um 0,3 Prozent gesunken. Die Zuwächse wurden fast ausschließlich im Export generiert. Wesentliche Wachstumschancen ergeben sich für den Maschinenbau aus dem Trend zu vernetzten Produktionsabläufen, zur Digitalisierung und Automation. Zudem wird die Bewältigung der Klimakrise die Nachfrage nach Umwelt- und Energietechnik in den nächsten Jahren deutlich ankurbeln (der heimische Maschinenbau erzielte mit Umwelttechnik in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 18 Prozent vom Umsatz).

Demgegenüber stehen zahlreiche Nachfragerisiken, einerseits aufgrund struktureller Veränderungen in wichtigen Kundenindustrien, beispielsweise der Fahrzeugerzeugung. Andererseits wächst der Konkurrenzdruck aus den Schwellenländern, vor allem aus China. Zugleich wird der chinesische Markt für den europäischen Maschinenbau an Wachstumspotenzial verlieren.

Das Fraunhofer-Institut schätzt, dass die Exporte des deutschen Maschinenbaus nach China etwa ab 2025 stagnieren, falls China das Technologieniveau erreicht, wie es im Strategieplan „Made in China 2025“ festgelegt wurde. „In diesem Zusammenhang kann das im Dezember 2020 beschlossene Investitionsabkommen der EU mit China zumindest die Perspektiven der europäischen Maschinenbauer am chinesischen Markt verbessern“, sagt Wolf abschließend.